Jesus‘ psychedelische Raumfahrt: Immortalys

David Ariew schickt für den Trailer zum aktuellen Studioalbum von Ivan Torrent mit Cinema 4D irisierende Meeresbewohner ins All.

by Meleah Maynard

David Ariew, 3D-Generalist aus San Diego, arbeitet gerne unter Druck. Als der spanische Komponist Ivan Torrent ihn wegen eines Trailers für sein zweites Studioalbum Immortalys kontaktierte, sagte er sofort zu, obwohl für die Produktion nur noch drei Wochen Zeit blieben.


Glücklicherweise funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Ariew und Torrent, der bereits hervorragende Bildreferenzen gesammelt hatte  von Beginn an perfekt. Mithilfe von Cinema 4D und Octane sowie einem voranimierten Wal von Turbosquid, gestaltete Ariew einen ätherischen Trailer, in dem irisierende Wale durch ein magisches Universum zu einer futuristischen Stadt in den Wolken reisen.

Wir sprachen mit Ariew über die Entstehung des Trailers und darüber, wie ihm seine langen Haare und seine wachsende Leidenschaft für das Veröffentlichen von Octane-Tutorials den Spitznamen „Octane Jesus” eingebracht haben.

Wie bist du zu deinem Spitznamen „Octane-Jesus“ gekommen? 
Ariew: Ich habe zusammen mit EJ Hassenfratz Octane-Tutorials gemacht, und die sind irgendwie immer populärer geworden. Immer mehr Leute haben mich gesehen und manche nannten mich „Octane Jesus“. Manche sagten auch, ich sähe aus wie Grizzly Adams. Ich hatte keine Ahnung, wer das war, also: „Wer zur Hölle ist Grizzly Adams?“ Letztlich habe ich mich mit „Octane Jesus“ abgefunden, weil ich ja definitiv ein Octane-Evangelist bin. Ich mag es, Dinge zu erklären und gleichzeitig Künstler zu sein, das geht für mich irgendwie Hand in Hand. Schaut einfach mal diese Tutorials an: http://arievvisuals.com/tutorials

Was war der nächste Schritt, nachdem Du die Referenzbilder von Ivan Torrents gesehen hattest?
Ariew: Er hatte tausend Ideen im Kopf und hatte auch schon ohne Ende Referenzbilder und einen ganzen Dropbox-Ordner voller Videos gesammelt, um mir zu erklären, auf welche Weise die Wale schweben sollten. Schließlich sollten sie gigantisch groß erscheinen. Ich war begeistert, dass er so viele Ideen hatte, aber gleichzeitig auch etwas verängstigt. Ich erwartete, dass er die gleiche Bildqualität von mir fordert und dachte: „Okay, was du mir hier zeigst, haben 1 000 Artists über den Zeitraum von einem Jahr gemacht, und ich bin nur ein einziger Typ mit drei Wochen Zeit“. Es hat sich aber gezeigt, dass seine Erwartungen absolut vernünftig waren, und die Deadline zu haben, hat sich als Vorteil herausgestellt, denn so konnten wir erst mal unseren Ideen freien Lauf lassen, sie dann gemeinsam anschauen und aufs Wesentliche reduzieren.

Anstatt die Wale durch die Wasseroberfläche brechen zu lassen, schlug ich Ivan vor, dass sie ihre Reise im Weltraum beginnen sollten. Das sah immer noch sehr gut aus, war aber deutlich einfacher. Er stimmte zu. Ivan war wirklich der perfekte Kunde, er hatte viele eigene Ideen, war aber auch realistisch. Er hatte zwei Jahre an dem Album gearbeitet und den passenden Trailer dazu zu machen, war eine sehr emotionale Erfahrung für ihn. Wir hatten beide das gleiche Ziel: Das coolste Video machen, das in drei Wochen möglich ist. Ich wünschte, ich hätte ein Jahr daran arbeiten können, seine Art-Direktion war der Hammer.

Erzähl uns doch bitte etwas über die Szene, in der die Wale die Stadt in den Wolken erreichen.
Ariew: Sobald sie die Stadt erreicht haben, sieht man, dass in einem der Gebäude eine Art Signalboje untergebracht ist, die die gleiche Energie abstrahlt wie die Wale. Ivan wollte unbedingt eine Verbindung zu dem cyanfarbenen Glühen auf dem Albumcover herstellen, also verwendete ich es bei den Walen, der Boje, den Fenstern der Stadt und den Partikeln in der finalen Einstellung. Die Szene mit dem Übergang vom Weltraum in die Wolkenstadt war eine der größten Herausforderungen. Meine Verlobte, Chelsea Starling, war eine große Hilfe dabei. Sie hat sich sehr für das Projekt interessiert, und ihre Vorschläge haben mich dazu gebracht, an vielen Shots deutlich intensiver zu arbeiten, als ich das von mir aus gemacht hätte. Ich hatte zum Beispiel zwei Kamerafahrten gestitched, und sie meinte, dass das schon ganz gut aussähe, es aber noch besser wäre, wenn ich die Stadt noch am Horizont einfügte, damit die Zuschauer schon einen Vorgeschmack darauf bekämen.

