
The Secret Life of Everyday Things Wie Sebastian Marek aus Gewöhnlichem etwas Außergewöhnliches machte und dabei ein surreales 3D-Motion-Design-Werk schuf.
Der freiberufliche CG Artist Sebastian Marek war schon immer fasziniert von der Idee, die physikalischen Regeln für Alltagsgegenstände außer Kraft zu setzen und ihre Funktion in spielerische, unerwartete Bereiche zu verschieben. Von deformierenden Skateboards bis zu den aufgeblasenen Regenschirmen, die er für den Cinema 4D 2024-Splashscreen entworfen hat, enthalten seine innovativen Werke eine seltene Mischung aus ideenreichen Erfindungen und eindrucksvollen Bildern.
Mit seinem neuesten Projekt „The Secret Life of Everyday Things“ lässt Marek Alltagsgegenstände ein Eigenleben entwickeln.
Wir sprachen mit Marek über seinen Workflow in Cinema 4D und Redshift, wie er es geschafft hat, die Übergänge in seinem Werk zu gestalten und warum die einzelnen Objekte so lebendig wirken.
Woher kam die Idee für „The Secret Life of Everyday Things“?

Marek: Es ist faszinierend, wenn sich etwas Vertrautes auf ungewohnte Weise verhält, besonders dann, wenn es eigentlich noch in der Realität verankert zu sein scheint.
„The Secret Life of Everyday Things“ ist das Ergebnis meiner Neugier. Ich wollte erforschen, was passiert, wenn alltägliche Gegenstände sich aus ihrer vorgesehenen Rolle lösen – sich mit Rhythmus, Absicht und einem dezenten Gefühl für Charakter bewegen, als hätten sie für einen Moment eine geheime Performance begonnen.
Wie bist du an den surrealen Grundton des Projekts herangegangen?
Marek: Diese Surrealität kam ganz natürlich, als ich begann, Objekte weniger wie Werkzeuge und mehr wie Figuren mit eigener innerer Logik zu behandeln.
Manchmal ist es eine visuelle Analogie – wie das Bügeleisen, das über Stoff gleitet wie eine Yacht durchs Wasser, oder Büroventilatoren, die wie eine Flotte synchronisierter Drohnen aufsteigen und rotieren. Manchmal geht es darum, Erwartungen umzukehren: eine Mikrowelle, die einfriert statt zu erwärmen, oder eine Waschmaschine, deren Trommel den gesamten Körper in Bewegung bringt.

