Justin Bieber: Die ultimative Bühnenshow

Meleah Maynard im Interview mit dem in Los Angeles beheimateten Design- und Animationsstudio Possible über die Entstehung des atemberaubenden Stage-Designs für Justin Biebers Purpose Tour.

Justin Biebers Purpose Tour lief über 18 Monate mit mehr als 150 Auftritten sechs Kontinenten. Für sein viertes Studioalbum tourte Justin zum dritten Mal um die Welt und Possible entwarfen die fesselnde ausstattung und Bilder für das Spektakel.

Das 2010 gegründete Design- und Animationsstudio hat sich auf die Produktion von Inhalten für Welt-Tourneen, Live-Events und großformatige Installationen wie beispielsweise  Coachella und die Eröffnungszeremonie für die League of Legends Weltmeisterschaft spezialisiert.

Für die Purpose Tour holte sich das Possible Team unter der Leitung von Kreativdirektor Michael Figge Unterstützung von Kreativdirektor Nick DeMoura und Show Producer Chris Gratton, um den Look und die Cinematics zu entwickeln. Mit einer Pipeline aus Cinema 4D, After Effects, X-Particles, TurbulenceFD und Octane kreierte Figges Team insgesamt 22  Szenen in voller Song-Länge und zusätzlich drei Intros und Zwischenbilder.

Meleah sprach mit Figge, einem der Gründer von Possible, und den Produzenten Roy und Ryan Chong über die Rolle des Studios bei der Tour.

Wie seid ihr an das Projekt gekommen?
Michael: Weil Possible dafür bekannt ist High-End-Visuals für die bekanntesten Künstler der Welt zu machen, hat Justins Team uns gefragt, ob wir die Visuals für die Tour übernehmen.

Wie haben sie das Look&Feel beschrieben, das sie für die Bühnenbauten und die Bilder haben wollten?
Michael:
Nick DeMoura, der Kreativdirektor der Tournee, gab uns einen Satz Skizzen, die die Rahmenhandlung der Show mit den verschiedenen Schlüsselmomenten und Themen illustrierten. Wir arbeiteten dann alle daran, die Skizzen zu interpretieren und ästhetisch verwandte Bilder zu finden. Das Bespielen von Bühnenelementen unterscheidet sich ganz grundsätzlich von traditionellen Sendeformaten für Fernsehen, Tablets oder Mobiltelefonen, weil die Skalierung jedes künstlerischen Bildelements auf die Artists abgestimmt sein muss, die auf der Bühne performen. Wir haben in der Konzeptphase Cinema 4D verwendet, um unsere Konzepte schnell zu skizzieren und haben Ansichten von der Bühne gerendert, um zu zeigen, wie bestimmte zentrale Momente “On Stage” funktionieren.

Was habt ihr euch angeschaut um Inspirationen für das Design der Show zu sammeln?
Roy:
Zu Beginn der Design-Recherche für unsere Shows schauten wir uns erstmal an, welche Ästhetik der Künstler sonst verwendet um herauszufinden wie weit wir uns daran orientieren müssen. Wir legen Wert darauf, dass unsere Showkonzepte das Image, bzw. die Marke des Künstlers stützen. Wenn jemand bereit ist, Risiken einzugehen, kann es aber auch zu einem kreativ sehr erfüllenden Neuanfang kommen. Bei dieser Show haben wir uns von Justins Album-Artwork und seinen Musikvideos inspirieren lassen, gepaart mit einem regen Austausch von Designreferenzen zwischen Nick, unserem Team und allen maßgeblich an der Tour Beteiligten.

An einer Stelle singt Bieber “Mark My Words” während er in einem Glaskasten über der Bühne hängt. Wie habt ihr diese einzigartige Inszenierung realisiert?
Michael: Mit all der abgefahrenen Technik die wir auf der Bühne hatten, fanden wir es interessant, mit Symbolen zu beginnen, die die Zeit überdauert haben. Sachen wie klassische Skulpturen und Hieroglyphen. Wir haben alles in Cinema 4D modelliert, texturiert und beleuchtet und anschließend in Octane gerendert.

In vielen der Szenen gibt es Tänzer. Erzählt doch bitte etwas darüber, wie ihr Inhalte geschaffen habt, mit denen die Tänzer interagieren konnten.
Ryan: Sobald wir Referenzen über erste Teile der Choreografie hatten, fingen wir an, Elemente für diese Bewegungen zu entwerfen.  Zum Beispiel dort, wo die Tänzer in unterschiedlicher Höhe vor der Haupt-Monitorwand schweben. Wir wollten ihnen eine ätherische Anmutung geben, die dadurch verstärkt wird, dass ihre Bewegungen mit extrem dichten X-Particles Partikelströmen kombiniert wird, die wiederum von Rauchschwaden aus TurbulenceFD durchbrochen werden. Das gab den Partikeln eine Bewegung, die dynamisch mit den Kanten der LED-Wand interagiert hat.

Wie habt ihr es hinbekommen, dass die vielen Dinge, die auf der Bühne passieren, sich so nahtlos aneinanderfügen?
Michael:
Wir haben sehr eng mit den Choreografen und Beleuchtern zusammengearbeitet um die Sequenzen zu koordinieren. Mit einer LED-Wand dieser Größe kann man leicht alles absaufen lassen was ansonsten auf der Bühne passiert. Sich abzusprechen, wo und wann dunkle Bereiche gebraucht wurden, hat uns sehr dabei geholfen, im Einklang mit allem anderen zu arbeiten, was auf der Bühne passierte.