Wie hast Du die Wolkenszenen gemacht?
Ariew: Ich habe für alle Wolken in der ersten Hälfte des Films das VDB Mega Pack von meinem Kumpel Mitch Myer verwendet. Die einzige Ausnahme war der dünne Nebelschleier im Hintergrund, den hatte ich einige Monate zuvor für das Tour-Intro von Katy Perry erstellt. In der zweiten Hälfte des Films, der goldenen Stadt über den Wolken, habe ich die Fog-Volumenobjekte in Octane verwendet, um die Wolken zu erzeugen. Um zu verhindern, dass die Wolken zu computergeneriert aussehen, habe ich ein zweites Volumenobjekt mit sehr lückenhaften Wolken erstellt, die knapp außerhalb der Unschärfe liegen und die Kontur der Wolken aufbrechen, um sie realistischer zu machen.

Wie ist das magische Schimmern der Wale entstanden?

Ariew: Wegen der knappen Deadline musste ich hier ziemlich viele Abkürzungen nehmen, angefangen beim Kauf eines Wals bei TurboSquid. Das hat aber ganz gut funktioniert. Die Texture Maps des Wals habe ich allerdings nicht verwendet. Ivan wollte, dass ein Glühen von unterhalb der Haut der Wale ausgeht, also habe ich nach einigem Herumprobieren Trapcode Form in After Effects benutzt, um die Wale mit einer animierten Textur zu versehen. In Octane habe ich die goldenen Flecken und den irisierenden Look gemacht, für das Schimmern habe ich den Octane-Dünnfilm-Shader verwendet. Ich mag dieses extrem grüne oder cyanfarbene Streiflicht an den Konturen der Wale. Es ist so ein magisch schimmernder Meerjungfrauenlook, und es sind auch die Farben von Ivans Album.

Wie hast Du die Stadt gestaltet?
Ariew: Ich habe ein Kit von Kitbash 3D für die Städte verwendet. Die Bestandteile der Kits haben alle den gleichen Design-Stil, ich habe das Art Deco Kit eingesetzt. Die Kits sind ziemlich preiswert für das, was drinsteckt, man bekommt für wenige hundert Dollar eine komplette Stadt, die man selbst zusammenstellen, texturieren und beleuchten kann. Ich habe meine Stadt annähernd symmetrisch angelegt, mit der Brücke und dem Hauptgebäude als zentrale Elemente, durch die ich mit der Kamera hindurchfliegen und dann nach oben ziehen konnte. Die Gebäude im Hintergrund sind asymmetrisch und eher verstreut, aber mir gefiel diese Unregelmäßigkeit. Die riesige Menge an Hintergrundgebäuden schaffte Detailreichtum und half mir dabei, die Stadt so gigantisch erscheinen zu lassen.
Hier könnt ihr Ariews KitBash-3D-Tutorial anschauen: www.youtube.com/watch?v=rFhmgqykEes

Wie hast du die Abspannszene gemacht?
Ariew: Der Endtitel musste selbstverständlich lesbar sein. So, wie ich die Szene ausgeleuchtet hatte, funktionierte das aber nicht. Also musste ich einen Weg finden, die Typografie vom Hintergrund zu isolieren. Letztlich habe ich die Blende weit geöffnet und dadurch eine sehr geringe Tiefenschärfe erzwungen, die gerade den Text scharf werden lässt. Gleichzeitig habe ich langsam die Hintergrundbeleuchtung heruntergefahren, was dem Text dann einen guten Stand verleiht. Und wenn man den oberen Teil der Szene genau betrachtet, bemerkt man, dass ich viele kleine Lichtquellen vor und zwischen den Textelementen platziert habe.

Ich wollte, dass der komplette Trailer die gleiche epische, tiefe Stimmung hat, wie die Musik auf dem Album. Das Stück mit diesem tiefen Dröhnen und dem Gesang der Wale war so inspirierend. Es hat viel Spaß gemacht, darauf zu animieren. Ich habe nicht viel mit Audio am Hut, aber es war schon cool, mit jemandem wie Ivan zusammenzuarbeiten, der fantastische Sounddesign-Elemente hinzufügen und die Musik anpassen kann, damit sie zu den Bildern passt. Dieses Sich-gegenseitig-Zuarbeiten hat das Projekt für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Meleah Maynard ist freie Redakteurin und Autorin, sie lebt in Minneapolis, Minnesota.

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