Kannst du uns deinen kreativen Workflow in Cinema 4D erklären?
Marek: Ich erstelle normalerweise zuerst ein einfaches Animatic, um herauszufinden, ob Animation und Geschichte funktionieren, bevor ich ins Detail gehe. Die frühe Struktur vermittelt mir ein klares Gefühl für das Tempo und wie die Szenen miteinander verbunden werden – besonders, da dieses Projekt so sehr auf Rhythmus und Bewegung setzt. Manchmal bedeutet das einfach, einen Würfel mit einem Zylinder in der Mitte zu animieren, der eine Waschmaschine darstellen soll. Aber selbst diese grobe Skizze kann viele Fragen früh beantworten. So zu arbeiten hilft auch sehr, die Produktionszeit zu priorisieren.
Sobald sich der Flow richtig anfühlt, wechsle ich zu Cinema 4D und beginne, die Szenen zu verfeinern. Ich nutze Keyframe-Animationen für die meisten Bewegungen, aber auch MoGraph-Tools spielen eine große Rolle – besonders wenn ich Kontrolle und Flexibilität brauche. Der Plain Effector war besonders nützlich in der Heizkörper-Szene, wo ich jede Biegung einzeln animieren musste, die Bewegung aber flüssig bleiben musste. Ich habe ein ähnliches Setup für die Büroventilatoren verwendet, indem ich Cloner mit dem Plain Effector kombiniert habe, um die synchronisierten, tanzähnlichen Bewegungen präzise zu choreografieren.
Welche Rolle spielte Redshift bei der Erreichung des endgültigen Looks?
Marek: Redshift war für den Look, den ich mir vorgestellt hatte, entscheidend. Gleichzeitig blieb der Workflow flexibel. Da es bei den meisten Aufnahmen um Stimmungs- und Lichtwechsel geht, brauchte ich etwas, womit ich mich schnell bewegen und gleichzeitig die Kontrolle behalten kann.
Während des gesamten Projekts habe ich mich oft auf Redshift Sun and Sky verlassen, wenn ich verschiedene Lichtstimmungen ausprobieren und dabei einen einheitlichen visuellen Ton in allen Szenen beibehalten wollte. Volumetrische Beleuchtung spielte auch eine Schlüsselrolle in Momenten wie der Heizkörperszene oder der finalen Aufnahme im Büro – und das half, die Atmosphäre zu formen und den Fokus der Zuschauer zu lenken.
Auf der Materialseite habe ich mich stark auf prozedurale Arbeitsabläufe konzentriert. Ich habe Maxon Noises und Tile-Nodes für viele der einfacheren Muster verwendet und Elemente wie Badezimmer- und Küchenfliesen komplett mit Cloner-Setups gebaut. Das lieferte mir verlässliche Ergebnisse bei Nahaufnahmen. Der Einsatz von prozeduralen Materialien bei mehreren Szenen beschleunigte zudem den Prozess und ermöglichte einen stimmigen Look im gesamten Film.

Wie hast du dieses Flow-Gefühl realisiert?
Marek: Flow war wahrscheinlich die größte Absicht des gesamten Werks. Ich wollte, dass sich der Kurzfilm wie ein einziger, ununterbrochener Atemzug anfühlt – bei dem Übergänge keine reinen Schnitte sind, sondern natürliche Übergänge von einer Szene zur nächsten. Jedes Objekt gibt den Impuls durch gemeinsame Bewegung oder visuelle Ähnlichkeit an das nächste weiter.
Ein Großteil dieses Gefühls der Nahtlosigkeit kam daher, wie ich die Kamera genutzt habe – nicht als passiver Beobachter, sondern als Präsenz mit eigener Absicht. Ein Dolly-Zoom verstärkt die surreale Spannung beim Enthüllen der gefrorenen Spaghetti. Ein leichter Ruck ist die Reaktion auf die Landung der Waschmaschine – kleine Gesten, durch die die Welt schnell und lebendig wirkt.
Dieses Bewegungsgefühl verband alles und schuf eine Kontinuität, wie eine einzige, sich entfaltende Einstellung.
Hast du den Objekten hinter den Kulissen Persönlichkeiten zugewiesen?
Marek: Nicht direkt, aber ich dachte, jedes Objekt hat sein eigenes Verhalten – seinen eigenen Rhythmus und seine eigene Art, in der Umgebung zu existieren.

Aber es ging nicht nur um das Objekt selbst, sondern auch darum, wo es sich befindet. Der Heizkörper steht in einem dunklen Wohnzimmer, der ein bisschen wie ein Jazzclub aussieht. Die langsame, schwankende Bewegung verdeutlicht die Atmosphäre – subtil, fast so, als würde sie sich im Rhythmus der Hintergrundmusik bewegen. Die Waschmaschine wirkt unbeholfen und aus dem Gleichgewicht geraten. Sie beschädigt Fliesen und hat erhebliche Mühe, einfach stehen zu bleiben. Die Ventilatoren im Büro bewegen sich diszipliniert, koordiniert – fast so, als wären sie bei der Arbeit und folgen einer ruhigen Routine. Das Bügeleisen hat ein handgeschriebenes Namensschild an der Seite, wie man es oft an Yachten sieht. So wird die Metapher sanft verstärkt, ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Welche Botschaft oder welches Gefühl wolltest du, dass die Zuschauer aus diesem Werk mitnehmen?
Marek: Ich hoffe, Menschen werden dazu inspiriert, sich von den üblichen Rollen zu lösen – genau wie die Objekte. Ich möchte, dass sie genauer hinschauen, experimentieren und etwas machen, das sie normalerweise nicht ausprobieren würden.
Gerade jetzt, mit so vielen neuen Tools und KI-gesteuerten Arbeitsabläufen, ist es leicht, sich auf Ergebnisse zu konzentrieren und die Absicht zu vergessen. Aber für mich ist das immer noch der Teil, der den Prozess bedeutsam macht. Die Idee hinter einem Bild verleiht ihm Gewicht. Und genau das macht es lohnenswert.

