Sternstunden für eine starke Marke

Panoply kombiniert Cinema 4D, Arnold und Houdini, um die Werte der Marke Mercedes-Benz eindrucksvoll in Szene zu setzen

By Steve Jarratt

Um die Produktion der aktuellen Mercedes-Benz-Modelle vorzustellen, engagierten RAID Films und atelier Markgraph das Londoner Motion- und Design-Studio Panoply. Laut Briefing sollte der erste einer ganzen Reihe von Imagefilmen produziert werden, die die fünf Kernwerte der Marke visualisieren: Sicherheit, Perfektion, Qualität, Präzision und Aufbruch. Der Film wird zwei Jahre lang täglich in drei großen Mercedes-Benz-Besucherzentren zu sehen sein.

Das vierköpfige Team von Panoply hatte drei Monate Zeit um den Film fertig zu stellen – eine Melange von photorealistisch gerenderten Wagenteilen und abstrakten Bildelementen, um die vom Kunden geforderten Themen zu visualisieren. Die hier gezeigte Version ist der „Director’s Cut“ – eine gekürzte Version des eigentlichen Stücks, mit Szenen die im finalen Schnitt nicht zu sehen sind.

Eine der größten Herausforderungen bei diesem Projekt war das Handling der massiven Datenmengen der angelieferten CAD Dateien. Die Modelle sind unglaublich detailliert, weil sie ursprünglich zur Steuerung der Maschinen in der Autoherstellung erstellt wurden. Der Detailreichtum ist beeindruckend, aber für die Weiterverarbeitung mit 3D-Programmen wie Cinema 4D denkbar ungeeignet.

Der denkwürdigste Moment bei dieser Produktion war gleich zu Beginn, als wir die CAD-Modelle des Autos von Mercedes bekommen haben“, sagt Mark Lindner, Regisseur bei Panoply. „Wir haben die roh triangulierten Geometrien angeschaut und waren total überrascht, mit welchem Detailreichtum wir es zu tun haben, gleichzeitig aber auch sehr beunruhigt über die Aufräumarbeiten, die notwendig sein würden um die Daten nutzen zu können. Glücklicherweise mussten wir nicht alle Meshes bearbeiten. Es war eine Frage des geschickten Compositing: Sobald eine Einstellung konzeptionell abgenommen war, haben wir immer nur genau die Teile der Geometrie retopologisiert, die auch sichtbar sein würden.

Der PolyPen in Cinema 4D war für uns während der Retopo-Phase lebenswichtig“, sagt Lindner anerkennend. „Er machte es möglich, die super-detaillierten CAD Modelle schnell und schmerzlos auf einen Bruchteil der ursprünglichen Polygone zu reduzieren, ohne Details einzubüßen.

Um den Workflow zu vereinfachen, verließ sich das Team zusätzlich auf die Cinema 4D XRefs, die es ermöglichten mit niedrigaufgelösten Proxy-Modellen zu animieren und diese vor dem Rendern gegen höher aufgelöste Daten auszutauschen. „Wegen der schieren Masse an Polygonen in den hochauflösenden Versionen haben wir nicht von Beginn an alles retopologisiert“, erklärt Lindner. „Wir haben für die Animation Platzhalter-Geometrien verwendet und sobald eine Einstellung festgelegt war nur die Geometrie bearbeitet, die im entsprechenden Frame zu sehen ist.


Panoply nutzten Solid Angle’s Arnold, um den gewünschten Render-Look zu erreichen. „Wir nutzen Arnold seit über zwei Jahren“, so Lindner „Zuerst mit Houdini – bevor die Cinema 4D Anbindung verfügbar war. Seit etwa 18 Monaten nutzen wir ihn jedoch hauptsächlich mit Cinema 4D. Die Qualität des Supports ist ein entscheidender Grund warum wir an dieser Render-Engine festhalten. Hinzu kommt die Menge an großen Szenen, die Arnold verarbeiten kann, ohne auch nur zu zucken. Das war entscheidend für unseren Workflow bei diesem Projekt.“ 

Der Mercedes-Benz Film beginnt mit einer stimmungsvollen industriellen Umgebung, die in 3D gebaut und gerendert wurde. „Aus dieser Szene schufen wir mit der Spherical Camera von Arnold ein hochauflösendes HDRI, das uns auch bei vielen anderen Einstellungen dieser Szene dienlich war“, erklärt Lindner. „Zusätzlich haben wir bei allen Shots viele Flächen-Lichter verwendet – mit hochauflösenden Softbox-Texturen, um ihnen einen ungleichmäßigen Look zu verpassen.“ 

Darauf folgt eine Montage von abstrakten Sequenzen, die die oben beschriebenen Markenwerte umreißen sollen. Die Geometrie mit der metallischen Atomstruktur wurde mit Dynamics bearbeitet, um einen zerknitterten Look zu erreichen. Das Team blendete dann mithilfe des Pose-Morph-Tags und eines Plain Effectors zwischen dieser Version und dem undeformierten Original hin und her. Mit dem Jiggle Deformer wurde ein leichtes Schlingern hinzugefügt. „Das Pose-Morph-Tag liefert in Kombination mit dem Pose Deformer und den MoGraph Effektoren eine erstaunliche Menge an Variationsmöglichkeiten für Effekte“, fügt Lindner hinzu.