Erklärt doch bitte, wie Ihr es geschafft habt, die Bühne durch Skalierung und forcierte Perspektive größer aussehen zu lassen als sie tatsächlich war.
Roy:
Die Skalierung spielt bei uns immer eine wichtige Rolle. Wenn man etwas falsch macht, landet man ziemlich schnell in einem „Spinal Tap“-Effekt [In der Pseudo-Dokumentation führen Fehlberechnungen bei der Bühnen-Deko dazu, dass sich die Band mit einem Mini Stonehenge lächerlich macht. https://youtu.be/STHKFlO-zBw?t=2m25s]. Wir achten deshalb immer darauf, dass unsere szenischen Inhalte in der richtigen Größe angelegt sind.

Die Tänzer nutzen häufig Bühnenteile, wie z.B. die Skateboard-Halfpipe während “What Do You Mean.” Wie habt ihr diese Elemente so erweitert, dass sie nahtlos in die digitalen Inhalte übegehen?
Ryan:
LED-Inhalte nahtlos mit Bühnenelementen zu kombinieren ist eine Technik die wir schon vorher bei einigen Award Shows eingesetzt haben. Bei knappen Budgets und Produktionszeiten müssen Bühnenelemente oft mit digitalen Inhalten kombiniert werden, um überzeugend zu wirken. In diesem speziellen Fall war die Halfpipe auf der Bühne so eine coole und spaßige Idee, dass wir sofort eine Umgebung entwerfen wollten, die Sinn ergab und gleichzeitig dabei half, ihr mehr Dimension zu verleihen, indem wir sie in einen Kontext stellten. Um sicherzustellen, dass der Maßstab korrekt ist, haben wir die Pläne des Herstellers in Cinema 4D importiert.

An was arbeitet ihr gerade?
Michael: Wir haben etwa ein halbes Dutzend Shows, welche in den nächsten Monaten starten, also bleibt dran!


Credits:
Regisseur - Michael Figge
Produzenten - Roy Chung, Ryan Chung, Kerry Brown, Katie Plummer
Produktionsleiter - Alexandra Dolce
Artdirektor - Ronald Monahan
Senior Artist - Chris Anderson
Artist, Cutter - Ismael Zendejas
Design & Animation - Mike Winkelmann, Trevor Kerr, Scott Peters
Schnitt - Ryan Costa
Komposition- Danny Choi
Sound Design - Robert Brinkerhoff

Purpose Tour Kreativ-Team
Nick DeMoura - Kreativdirektor/Choreograf // Chris Gratton, Tour Director/Production Manager // Nick Demoura & Chris Gratton, Produktiosdesigner

Purpose Tour Cinematics-Team
Regisseure - Michael Figge, Scott Peters
1. Regieassistenz - Li Lu
Produzenten - Kerry Brown, Roy Chung, Ryan Chung, Katie Plummer
Tänzer - Aubree Storm, Jonathan Erasme, Jonathan, Rabon, Yusuke Nakai, Jordan Ward, Mykell Wilson, Carlos Salvador, Elysandra Quinones, Mona Berntsen, Devan Smith, Jasmine Perri, Christina Chandler, David Shreibman, Luis Rosado, Kyle Cordova, Rudy Reynon, Jacob Landgrebe, Delaney Glazer
On-Site VFX - Chris Anderson, Ronald Monahan, Ismael Zendejas
Kameramann - Andrew Mueller
1. Kameraassistent - Ezra Riley
Oberbeleuchter - Travis Stewart
Beleuchter Assistenz - Carlos Apodaca
Leiter Kamerabühne - David Newbert
Assistenz Kamerabühne - Ron Tondreau
Head of Wardrobe - Kiyomi Hara
Garderobe - Jennifer Jones
Stunt Koordinator- Nick Brett
Stunt Rigger - Rico Burgos, Craig Jensen
LED-Wand Techniker - Steve Otten
Studio Produktionsassistenz - Alexandra Dolce
1. Assistenz am Set - Sean O'Connor
Set Assistenten - Cory K Riley, Saw-Ann Bryan, Cori Elwood, Shawn Murphy, Andre Andrews
Groomer - Florido Basallo

Purpose Tour Touring Team
Licht Designer - Cory Fitzgerald, Nick Van Nostrand
Licht Programmierer- Davey Martinez
Bühnenmeister - Timmy Doyle
Produktionsleiter - Jessica Sheehan, Eric Johnson
Pro-Tools - Dylan Ely
Leiter Video Crew - Sean "Sharky" Harper
Video LED/Operator - Christopher Campbell, Austin Wavra, Colton Carroll, Kyle Brinkman, Gerald Rodgers, Dylan Taylor
Chef Logistiker - Scott Lawson
Tour Manager - David Klein
Live Video Regisseur - Mike Drew
Video Ingenieur - David Vega
Video Programmierer - Drew Atienza, Sean "Sharky" Harper
Chef Pyrotechniker - Ron Bleggi
Musikalische Leitung - Bernard Harvey

Meleah Maynard ist freie Journalistin und Autorin, sie lebt in Minneapolis, Minnesota.




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