
So wird aus einem Super-Bowl-Stadion ein Broadcast-Studio Innovative Show Design verleiht der Übertragung des 60. Super Bowl zusätzlichen Glanz.
Projektablauf und Ergebnis
Für die Fernsehübertragung des Super Bowl LX nutzte Innovative Show Design, ein Unternehmen für Szenenbild und Lichtdesign, Cinema 4D und Vectorworks, um mehrere funkelnde, futuristische Sets zu gestalten, die das nahe gelegene Silicon Valley und das Diamantjubiläum des 60. Super Bowl widerspiegelten.
Wenn es um Fernsehereignisse dieser Größenordnung geht, gibt es kaum etwas Größeres als den Super Bowl. Selbst wenn man sich mit Football überhaupt nicht auskennt, bietet eine Super-Bowl-Übertragung nonstop Spannung und Unterhaltung. Die Broadcast-Teams spielen eine entscheidende Rolle dabei, die gesamte Spannung und Unterhaltung zu koordinieren – von der Spielanalyse auf dem Feld über Interviews am Spielfeldrand bis hin zur Vorstellung der Performer für die legendäre Halbzeitshow des Events.
Für den Super Bowl LX, der im vergangenen Februar im Levi's Stadium in Santa Clara, Kalifornien, stattfand, wollten die NFL und NBC einen dynamischen Broadcast-Ansatz, der die Zuschauer nicht nur informierte und unterhielt, sondern auch den Charakter der Bay Area ästhetisch widerspiegelte. Als zusätzliche Herausforderung für das Team traten die Moderatoren an mehreren Standorten rund um das Stadion auf.

Zum Glück war Innovative Show Design der Aufgabe gewachsen. Mit fast zwei Jahrzehnten Erfahrung in den Bereichen Szenenbild, Lichtdesign, Grafikdesign und Fertigungsdienstleistungen für Network-Studios, Live-Events und das Fernsehen gelang es dem Unternehmen, sowohl gestalterische als auch technische Herausforderungen zu meistern. Wir sprachen mit Nate Mitchell, einem Creative Director des Unternehmens, darüber, wie das Team das Projekt anging und dabei so viele verschiedene Faktoren unter einen Hut bringen musste.
Wie kam dieses Projekt zustande?
Mitchell: Wir haben eine langjährige Beziehung zu NBC; dies war tatsächlich bereits unser sechster Super Bowl mit ihnen. Während wir über den von uns kürzlich für sie entworfenen und gebaute mobile „Football Night In America“-Moderatorenpult sprachen, fragten sie, ob wir auch bei einem sechsten Super Bowl dabei wären.
Was war eure Inspiration für den Look und die Atmosphäre des Sets?
Mitchell: Bei dem Design der Sets für den Super Bowl lassen wir uns gerne von der Gastgeberstadt und dem Stadion inspirieren. So hatten die Moderatorenpulte für den Super Bowl LVI beispielsweise einen sehr wellenförmigen Look, der den Austragungsort, das SoFi Stadium, widerspiegelte, dessen wellenförmiges Design die umgebende Meeresbrise ins Stadion strömen lässt.
Für den Super Bowl LX ließen wir uns zunächst von San Francisco und seinen Brücken inspirieren und entwarfen das Set auf dieser Grundlage. Dieser Entwurf stieß jedoch auf gemischte Reaktionen, sodass wir noch einmal von vorn begannen. Die Bay Area ist gewissermaßen ein Sammelsurium unterschiedlichster Inspirationen. Das NFL-Branding schien einer Mischung aus Elementen zu folgen, darunter Mammutbäume, chinesischen Laternen, Druckpressen und weitere Motiven. Diese Richtung eignete sich zwar hervorragend für das offizielle NFL-Branding, wir hatten jedoch das Gefühl, dass sie für das Szenenbild von NBC nicht gut funktionierte.
Wir wandten uns an den Art Director von NBC, um herauszufinden, ob sie bereits eine Richtung für das Grafikpaket im Sinn hatten. Es befand sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, aber sie tendierten zu Rautenformen und dem Thema Technologie. Rautenformen, weil der 60. Super Bowl das Diamantjubiläum markiert, und Technologie als Anspielung auf das Silicon Valley. Dieses Diamantmotiv griffen wir in nahezu allen Bereichen des Designs auf, etwa mit Rautenformen an den Wänden oder eingravierten Rauten im Acrylglas, und kombinierten es mit klaren, technisch anmutenden Farben wie Weiß und gebürstetem Metall. Wir wollten nicht, dass das Set zu steril wirkt, deshalb ergänzten wir Holzelemente, um ihm mehr Wärmer zu verleihen.