Die Anordnung der real aussehenden Laserstrahlen sind nichts weiter als Punkt-Lichtquellen mit hoher Intensität und geringer Streuung. Um den Look zu erreichen, auf den das Team aus war, wurden sie in Arnold mit Atmospheric Scattering gerendert.

Für die eher abstrakten Simulationen nutzten Panoply Houdini von SideFX. „Wir haben bei diesem Projekt ziemlich viel in Houdini simuliert, während das komplette Rendering in Cinema 4D stattfand“, erklärt Lindner. „Das bedeutete, dass wir alles mittels großer Alembic-Files zwischen den Programmen hin und her transferieren mussten. Die ganzen abstrakten Animationen, Partikelsimulationen, animierten Kugellager und Flüssigkeiten sind in Houdini entstanden."

Das erste Beispiel dafür sind die Rauchfahnen, die im Windtunnel um eine Kugel herumwehen. „Das haben wir mit einigen Rauch-Emittern realisiert, bei denen ein Velocity-Feld den Rauch in eine vorgegebene Richtung zog. Wir mussten lediglich die Turbulenz- und Verschiebungseffekte deaktivieren und eine Kugel als Kollisionsobjekt platzieren, die dann für das Rendering auf unsichtbar geschaltet wurde“, erinnert sich Lindner.

Nach einigen opulenten Shots, in denen sich die Karosserie zusammensetzt, gibt es eine kurze Sequenz bei der sich das Material der Oberflächen auflöst. „Für diesen Effekt haben wir eine hochaufgelöste Displacement-Textur verwendet, die wir mit Arnolds Mix-Node in einen anderen Shader überblendet haben“, erklärt Lindner. „Die zusätzlich nach oben schwebenden Partikel sind in Houdini gemacht und wurden mittels einer Alembic Punktewolke zum Rendern wieder an Cinema 4D übergeben.

Ein weiteres kurzes Segment mit sich kräuselnden Wellen entstand mit dem Flip-Solver und VDB-Skinning in Houdini. Es wurden einige Flüssigkeitsgeometrien erzeugt und zum Rendern als VDB Sequenzen nach Cinema 4D importiert. Für die Metallkugeln, die sich zu einer hübschen Fibonacci Spirale zusammensetzen, wurde ebenfalls Houdini verwendet.

Sobald der Startknopf des Autos gedrückt wird, wird ein Datennetz im Tron-Stil in Gang gesetzt, das die elektronischen „Gehirne“ des Fahrzeugs symbolisiert. Die notwendigen Geometrien wurden in Houdini erzeugt: „Wir haben ein prozedurales System gebaut, in das wir jede Art von Geometrie einfüttern und anschließend die Animation der Linien generieren konnten. Das System sollte maximale Kontrolle bieten. Deshalb haben wir Dynamics vermieden und konnten den Verlauf hunderter Linien exakt so synchronisieren wie wir es wollten“, erklärt Lindner.

Für die finalen Bilder wurden durchschnittlich etwa zehn Passes pro Multilayer EXR-Frame gerendert, neben den üblichen Kanälen wie Diffuse, direkt und indirekt; Specular, ebenfalls direkt und indirekt; Refraktion und, wo nötig, Subsurface-Scattering – zusätzlich bei Bedarf auch der eine oder andere Objekt-Buffer. Weitere Partikeleffekte, Lens Flares und subtile visuelle Effekte wurden im Compositing mit Blackmagic Design Fusion hinzugefügt. Farbkorrigiert wurde mit DaVinci Resolve, ebenfalls von Blackmagic Design.

Die Qualität der finalen Ergebnisse ist ein Beweis für die Leichtigkeit, mit der sich die individuellen Stärken von Cinema 4D, Arnold und Houdini zu einem mächtigen Toolset vereinen lassen. Lindner resümiert: „Cinema 4Ds Offenheit bezüglich der nahtlosen Zusammenarbeit mit Arnold und Houdini war für unseren Workflow von unschätzbarem Wert.

Steve Jarratt ist langjähriger CG-Enthusiast und technischer Journalist, er lebt in Großbritannien.

Alle sind Eigentum von Panoply.


Panoply Webseite:

www.panoply.co.uk

Previous slide
Next slide