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Blick hinter die Kulissen der OFFF Barcelona 2026 So entstand die farbenfrohe Titelsequenz, die das Publikum in ihren Bann zog.


PJ Richardson von Laundry Studios entwickelte gemeinsam mit dem 3D Motion Designer Alex Liou und dem Visual Artist Josh Pierce die Eröffnungs-Titelsequenz für OFFF Barcelona 2026. Mit Cinema 4D und Redshift erstellten sie 55 Titel über eine Laufzeit von zehn Minuten und schufen so ein fesselndes Projektions-Mapping-Spektakel mit verschiedenen 3D-Animationen.

Creative Director PJ Richardson, 3D Motion Designer Alex Liou sowie der Visual Artist und Art Director Josh Pierce entwickelten gemeinsam die bislang lebendigste Eröffnungs-Titelsequenz der Veranstaltung. Laundry Studios ist ein Studio für Motion Design, Animation und Produktion mit Standorten in Los Angeles, San Francisco und New York. Das preisgekrönte Kreativstudio hat mit Marken wie Apple, Nike, Google, Lego, Coca-Cola und vielen anderen zusammengearbeitet und dabei einzigartige Motion-Design-Projekte realisiert.

Wir haben mit Richardson gesprochen und einen Blick hinter die Kulissen geworfen, um zu erfahren, wie das Team die beeindruckenden 55 Titel umgesetzt hat, mit denen die OFFF die Kreativ-Community begrüßt hat.

Richardson: Ich bin seit vielen Jahren ein eingefleischter OFFF-Fan, Besucher und in den letzten Jahren auch Speaker auf OFFF-Konferenzen weltweit. Ich liebe einfach das Gemeinschaftsgefühl, die kreative Atmosphäre und die Möglichkeit, ein Teil davon zu sein. Um etwas zurückzugeben und selbst einen Beitrag zu leisten, habe ich Ende 2025 OFFF-Gründer Pep Salazar angesprochen und gefragt, ob wir die Titel gestalten könnten. Zunächst gingen wir davon aus, dass sich um eine zwei- bis dreiminütige Titelsequenz auf der Bühne der Konferenz in Barcelona handeln würde. Nachdem wir mit der Arbeit begonnen hatten, erfuhren wir jedoch, dass sie erstmals als großflächiges Projektions-Mapping an der Fassade des Disseny Hub gezeigt werden sollte – des Designmuseums in Barcelona, in dem OFFF jedes Jahr stattfindet.

Darüber hinaus entwickelte Uncommon Creative Studio die visuelle Identität der Konferenz. Dafür sammelte das Studio im Rahmen verschiedener OFFF-Treffen weltweit Speichelproben der Teilnehmenden und ließ darauf Schimmel wachsen, aus dem organische Kunstwerke aus Schimmel entstanden. Die Idee war, visuell darzustellen, wie wir alle als Individuen auf wunderschöne, organische Weise zusammenkommen – genau so, wie wir alle OFFF erleben. Unser Ziel war es, die Titelsequenz aus dieser organischen Ästhetik heraus wachsen zu lassen und so alles zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden.

Richardson: Es gab über 55 Titel, und wir hatten etwa 45 Tage für die Produktion – das ließ kaum Zeit für Forschung und Entwicklung. Stattdessen konzentrierten wir uns auf das, was uns als Kreativ-Community verbindet: den Prozess. Inspiriert von meinem kreativen Vorbild und Mentor, den ich nie persönlich kennenlernen durfte – Virgil Abloh –, verfolgten wir einen sehr postmodernen Ansatz, bei dem der Prozess selbst zum visuellen Kunstwerk wurde. Mir war klar, dass die Titel die gemeinsame kreative Reise widerspiegeln sollten – mit all den Emotionen, Experimenten, Rückschlägen und Erkenntnissen, die den kreativen Prozesses ausmachen.

Wir gliederten die Titel in drei Kapitel: Vorfreude und Begeisterung, Neugier und Experimentierfreude sowie die Freude darüber am Ende etwas Schönes geschaffen zu haben. Jedes Kapitel transportierte dabei ganz bestimmte Emotionen: die Begeisterung und Abstraktion einer Idee, die Gestalt annimmt, der Prozess des Experimentierens und das befreiende Gefühl, das Ziel und den persönlichen Happy Place erreicht zu haben.

Damit wir alles rechtzeitig fertigstellen konnten, holte ich zwei meiner guten Freunde dazu, Alex Liou und Josh Pierce. Alex übernahm als meisterhafter Houdini-Experimentator das Kapitel rund um die Neugier, Josh erweckte den Schlussteil mit seinen charakteristischen 3D-Landschaften als Happy Place zum Leben, und ich kümmerte mich um das erste Kapitel sowie das Compositing. Während des gesamten Prozesses experimentierten wir mit den einzelnen Abschnitten und wählten schließlich die stärksten Varianten aus, die das jeweilige Gefühl am besten transportierten.

Zusammengehalten wurde das Ganze durch Maxon Cinema 4D und Redshift. Ich habe mit vielen alten und neuen Tools gearbeitet, aber Cinema 4D und Redshift sind aufgrund ihrer Einfachheit, Geschwindigkeit und Stabilität nach wie vor meine erste Wahl. Bei Laundry setzten wir Cinema 4D und Redshift für 85 % unserer 3D-Projekte ein – von Werbekampagnen über Motion Graphics und Branding bis hin zu Worldbuilding und Charakterentwicklung. Auch für Produktvisualisierung und Out-of-Home-Projekte für einige der größten Marken und Bildschirme der Welt – darunter Nike, Sphere und Apple – verlassen wir uns seit Jahren auf diese Tools. Sie funktionieren einfach.

