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Animation der Titelsequenz von Stranger Things Eric Demeusy erzählt, wie er mit Red Giant Shine die Emmy-prämierte Titelsequenz einer der beliebtesten Netflix-Serien gestaltete.


Regisseur und Animator Eric Demeusy setzte After Effects und Red Giant Shine ein, um die Ästhetik praktischer Effekte mit ihren natürlichen Unvollkommenheiten nachzubilden – perfekt abgestimmt auf den Look und das Lebensgefühl der 1980er-Jahre, die die Serie prägen. 

Als die erste Staffel von „Stranger Things“ 2016 Premiere feierte, rechnete kaum jemand damit, dass sich die Serie zu einem weltweiten Phänomen entwickeln würde. Sie wurde zu einem Sinnbild der 1980er-Nostalgie und zu einem wichtigen Treiber für das Engagement der Netflix-Abonnenten. Zehn Jahre später gilt „Stranger Things“ als das Aushängeschild unter den Netflix-Franchises und arbeitet mit Marken wie Burger King, Coca-Cola, Nike und LEGO zusammen.

Die ikonische Titelsequenz prägt die visuelle Identität und den Retro-Charme von „Stranger Things“ entscheidend mit. Die Titelsequenz wurde von Eric Demeusy bei Imaginary Forces animiert und begeisterte Fans wie Kritiker gleichermaßen, indem sie den Ton der Serie perfekt vorgibt. Für ihr Design wurde sie schließlich mit einem Emmy in der Kategorie „Best Main Title Design“ ausgezeichnet.

Wir haben mit Eric über seinen Weg in die Branche gesprochen, darüber, wie die Titelsequenz von „Stranger Things“ ursprünglich als kleines Projekt für eine kleine Netflix-Serie begann, und wie er den Look klassischer, handgefertigter Effekte nachbildete. 

Demeusy: Meine Leidenschaft galt schon immer dem Filmemachen und Filmen. Deshalb habe ich Regie an einer Filmschule studiert. Nach dem Abschluss der Filmschule geht man hinaus in die Welt und versucht, irgendeinen Job in der Branche zu finden, mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Meine Stärken lagen in den Bereichen Kameraführung, Editing und Motion Graphics, also begann ich, mich in diesen Bereichen um Jobs zu bewerben. Eins führte zum anderen, und ein Musikvideoregisseur, für den ich gearbeitet hatte, empfahl mich einem Animationsstudio. Dort entdeckte ich schnell diese Welt der Kreativstudios, die Titelsequenzen und Werbespots für Film und Fernsehen produzieren. Zu Beginn meiner Karriere bestand ein Großteil meiner Arbeit darin, die Schlusssequenzen von Werbespots zu animieren. Dann hatte ich schließlich die Gelegenheit, an einigen wirklich fantastischen Projekten mit supertalentierten Artists mitzuwirken. Als ich an der Introsequenz mit dem Disney-Schloss für „Tron Legacy“ arbeiten durfte, war das das Coolste, woran ich je arbeiten durfte. Besonders Titelsequenzen waren für mich immer die Projekte, die meine Kreativität am stärksten angeregt haben. Parallel dazu habe ich weiterhin Filme entwickelt und konnte vor einigen Jahren schließlich meinen ersten Spielfilm realisieren. Heute teile ich meine Zeit zwischen der Entwicklung von Filmen, dem Schreiben und dem Animieren auf. 

