
Making-of von „Short and Sweet“ Mit seiner Feiertagsanimation zollt Maxon der klassischen Stop-Motion-Animation Tribut.
Wer liebt sie nicht – Yetis? Zu den Feiertagen präsentiert Maxon in diesem Jahr eine kurze, aber charmante Loop-Animation, in der ein entschlossener kleiner Fellknäuel versucht, einen riesigen Schneeball hochzuheben. Charakter, Animation und Umgebung entstanden vollständig inhouse – umgesetzt von den Artists Ian Robinson (@IRSculpts) und Daniel Hashimoto, auch bekannt als Hashi (@ActionMovieDad), in knapp zwei Wochen.
„Leo Hageman, unser Creative Director, brachte die Idee ins Spiel, eine Illustration oder Animation für die Feiertage rund um einen zotteligen Schneemenschen zu gestalten – einen liebenswerten Yeti, inspiriert von den Stop-Motion-Figuren von Rankin/Bass“, erinnert sich Hashi. Ian und Hashi sind mit den nostalgischen Figuren aus Filz und Drahtgestell der Feiertagsspecials von Rankin Bass aufgewachsen, daher begeisterte sie die Idee sofort. Das Konzept griff außerdem Robinsons Arbeit aus dem Vorjahr auf, als er für einen Livestream mit Perception ein „Snowman Making Kit“ entwickelte. Daraus entstand schließlich die Idee, die vorhandenen Assets als Cameo mit einem komplett neuen Sculpt zu kombinieren.

Hashi skizzierte zunächst ein grobes Animatic, in dem ein kleiner Yeti einen Schneemann baut. Als diesem jedoch der Kopf abfällt, gerät die Figur in eine Endlosschleife und setzt ihn immer wieder aufs Neue zusammen. Ian legte direkt in ZBrush los und begann mit dem Sculpting des Yetis. Bereits einen Tag später präsentierte er den ersten Sculpt zur Begutachtung. Nach nur einer Feedbackrunde übergab er Hashi schon am nächsten Tag den fertigen Yeti – ganze fünf Tage vor dem geplanten Termin. Rückblickend auf die kurze Produktionszeit erzählt Ian: „Ich habe ein paar Freunden erzählt, dass ich Anfang der Woche für ein kleines, süßes Projekt bei der Arbeit einen Charakter entworfen und gesculptet habe – und nach zwei Tagen war er schon fertig. Da meinten sie nur: ‚Du hast einen kompletten Charakter in zwei Tagen fertiggestellt?!‘“
Neben seinem natürlichen Talent und der Erfahrung, die er sich in mehr als zehn Jahren mit ZBrush erarbeitet hat, profitierte Ian auch von den beeindruckenden Verbesserungen in ZBrush, die die Übergabe an Cinema 4D sauberer und einfacher machen als je zuvor. „Dass sich die Retopologie direkt in ZBrush erledigen lässt, war ideal, um ein animationsfertiges Modell zu erstellen und es an den nächsten Artist in der Pipeline zu übergeben“, erklärt er.
Mithilfe von GoZ konnte Hashi die Geometrie mit nur einem Klick direkt von ZBrush nach Cinema 4D übertragen. „Ian hat mir den Yeti früher als erwartet geliefert. So konnte ich das Wochenende ganz entspannt damit verbringen, verschiedene Ansätze für Rigging und Texturierung auszuprobieren“, erzählt er. „Für unseren Account ‚But With Raptors‘ hatte ich bereits eine Stop-Motion-Sequenz im Stil von Rankin Bass umgesetzt – damals allerdings noch mit dem Standard Renderer von Cinema 4D.“ Diesmal wollte ich die Figur aus nächster Nähe zeigen und die Möglichkeiten von Redshift-Materialien und -Beleuchtung voll ausschöpfen, um eine Stop-Motion-Figur zu schaffen, die wie echter Nadelfilz mit Fell über einem Drahtgestell wirkt.“
Hashi sammelte zunächst Fotoreferenzen und übertrug anschließend mithilfe des Klonstempels ein gepresstes Filzmuster in den gewünschten Farben auf den Körper des Yetis. Um dem Fell mehr räumliche Tiefe zu verleihen, kombinierte er zwei Systeme: Displacement-Geometrie und Haarsimulation. „Ich habe die Körpergeometrie dupliziert und darauf ein eigens entwickeltes, filzartiges Material mit feinen Fasern angewendet, das seine Farbe von der darunterliegenden Referenzgeometrie übernimmt. Die Ebene zwischen den Haaren und Fasern ist transparent. Außerdem sorgt ein Redshift-Displacement-Tag dafür, dass die Geometrie von der ursprünglichen Körpergeometrie aus in alle Richtungen unregelmäßig nach außen versetzt wird. Dadurch entstehen feine Schatten, die der Oberfläche zusätzliche Tiefe verleihen.“ Die Haarsimulation bestand aus zwei Bereichen: dem Körperfell sowie den Haaren an Armen und Kopf. Beide wurden ebenfalls auf Basis der Körperfarbe eingefärbt.