Richardson: Redshift hat uns – wie so oft – beim Rendern den Rücken freigehalten. Da wir die Software sehr gut kennen, konnten wir die kräftigen, lebendigen Farben und den grafischen Stil erzielen, die hervorragend zu unserer gemeinsamen Ästhetik passten. Die prozedurale Arbeitsweise einiger Noise-Modes in Redshift half uns dabei, für unsere organischeren Materialien natürlich wirkende Texturen zu erstellen. Gleichzeitig konnten wir Texturen erzeugen, die sich in Loops animieren ließen und deren Geschwindigkeit wir prozedural ganz einfach anpassen konnten.

Richardson: Im Laufe des Projekts erfuhren wir, dass wir im Außenbereich auch Audio einsetzen konnten. Wir wandten uns an John Black und das Cypher-Sound-Team in Toronto. Das Briefing ähnelte dem, das wir uns selbst gegeben hatten: den Prozess in den Mittelpunkt zu stellen und die Freiheit zu nutzen, Dinge auszuprobieren, die uns Kunden sonst nur selten erlauben. Das Team entwickelte eine Klanglandschaft aus rund 60 Soundebenen und schuf daraus den Soundtrack für die Titelsequenzen.

Richardson: Das war mit Abstand die größte Herausforderung. Wir hatten zwar eine 2D-Vorlage und einen 3D-Scan des Gebäudes, stießen aber schnell auf zwei Probleme. Erstens wirkte eine 3D-Landschaft verzerrt, obwohl sie auf der Fassade korrekt dargestellt wurde. Zweitens entsprach der Mittelpunkt der 3D-Komposition aufgrund der länglichen Form des Gebäudes nicht dem Mittelpunkt, den das Publikum tatsächlich wahrnahm. Also mussten wir unsere Szenen im Grunde genommen etwa 35 % breiter anlegen, als sie später zu sehen waren, um einen tatsächlich zentrierten Bildaufbau zu erzielen. Hinzu kam, dass die Ausgabe mit mehr als 8K bei 50 FPS eine erhebliche Herausforderung für unsere Rendering-Pipeline darstellte. Deshalb nutzten wir das KI-Tool Topaz, um das Projekt aus dem ursprünglich 4K-Format mit 25 FPS hochzuskalieren.

Richardson: Im Moment fällt die Nutzung sehr unterschiedlich aus. Bei Laundry setzen wir KI inzwischen in vielen Bereichen unseres Workflows ein – von einfachen technischen Optimierungen bis hin zu vollständig KI-gestützten Produktionen. Wir nutzen sie für Storyboards, die Entwicklung von Stilrichtungen, Fotografie, Videos und CGI-ähnliche Animationen. Für uns bleibt KI dennoch ein Werkzeug, das wir nur dann kreativ einsetzen, wenn es zu unserer bewusst entwickelten kreativen Vision und unserem Geschmack passt, die bereits feststehen, bevor wir KI überhaupt einsetzen. In den meisten Fällen verwenden wir sie nach wie vor überhaupt nicht, weil sie uns dort keinen nennenswerten Mehrwert bietet.

Mit Blick auf die Zukunft ist klar: KI als Werkzeug wird nicht verschwinden und technisch nur noch besser, vielseitiger und leistungsfähiger werden. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir sie auf zwei Arten nutzen werden. Aus technischer Sicht wird sie komplexe Tools weiterhin vereinfachen und dadurch leichter zugänglich machen. Dadurch können wir eine Vielzahl anspruchsvoller kreativer Aufgaben umsetzen, statt uns auf wenige zu beschränken. Deshalb setzen sowohl unser Studio als auch viele Kreative KI zunehmend ein. Stilistisch hingegen werden wir uns, glaube ich, eher von KI entfernen, zum Beispiel wenn es um generative KI-Kunst geht. Im Moment erinnert mich das ein wenig an die Zeit, als die ersten Photoshop-Filter aufkamen: Das Ergebnis wirkt zwar äußerst hochwertig, gleichzeitig wird der visuelle Stil aber schnell überstrapaziert. Weil sich solche Inhalte leicht erstellen lassen und dadurch in großer Zahl entstehen, verlieren sie häufig an Reiz – sowohl für Artists als auch für Kunden. Genau das beobachten wir bereits heute und vermeiden deshalb oft den typischen „KI-Look“. Schon lange vor dem Aufkommen von KI haben wir uns darauf konzentriert, Bilder zu schaffen, die eine möglichst starke emotionale Verbindung erzeugen – und nicht nur durch eine makellose Hochglanzoptik beeindrucken.

Richardson: Die Titelsequenz war eines der emotional erfüllendsten und zugleich anstrengendsten Projekte, an denen ich je gearbeitet habe. Der Umfang des Projekts und der Druck, etwas zu schaffen, das mir persönlich viel bedeutete – und das für Kolleginnen und Kollegen, die ich wirklich schätze und respektiere –, lasteten schwer auf mir. Als Nächstes möchte ich erst einmal abschalten, die Erfahrungen auf mich wirken lassen und neue Wege finden, kreativ zu sein. Bei Laundry experimentieren wir derzeit intensiv mit KI. Vor allem mit der Frage, wie sich damit Arbeiten schaffen lassen, die emotional berühren. Außerdem habe ich meine Begeisterung für Typografie wiederentdeckt.


Wichtige Erkenntnisse

  • PJ Richardson und sein Team entwickelten für die OFFF Barcelona 2026 eine groß angelegte Projektions-Mapping-Titelsequenz mit 55 Titeln und einer Laufzeit von zehn Minuten.

  • Mithilfe der prozeduralen Workflows von Cinema 4D und Redshift realisierten sie ein Projekt, das das Publikum in seinen Bann zog und die Atmosphäre der gesamten Veranstaltung prägte. 


Nadia Yangin ist Texterin bei Maxon.

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