Wie gelingt es euch beim Design von Sets, Form und Funktion in Einklang zu bringen?
Mitchell: Manchmal fühlt sich Setdesign an, als würde man mit einer auf den Rücken gebundenen Hand jonglieren. Man kann das schönste Set entwerfen, aber wenn es die Anforderungen des Kunden nicht erfüllt oder seinen Zweck verfehlt, wird es der Aufgabe nicht gerecht. Wir betrachten jedes Projekt als ein eigenständiges Vorhaben. Jedes Set hat seine eigene Anatomie, die in seiner jeweiligen Umgebung optimal funktioniert.
Beim Design von Broadcast-Sets ist eine der ersten Fragen, die wir uns stellen, wie viele Personen am Moderationstisch Platz nehmen werden – und dann planen wir darüber hinaus. Unser Scherz lautet: „Es sind vier, bis es fünf sind, oder fünf, bis es sechs sind“. Wir planen immer mit zusätzlichem On-Air-Personal. Das allein sorgt bereits für einen Balanceakt: Es kann vorkommen, dass fünf Personen am Tisch sitzen oder nur zwei. Sind es nur zwei, soll es nicht so aussehen, als würde der Tisch sie verschlucken, sind es fünf, sollen sie auch nicht eingequetscht wirken. Unsere Designs sollen jeder möglichen Situation gerecht werden und dabei trotzdem eine ansprechende Optik bewahren.
Dieses Set hatte, wie jedes Set, seine Herausforderungen. Es hatte eine kleinere Grundfläche als unsere üblichen Sets, und wir montierten den Moderationstisch auf Rollen, damit er sich leicht zur Seite schieben ließ und Platz für Stehmoderationen schuf. Um sowohl die Herausforderungen durch das On-Air-Personal als auch den beweglichen Moderationstisch zu bewältigen, stimmten wir uns mit dem Technikteam ab und erhielten Kameradaten. Diese übernahmen wir in Cinema 4D, um präzise Kameraperspektiven zu erstellen. Dadurch konnten wir – ebenso wie das Broadcast-Team – potenzielle Probleme erkennen, noch bevor etwas gefertigt wurde. So wusste das Team bereits im Voraus, welche Elemente im Hintergrund jeder Moderatorenaufnahme zu sehen sein würden, wie die Über-Kreuz-Aufnahmen wirken würden und vieles mehr.
Kannst du uns euren Designprozess und Workflow erläutern?
Mitchell: The Der Prozess beginnt mit einer Art Grundidee. Chris Runnells (Gründer von Innovative Show Design) und ich werfen uns zunächst Ideen hin und her, erstellen einige Formen in Cinema 4D und Vectorworks und verfeinern sie anschließend. Sobald wir eine Grundlage haben, teilen wir sie mit anderen Teammitgliedern, um deren Feedback einzuholen.
Anschließend beginnt Chris mit dem Design der gesamten Umgebung. Während er entwirft, erstellt er auch ein grobes Engeneering-Modell, um sicherzustellen, dass das, was wir entwerfen, dem entspricht, was gebaut werden soll. Anhand eines komplett weißen Modells tauschen wir Ideen zur Platzierung von Texturen und Materialien aus. Das Vectorworks-Design wird in Cinema 4D importiert und anschließend texturiert. Dabei verwende ich Texturen von realen Materialen, die wir beschaffen können. Die Holzelemente texturiere ich anhand der tatsächlichen Laminatdekore, und Farben sowie Oberflächen gleiche ich mit Materialmustern ab, damit wir das Endprodukt möglichst originalgetreu darstellen. Wir sind stolz darauf, dass bei uns über das gesamte Projekt hinweg gilt: „Was du siehst, ist genau das, was du bekommst“.

Sobald das Design freigegeben ist, beginnen wir mit der Fertigung und weiteren Ausarbeitung. Chris übernimmt die Vectorworks-Zeichnung und erstellt daraus vollständige Werkstattzeichnungen, CNC-Layouts usw., während ich mich um die grafische Ausarbeitung kümmere. Für dieses Projekt habe ich eng mit dem Art-Team von NBC zusammengearbeitet. Ich stellte ihnen Vorlagen zur Verfügung, und nachdem sie die Grafiken ausgearbeitet hatten, integrierte ich diese wieder in unsere Renderings. Anschließend gingen diese „Graphic Renderings“, wie wir sie nennen, zur Freigabe an NBC und die NFL.