Die 30.000 Körperhaare wurden gelockt und dicht am Körper gebündelt. So entstand der Eindruck einzelner Fasern, die stellenweise aus der Oberfläche hervortreten und wieder darin verschwinden. Kopf und Arme wurden mit 20.000 Haaren versehen, die so frisiert wurden, dass sie wie gestutztes Fell wirken. „Ich konnte mit einer vergleichsweise geringen Anzahl an Haaren arbeiten, weil ich mir vorgestellt habe, dass die Figur als echte Stop-Motion-Puppe nur etwa 15 bis 20 Zentimeter groß wäre.“
Das Gesichts-Rig wurde bewusst einfach gehalten und mit gerade genug Blend Shapes ausgestattet, um die im Kurzfilm vorkommenden Gesichtsausdrücke umzusetzen. Besonders hervorzuheben ist ein Blend Shape namens „Cartoon Smile“. Wird er vollständig aufgedreht, ersetzt er die einzelnen Zähne durch ein breites Grinsen und lässt den Yeti an einer Stelle verlegen wirken.

Für die Bewegungsreferenz filmte sich Hashi selbst bei der Ausführung der Animationen, passte deren Timing anschließend in After Effects so an, dass sie wie Stop Motion wirkten, und legte das Ergebnis in Cinema 4D auf eine 2D-Karte, um die Bewegungen nachzuahmen. „Ich bin kein Character Animator, aber mit guten Referenzen oder Motion Capture kann ich mich manchmal ganz gut durchmogeln. In diesem Fall entstand die gesamte Animation per Hand durch Keyframing des Rigs – in einem Workflow, der im Grunde einer Rotomation entsprach.“
Die Umgebung bestand aus einem Himmel mit prozedural erzeugten Metaball-Wolkenformen, die in Photoshop stilisiert und angeordnet wurden. Die Bäume bestanden aus modularen, geklonten Scheiben, die überlappend zu einem Kegel angeordnet und mit einem ähnlichen, vereinfachten Filzmuster versehen wurden. Das finale Rendering der zusammengeführten Ebenen erfolgte in After Effects. Mit Supercomp wurden die Farben aufeinander abgestimmt und die Elemente mithilfe von Licht-Umhüllung miteinander verbunden. Die finale Animation wurde mit 24 fps und ohne Motion Blur gerendert. Anschließend wurde die Animation gezielt posterisiert, um für den typischen Stop-Motion-Look eine Bildrate von 12 bis 18 fps nachzuahmen. Universe Retrograde verlieh dem gesamten Bild den Farblook eines Vintage-Films sowie realistisches Filmkorn und authentische Alterungsspuren.
Das Team ist stolz darauf, wie schnell und reibungslos das Projekt umgesetzt werden konnte – es zeigt eindrucksvoll, wie sich die Tools von Maxon One zu einer durchgängigen Produktionspipeline vom ersten bis zum letzten Schritt verbinden lassen. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Animation eine liebevolle Hommage an die nostalgischen Filmtechniken darstellt, mit denen Feiertagsklassiker vergangener Zeiten entstanden sind. Woran arbeitest du in dieser Feiertagssaison? Folge uns und teile deine kreativen Projekte und Kunstwerke mit uns!