Demeusy: Damals arbeitete ich bei Imaginary Forces, als dieses Projekt für eine Titelsequenz hereinkam und ich gebeten wurde, daran mitzuwirken. Anfangs wirkte alles eher unspektakulär, für mich war es aber etwas Besonderes, weil ich Titelsequenzen liebe. Vorgestellt wurde das Projekt als Netflix-Serie – im Jahr 2015, als Netflix gerade erst begann, eigene Produktionen zu verwirklichen. Das Konzept war spannend, und als ich dazustieß, hatte das Team bereits einige Designideen für die Titelsequenz präsentiert – überwiegend einfache Konzepte, etwa Buchstaben, die im Raum schweben. Aus irgendeinem Grund finde ich jedoch einfache Ideen immer am faszinierendsten. Man erzählte mir von der Serie, und ich erinnere mich, dass wir schon sehr früh die ersten beiden Folgen sowie den Musiktitel, der für die Titelsequenz vorgesehen war, zu sehen beziehungsweise zu hören bekamen. Daraufhin begann ich sofort mit den ersten Motion-Tests. 

Demeusy: Die Duffer-Brüder ließen sich von zahlreichen Filmen und Fernsehserien aus den 1970er- und 1980er-Jahren inspirieren. „Altered States“, „Pulp Fiction“, „The Dead Zone“ vermittelten genau diese langsame, unheilvolle Stimmung, die sie erreichen wollten. Für das Logo dienten uns auch zahlreiche Buchcover von Stephen King als Referenz. Den größten Einfluss hatte letztlich jedoch der Soundtrack. Er gab uns die klarste Vorstellung davon, wie die Titelsequenz aussehen sollte. Er hatte diesen handgemachten 1980er-Jahre-Sound, ganz im Stil von John Carpenter. Das halft uns enorm dabei, eine Bildsprache zu entwickeln, die perfekt zu diesem Sound passte. 

Demeusy: Wir begannen mit Motion-Tests. Zunächst ging es darum, das richtige Tempo und Timing für die Animation zu finden und herauszuarbeiten, wie die einzelnen Buchstaben zusammengeführt werden sollten. Anfangs stand auch die Idee im Raum, die gesamte Sequenz als einen einzigen durchgehenden Shot statt als Abfolge einzelner Nahaufnahmen der Buchstaben umzusetzen. Ursprünglich hatte ich die Buchstaben eher schnell und dynamischer animiert. Mit der Zeit fanden wir jedoch die richtige Abfolge und das passende Timing. Aber dann ging es darum, den richtigen Look zu entwickeln. Ich hatte ernsthaft darüber nachgedacht, die Buchstaben mit einem optischen Printer als praktische Effekte zu realisieren. Zur Veranschaulichung habe ich einige Kameratests mit praktischen Effekten gemacht. Diese Tests haben den späteren Look entscheidend geprägt. Letztlich blieb die Animation zwar digital, wir übernahmen jedoch all die Imperfektionen, die wir in den Tests und in den Titelsequenzen von Filmen aus den 1980er-Jahren beobachtet hatten.

Demeusy: Eines der Elemente des ursprünglichen Design-Frames, das den Duffer-Brüdern gefiel, zeigte einen Lichtstrahleneffekt auf den Buchstaben. Er erinnerte mich an die Titelsequenz von „The Thing“, die mit praktischen Effekten umgesetzt wurde. Da wir uns entschieden hatten, den digitalen Weg zu gehen, wusste ich, dass sich Shine dafür perfekt eignen würde. Ich hatte Shine schon oft zuvor verwendet und wusste, dass sich durch das doppelte oder sogar dreifache Anwenden des Effekts ein wirklich cooler organischer Look erzielen lässt. Genau das habe ich dann auch getan. Dadurch entstand weit mehr als ein gewöhnlicher Glow-Effekt: Ich erhielt natürlich wirkende Überstrahlungen und Glows, wie sie entstehen, wenn man etwas mit praktischen Effekten direkt in der Kamera aufnimmt. 

