Previous slide
Next slide

Lightshow im York Minster

Jason Bruges Studio setzt mit Cinema 4D die größte mittelalterliche Kirche Englands in Szene.

Die nordenglische Stadt York erstrahlt einmal im Jahr im Glanz einer ausgedehnten Lightshow. International renommierte Künstler ermöglichen den Bürgern dabei mit ihren Installationen, altbekannte Wahrzeichen der Stadt in neuem Licht zu sehen. Das Event „Illuminating York“ umspannte 2016 acht Hauptschauplätze, darunter die York St John University, das Touristenviertel Shambles sowie York Minster, die größte mittelalterliche Kirche in England.

Das Londoner Jason Bruges Studio realisierte 2016 die Lightshow für die im Jahr 1472 fertiggestellte Kathedrale. Das ambitionierte Ziel der Designer und Visualisierer war es, die jahrhundertealte Arbeit der Steinmetze um eine neue Dimension zu erweitern. Das Besondere dabei: Die beeindruckende Lichtshow „Light Masonry“ wurde mit Cinema 4D gesteuert.

Um die 48 Scheinwerfer der Installation auf diese Weise kontrollieren zu können, musste zunächst eine funktionierende Pipeline entwickelt werden: Deren Ausgangspunkt war ein schlankes Previz-System, welches das Verhalten der Scheinwerfer im Viewport von Cinema 4D darstellen kann. Im nächsten Schritt musste eine Echtzeitsteuerung der realen Scheinwerfer implementiert werden, um diese direkt über den Viewport steuern zu können. Für die finale Vorführung der Lightshow wurden die Daten zur Steuerung der Scheinwerfer aus Cinema 4D in ein eigenes Format exportiert. So konnten sie schließlich auf einer speziell für diesen Zweck entwickelten Player-Software abgespielt werden.

„Ich hatte bereits in mehreren Versuchen zuvor ähnliche Scheinwerfer direkt mit Cinema 4D gesteuert. Der Sprung vom Versuchsaufbau zur Steuerung einer echten Installation stellte mich jedoch vor einige Herausforderungen“ sagt Senior Visualiser Adam Heslop.

So war im Anfangsstadium des Projekts noch nicht klar, welcher Scheinwerfertyp eingesetzt werden sollte. Allerdings erwartet jedes Modell andere Steuerungsinformationen, da alle Typen unterschiedliche Funktionen bieten. Um möglichst effizient verschiedene Modelle testen zu können, kam ein speziell zu diesem Zweck geschriebener Python-Plugin-Generator in Cinema 4D zum Einsatz. Dieser erstellte auf Basis der Parameter und Steuerungsmethoden der einzelnen Scheinwerfer Cinema 4D Objekte mit den entsprechenden Eigenschaften. Alle Parameter eines Scheinwerfers konnten so live in Cinema 4D gesteuert werden.

Jeder Scheinwerfer hat dabei eine definierte Position im Raum und ein Ziel. Sobald das Ziel bewegt wird, wird die entsprechende Rotation des Scheinwerfers ausgelöst. Als Ziele der Scheinwerfer dienten MoGraph-Matrizen, welche auf diese Weise einfach durch MoGraph-Effektoren beeinflusst werden konnten. Mithilfe von MoGraph war es möglich, nicht nur Parameter einzelner Scheinwerfer zu beeinflussen, sondern mehrere oder gleich alle Scheinwerfer als Gruppe zu steuern. Eine deutliche Erleichterung seines Workflows, wie Adam beschreibt: „Die Möglichkeit, Gruppen von Objekten […] durch Effektorensetups räumlich zu steuern, erlaubt es, sehr schnell architektonische Looks und Formen zu erzeugen.“  

Um die Lightshow zu animieren, kam ein weiteres, selbst geschriebenes Plugin zum Einsatz, welches die Animation node-basiert steuern konnte. Der Vorteil des Systems war, dass die komplexen, wellenförmigen Animationen der Scheinwerfer so durch den Falloff eines einzigen MoGraph-Effektors ausgelöst werden konnten, der sich im Raum bewegt. So war es nicht nötig, für jeden einzelnen Scheinwerfer aufwändig Keyframes zu setzen.

„Wenn man Cinema 4D für ein solches Projekt einsetzt, profitiert man sehr von den stabilen Kernfunktionen“ sagt Adam und lobt außerdem die Flexibilität der Software. Eine stabile Zeitleiste für den Keyframing-Workflow und die F-Kurven machten seine Arbeit besonders intuitiv.

Am Ende des komplexen Projekts hat sich der Aufwand gelohnt, ist der Designer überzeugt: „Die Orgel zum ersten Mal in voller Lautstärke in Zusammenspiel mit der Lichtshow zu hören, war ein unvergessliches Erlebnis!“

Website von Jason Bruges Studio:
http://www.jasonbruges.com/

Film- und Bildaufnahmen von James Medcraft.

Previous slide
Next slide