Wie hast du mit Giovanni Dubini an Musik und Sounddesign gearbeitet?
Marek: Uns war von Anfang an klar, dass wir keine traditionelle Musik wollten. Es ging mehr um Textur und Klang – etwas, das sich wie Teil der Welt anfühlte, statt wie eine darüberliegende Schicht. In der Heizkörper-Szene zum Beispiel spiegelt eine Sopranstimme das metallische, resonante Innere wider. In Kombination mit Akzenten wie dem Reggae-Gesang hat das Stück einen unerwarteten Kontrast bekommen.
Zunächst hatten wir überlegt, jeder Szene einen eigenen Sound zu geben, aber das wirkte schnell zu segmentiert. Schließlich wechselten wir zu einer eher trailerartigen Struktur – einem einzigen, durchgehenden Track mit sich entwickelnden Ebenen und Gesangstexturen. Dieser Ansatz passte gut zu den Übergängen und gab dem Film seinen Flow.
Giovanni kommt aus der Musikproduktion, hat aber ein intuitives Auge für visuelle Effekte. Sogar während der Styleframe-Phase hat er uns darauf aufmerksam gemacht, wenn etwas nicht passte – zum Beispiel, wenn die Beleuchtung nicht mit der Sound-Stimmung funktionierte. Durch das frühe Feedback bleib alles emotional synchron.
Was war die technisch anspruchsvollste Szene zum Animieren oder Rendern?
Marek: Die Mikrowellensequenz war wahrscheinlich die komplexeste – sowohl technisch als auch kreativ. Den frostigen Effekt überzeugend wirken zu lassen, war anfangs eine Herausforderung. Ich habe in After Effects eine animierte prozedurale Textur erstellt, die den Frost simuliert, und sie als Bump Map auf das Glasmaterial von Redshift angewendet. Die Methode erzeugte eine subtile, aber effektive Frost-Illusion.

Ein weiteres kniffliges Element war der zunehmende Schnee in der Mikrowelle. Ich habe ein Basisnetz modelliert und tausende winzige Elemente mit Matrix eingesetzt, um frostigen Schnee nachzubilden. Dann habe ich die Struktur mit Pose Morph animiert, um ein organisches Wachstum im Time-Lapse-Stil zu erzeugen.
Das Gleichgewicht zwischen Look und Render-Effizienz war entscheidend – besonders mit animierten Bump Maps, Glas, Subsurface-Scattering für Pasta und Soße sowie allen geschichteten Materialien, die durch die Tür sichtbar waren. Das effiziente Rendern war potenziell eine große Herausforderung, aber Redshift hat es überraschend gut gemeistert und mir die nötige Flexibilität gegeben.
Was steht als Nächstes bei dir an?
Marek: Ich hoffe, dieses Jahr mehr Zeit für kurze Animationen wie diese aufwenden zu können. Ich habe schon ein paar Ideen, die ich gerne ausprobieren möchte. Ich sehe sie als Gelegenheit, neue Workflows und Techniken auszuprobieren, die in zukünftige Projekte einfließen könnten.
Sebastian Becker ist Senior Writer bei Maxon.