Was waren die größten Herausforderungen dieses Projekts?
Mitchell: Die Sonne war eine der größten Unbekannten bei diesem Design. Wir berücksichtigen zwar Wettermuster, haben aber keine Kristallkugel. Wir mussten sowohl mit bewölktem Himmel als auch mit strahlendem Sonnenschein rechnen. Zum Set gehörte ein Gazebespannung, die heruntergelassen worden wäre, wenn die Sonne zu hell gewesen wäre. Das spielte auch eine große Rolle in unserem Set. Die LED-Beleuchtung wurde ausschließlich als Ergänzung konzipiert. Konnte wir sie einsetzen, wertete sie das Design zusätzlich auf. War die Sonne jedoch zu hell und die Beleuchtung kam nicht zum Einsatz, beeinträchtigte das den Gesamteindruck nicht. Auch die Wandelemente mit ihren Metalloberflächen wurden so gefertigt, dass sie bei Bedarf leicht entfernt oder ausgetauscht werden konnten, falls die Sonneneinstrahlung Probleme verursachte. Schließlich wurden die LED-Videopanels speziell für den Außeneinsatz entwickelt und zugleich so hell ausgelegt, dass sie auch an einem sonnigen Tag gut sichtbar blieben.
Eure Arbeit ging weit über ein einzelnes Studio-Setup hinaus. Kannst du uns etwas über die anderen Sets vor Ort erzählen?
Mitchell: Insgesamt waren wir für acht Standorte unterschiedlicher Größe verantwortlich. Im Stadion hatten wir das Hauptset, das Spielfeldset und das „Backstage“-Set. Das Hauptset diente als zentrales Broadcast-Set für die Moderatoren und umfasste einen Moderatorentisch, LED-Videowände und einen Touchscreen-Monitor.
Für das Spielfeld-Set nutzten die „Alexa“-Bühne, die auch bei „Thursday Night Football“ verwendet wird. Dafür passten wir den Bodenbelag an das Hauptset an, verkleideten die Bühnenblende mit Vinylfolie, brachten ein neues Dach an und bauten eine nahezu identische Nachbildung des Haupt-Moderationstisches.


Das „Backstage“-Set umfasste drei Kabinen und einen Backstage-Technikbereich. Da dies für die Öffentlichkeit sichtbar war, errichteten wir Wände mit Grafikfolien, um den Technikbereich abzuschirmen. Außerdem lieferten wir Grafiken für zwei der Kabinen von SkyTV und Telemundo.
Außerhalb des Stadions betreuten wir drei Bühnen-Sets. Zwei davon waren Stageline-Einheiten, also mobile Bühnensysteme. Wir lieferten Grafiken, einige Szenenbildelemente und maßgefertigte Geländer mit gravierten Acrylplatten. Das letzte Set war eine einfache Bühne mit einer grafisch gestalteten Bühnenblende.
Zu guter Letzt gab es noch das Bravo-Boot-Set. Ein Boot der Blue & Gold Fleet diente gewissermaßen als schwimmende Eventlocation, die durch die Bay Area fuhr. Wir lieferten die Grafikfolierung für das Boot.
Wie war die Resonanz?
Mitchell: Insgesamt wurden die Sets äußerst positiv aufgenommen, und NBC war sehr zufrieden. Es war mit Abstand die beste Resonanz, die wir je bei einem von uns umgesetzten Super Bowl erlebt haben. Tatsächlich besichtigten sogar Mitarbeiter anderer Sender das Set und stellten Chris Fragen. Die gesamte NBC-Produktion ist für einen Emmy in der Kategorie „Outstanding Technical Team“ nominiert.
Wichtige Erkenntnisse
Das Designunternehmen Innovative Show Design war am Design des Sets für den Super Bowl LX in Santa Clara, Kalifornien, beteiligt.
Mit Cinema 4D und Vectorworks entwarfen sie mehrere Broadcast-Sets, die vom Silicon Valley und dem Diamantjubiläum des 60. Super Bowl inspiriert waren.
Die Sets wurden so flexibel gestaltet, dass sie sowohl wechselnden Wetterbedingungen als auch einer unterschiedlichen Anzahl an Darstellern vor der Kamera gerecht wurden.
Adam Moerder ist Senior Writer bei Maxon.