Demeusy: Die größte Herausforderung war wahrscheinlich die Anzahl der Iterationen, die wir durchlaufen haben. Jeder Shot erforderte zahlreiche Ebenen, Maskierungen und übereinandergelegte Effekte im Modus Multiplizieren, um den gewünschten Look zu erzielen. Sobald sich die Form eines Buchstabens änderte, musste der gesamte Shot neu aufgebaut werden. Im Grunde haben wir den Look immer wieder neu gestaltet, weil die Glows sehr spezifisch auf die Form der Buchstaben reagieren. Man konnte also nicht einfach ein „T“ durch ein „R“ ersetzen und erwarten, dass sich alles automatisch aktualisiert. Wir begannen mit einer völlig anderen Schriftart, auf deren Grundlage ich den Glow-Look entwickelt hatte. Diese besaß jedoch keine Serifen. Als wir später zu einer Serifenschrift wechselten, verhielten sich die Glows völlig anders, weil sie auf die Serifen reagierten. Die einzige Lösung war Geduld. Tatsächlich hat mir gerade gefallen, dass sich der Prozess wie echte Handarbeit anfühlte. Das war nichts, was sich mit ein paar Effekten auf einer Einstellungsebene schnell erzeugen ließ.

Sieh dir Eric Demeusys vollständige Erklärung an und erfahre, wie er die Titelsequenz von Stranger Things animiert hat:  

Demeusy: Es erinnerte mich daran, dass einige der besten Arbeiten aus mühsamen, handwerklichen Prozessen entstehen. Es ist oft ein Irrglaube, dass digitale Technologie es uns nur ermöglicht, Dinge schneller zu automatisieren, insbesondere jetzt mit dem Aufkommen von KI. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Abkürzungen häufig auf Kosten des Endergebnisses gehen. Manchmal führt nur ein sorgfältiger, von Hand umgesetzter Frame-für-Frame-Workflow zu dem Ergebnis, das man erreichen möchte. 

Demeusy: Es war spannend, das mitzuerleben. Mir haben die Titelsequenzen zwar selbst sehr gut gefallen, aber ich wusste nicht, wie das Publikum darauf reagieren würde. Damals bestanden die meisten Titelsequenzen aus aufwendigen, in 3D gerenderten Sequenzen, die Titelsequenzen von Stranger Things waren jedoch völlig anders. Ich empfand diesen Minimalismus als erfrischend – vor allem, weil die gesamte Sequenz ausschließlich aus den Buchstaben des Titels bestand. Als die Serie immer erfolgreicher wurde, rückte natürlich auch alles, was mit ihr verbunden war, stärker in den Fokus. Es war faszinierend zu beobachten, wie aus etwas, das zunächst kaum Beachtung fand, schließlich zu allgemeiner Bekanntheit gelangte. Eine solche Entwicklung lässt sich nicht vorhersagen, und sie aus nächster Nähe mitzuerleben, war inspirierend. 

Demeusy: Mein wichtigster Rat wäre, zunächst die Grundlagen zu verstehen: Welche Aufgabe erfüllt eine Titelsequenz für einen Film oder eine Serie? Welchem Zweck dient sie? Wie etabliert sie die Geschichte und ihre Welt? – lerne alle Basics und versuche dann, etwas anders zu machen. Entdecke neue Tools, kombiniere unterschiedliche Kunstformen und experimentiere mit verschiedenen Formaten. Verbinde klassische Techniken mit modernen Methoden. Überrasche die Menschen und fessle sie. 


Wenn du mehr über die Entstehung der Titelsequenz von Stranger Things erfahren möchtest, sieh dir Eric Demeusys Behind-the-Scenes-Video an.


Wichtige Erkenntnisse

  • Die Emmy-prämierte Titelsequenz von Stranger Things wurde von Filmen, Fernsehserien und Buchcovern aus den 1970er- und 1980er-Jahren inspiriert.

  • Eric Demeusy nutzte Kameratests mit praktischen Effekten, um Referenzaufnahmen zu erstellen, die ihm halfen, den Look klassischer praktischer Effekte authentisch nachzubilden.

  • Mit Red Giant Shine erzielte er in After Effects natürlich wirkende Glows und Überstrahlungen. 


Sebastian Becker ist Senior Writer bei Maxon.

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