Interpretation von Orwells "Shooting an Elephant"

Ivo Horvat berichtet über seine Arbeit am preisgekrönten dänischen Kurzfilm "Peaceforce".

Die Ruinen von Kopenhagen im Jahre 2045. Irgendwo in den Trümmern der Stadt läuft ein Elefant frei herum. Eine Patrouille der Peace Force, der Friedenstruppe, soll das Tier zur Strecke bringen. Aus diesem absurd apokalyptischen Szenario, das auf einer Kurzgeschichte von George Orwell aufbaut, hat der dänische Regisseur Peter Gorstein einen beklemmenden und düsteren Science-Fiction Kurzfilm gemacht. Die Handlung von Orwells Geschichte „Shooting an Elephant“ wurde aus dem Burma (dem heutigen Myanmar) des frühen 20. Jahrhunderts in die Mitte des 21. Jahrhunderts verlegt. Die Welt ist unter der Last ökonomischer Fehlentwicklungen zusammengebrochen, und in einer Welt voller Ruinen und des Mangels versucht die Friedenstruppe wenigstens für eine grundlegende Ordnung zu sorgen. Als Berichte über einen frei herumstreifenden Elefanten, der Menschen attackiert die Runde machen, schickt die Friedenstruppe eine Patrouille aus, die der Sache auf den Grund gehen soll.

Regisseur Gorstein wollte seine Welt in düsteren und unheilschwangeren Tönen gestalten und mit Ivo Horvat als Produktionsdesigner und Digital Matte Artist hatte er dafür den idealen Mann im Team. Tatsächlich hat Gorstein schon früher mit Horvat zusammengearbeitet und wusste von daher, was er erwarten konnte. Mit MAXON CINEMA 4D, After Effects und Photoshop gestaltete Horvat sechs CG-Landschaften, mit denen er die desolate Welt des Jahres 2045 ins Bild setzt. Das Filmteam fuhr für 12 Tage nach Kopenhagen und mit ihm auch Ivo Horvat, der sich die Locations gleich vor Ort ansehen wollte. So konnte er unmittelbar entscheiden was mit dem geschossenen Filmmaterial in Verbindung mit seinen Entwürfen möglich sein würde. „Wir hatten eine Menge Glück mit den Locations, die wir fanden. Die spiegelten das nötige urbane und postindustrielle Ambiente wieder, das wir uns gewünscht hatten. Niemand hätte dieses Szenario aus verfallenen Schloten, rostigen Maschinen und Fabrikruinen voller Unrat, Schlaglöchern und eingestürzten Mauern so authentisch nachbauen können.“ Stellt Horvat fest.

Digitale Landschaften: Realistisch und glaubwürdig
Das Ziel der Arbeit Horvats sollte es sein, beim Zuschauer ein unterschwelliges Gefühl von Bedrohung zu erzeugen, eben jener Gefahr, der sich die Friedenstruppe auf Ihrer Suche nach dem Elefanten aussetzt. Nachdem die Filmaufnahmen gemacht waren, flog Horvat nach Los Angeles zurück, im Gepäck das digitale Material, aus dem die Matte Paintings entstehen sollten. „Ich beauftragte einige andere 3D Künstler mit Zuarbeiten, wie dem Modelling, dem Erstellen von Rotoscopes und Matchmoves. Danach begann ich aus diesen Komponenten und den Fotografien einen Prozess der Neuinterpretation meiner Produktionsdesigns. Die fielen natürlich ein wenig anders aus, als ursprünglich vorgesehen, aber es gelang Stil, und Stimmung wie geplant einzuhalten.“

Von der ersten Einstellung an gewinnt Peace Force durch Horvats meisterliche Arbeiten an visueller Tiefe und Qualität. In dieser Szene fährt ein Militärfahrzeug eine verlassene Straße entlang. Die Kamera ist von einem Schornstein herunter auf das Fahrzeug gerichtet, das sich auf der Straße immer weiter entfernt. Neben der Straße verläuft ein Fluss, über den eine zerstörte Brücke führt, am anderen Ufer breitet sich eine endlose Ruinenlandschaft aus, während am Horizont die Sonne durch die tiefhängenden Wolken bricht. Auf den ersten Blick eine einfache Szene, aber in der Praxis mussten mehrere Versionen des Fahrzeugs gedreht werden und es kostete einiges an Bastelei, bis die Szene zufriedenstellend in CINEMA 4D gerendert und in After Effects nachbearbeitet war. Erschwert wurde die Arbeit an der Aufnahme durch den Umstand, dass im virtuellen Teil die Kameraverzerrungen der realen Kamera ebenso dargestellt werden mussten und sich nahtlos an die Realaufnahmen anschließen mussten.

“Eine der größten Herausforderungen beim Mattepainting ist es, den Look des Films widerzuspiegeln, für den die Matte entstehen soll. Irgendwie haben viele Leute die falsche Vorstellung, dass ein Matte-Bild eine Art fotorealistische Reflektion der Realität sein soll. Dem ist nicht so, vielmehr geht es darum, eine akkurate Ergänzung der Welt zu schaffen, die der Film darstellt, und sich dabei nahtlos in diesen zu integrieren.“ Bringt Ivo Horvat die an seine Arbeit gestellten Anforderungen auf den Punkt.

Die erste Einstellung des Filmes ist auch die Spektakulärste und entführt den Zuschauer gleich mit all seiner Aufmerksamkeit in das zerstörte Kopenhagen der Zukunft. Sieht man sich das “Work in Progress” Video on Horvats Website an, wird klar, dass hier wenig mehr als die Straße, auf der das Peace Force Fahrzeug fährt und ein schmaler Bodenstreifen links und rechts davon real ist. Der ganze Rest ist Horvats Arbeit, im wesentlichen in CINEMA 4D gestaltet: Ein ebenso grandioses wie beklemmendes Panorama.

Der Film Peace Corps war 2011 auch auf dem renommierten französischen Clermont-Ferrand Filmfestival vertreten, wo es eine Auszeichnung erhielt. In der Folge erhielt „Peace Corps“ Einladungen zum englischen Tiff und dem kanadischen Toronto International Film Festival. Neben der Ausstrahlung auf weiteren Festivals lief der Film auch bereits im dänischen und französischen Fernsehen. „Es war eine sehr spannende Produktion und ich hatte Glück, das ich daran habe mitarbeiten können. An einer Produktion, bei der ich so viel kreativen Input erhielt und so eng mit dem Team zusammengearbeitet habe, und bei der letztendlich so ein überzeugendes Resultat entstanden ist, war ich schon lange nicht mehr beteiligt!“ Stellt Ivo Horvat zufrieden fest.

Ivo Horvats Website
www.ivohorvat.com/vfx_reel.htm