Die Sydney Opera bekennt Farbe

Wie Tim Clapham und Mike Tosetto dem Regisseur Ash Bolland das Opernhaus der Stadt Sydney für die Vivid Live 2017 zu einer magischen Leinwand machten

by Meleah Maynard

Für eine kurze Zeit im Sommer verwandelt das Vivid Festival die Stadt Sydney in ein magisches Wunderland voller Licht, Farben und Musik. Einer der zentralen Events ist „Lighting the Sails”, eine Veranstaltung in der die einzigartige Architektur der Oper Sydneys zur Leinwand für atemberaubende Lichtshows wird.

Die Show mit dem Titel Audio Creatures wurde vom in Sydney lebenden Regisseur Ash Bolland konzipiert, die zugehörigen Soundinstallationen steuerte der brasilianischen Sounddesigner Amon Tobin bei. Bollands Intention war es, mit seiner Installation die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu thematisieren und die Zuschauer mit Visionen außerweltlicher Pflanzen, abstrakter Kreaturen und chromblitzender Zukunftswelten in Bann zu ziehen.



Die Spinifex Gruppe beauftragte die Sydneyer Artists Tim Clapham von ‚Luxx’ und Mike Tosetto von ‚Never Sit Still‘, die Grafiken für die Show zu erstellen. In sieben Wochen sollten die beiden Studios acht Minuten Material für die insgesamt 15-minütige Show produzieren.

„An diesem Projekt mitarbeiten zu dürfen war für uns große Ehre. Die Online-Version wird im Netz von Millionen angeklickt und dürfte damit das meistgesehene Video der Welt zum Thema Projection-Mapping sein“, erinnert sich Tim Clapham an das Audio Creatures Projekt. „Neben uns war noch eine ganze Reihe weiterer toller Artists an dem Projekt beteiligt und für uns war es ein Privileg, eine einmalige Chance! Tatsächlich wurde Luxx unabhängig von der Spinifex Group und von Ash Bolland angesprochen; ein wundervoller Zufall, der uns zeigte, dass sowohl die Produktionsgesellschaft, als auch der Regisseur von unseren Fähigkeiten angetan waren!“

„Das Projekt war ziemlich umfangreich und Luxx hatte ca. acht Minuten Video komplett in 4K zu rendern: Es war eine Menge Material das in sieben Wochen hergestellt werden musste; uns standen Nachtschichten bevor.

Für das Projekt hatte Ash Bolland sehr konkrete Vorstellungen von dem, was er haben wollte. „Er ließ uns aber immer Raum, seine Visionen zu interpretieren. Wenn wir Ideen hatten, wie sein Konzept umgesetzt werden könnte, hatte er dafür immer ein offenes Ohr“, erinnert sich Tim. „Er hatte wunderbares Referenzmaterial zum Aussehen jeder Kreatur und unsere Aufgabe war es, seine Ideen umzusetzen: Styleframes für jedes Wesen, einige als Montagen, einige Handzeichnungen, wieder andere waren in 3D gemacht. Gemeinsam haben wir diese fantastischen Kreaturen dann in Cinema 4D umgesetzt.“

Mike Tosetto fügt noch an: „Er wollte, dass die Figuren riesig und schwer wirken, so als würde Godzilla durch die Stadt stampfen. Das Opernhaus ist riesig  und die  Schwere der Kreaturen musste entsprechend durch langsame und kraftvolle Bewegungen dargestellt werden.

Tim Clapham erinnert sich auch an die Vielfalt der in Szene gesetzten Wesen: „Wir hatten Schmetterlinge, verpuppte Insekten, eine Qualle, einen Kraken, Eiswesen; Parasiten, Muscheln und eine magnetische Kreatur. Jedes Wesen stellte uns vor eigene Herausforderungen: In einer Sequenz hatten wir die Insektenpuppe aus der ein Schmetterling schlüpft. Ash wollte, dass die Flügel sich jeweils aus Teilen des Flügelmusters zusammensetzen. Dazu haben wir für jedes Flügelsegment eigene Stoffsimulationen erzeugt, die wie Fahnen im Wind flattern, während sie sich zu Schmetterlingsflügeln entfalten.“

Auf die Frage, wie die Bilder auf die Dachflächen des Opernhauses projiziert wurden, antwortet Clapham: „Die ‚Segel‘ genannten Dachflächen der Oper sind eine ebenso faszinierende wie unorthodoxe Projektionsfläche, deren Form an ein Stück einer aufgeschnittenen Orange erinnert. Wir mussten unsere Animationen an diese Form anpassen und dafür sorgen, dass wir nicht über deren Rand projizieren und damit die Illusion zerstören. Wir hatten ein 3D-Modell der Oper mit den Positionen der Hauptprojektoren und mussten dafür sorgen, dass alle Elemente perfekt zueinander passten. Wir haben dazu in Cinema 4D eine Menge mit Deformern gearbeitet und auch in After Effects alles genutzt, was dort an Werkzeugen zur Formenanpassung zur Verfügung stand um sicher zu stellen, dass die Projektion bis hin zum letzten Pixel genau passte.“

„Wir haben in Cinema 4D verschiedene Sachen ausprobiert, um unsere Ideen umzusetzen. Als wir z. B. an dem magnetischen Wesen arbeiteten, das aus herumwirbelnden geometrischen Formen besteht, dachten wir, dass dieses Segment einer der einfacheren Shots werden würde. Wie sich herausstellte wurde es zu einer echten Herausforderung. Wir schrieben dafür ein Python Skript mit dem wir Objekte basierend auf Fibonacci Zahlensequenzen arrangieren konnten (Die Fibonacci-Reihe ist eine Folge von Zahlen, die sich durch addieren der zwei jeweils vorhergehenden Zahlen ergibt bzw. fortgesetzt wird).

Auf die Frage, wie das Setup für die Projektion aussah, antwortet Mike Tosetto: „Die Projektion bestand aus vier separaten Teilen, auf die von verschiedenen Stellen des Hafens aus projiziert wurde. Die beiden linken Dächer wurden von vier Projektoren angestrahlt. Das mittlere Dach wurde mit sechs Projektoren abgedeckt. Die beiden Rechten und die zwei übrigen Dächer wurden mit jeweils drei weiteren Projektoren angestrahlt, insgesamt also 16 Projektoren.

Seinen Eindruck, als er die fertige Projektion zum ersten Mal auf dem Dach der Oper sah, beschreibt Clapham so: „Ash hat eine echt verrückte Art Dinge zu betrachten. Er läuft durchs Leben und sieht Dinge, denen die meisten von uns keine Beachtung schenken. Er aber hält inne, schaut sich um, entdeckt unglaublich viel Schönheit in der Natur und bemerkt, dass einige Geschöpfe fast wie Außerirdische aussehen. Beim Anschauen habe ich für mich festgestellt, dass die Wesen wunderschön und abstrakt, gleichzeitig aber auch zugänglich aussehen. Wir haben uns weit aus dem Fenster gelehnt, denn unsere Geschichte ist abstrakt und bizarr. Wir haben aber alles lustig und fröhlich gestaltet, mit Kreaturen, die weder stachelig noch aggressiv wirken, eher fluffig und beschwingt.“



Credits:
Kunde: Destination NSW & Sydney Opera House
Für Sydney Opera House: Brooke Webb, Ben Marshall https://www.sydneyoperahouse.com/
Für Destination NSW: Adam Lowe, Julie Turpie
http://www.destinationnsw.com.au/
Regisseur: Ash Bolland
Ausführender Produzent: Tara Riddell
http://www.ashbolland.com/
Musik: Amon Tobin
http://www.amontobin.com/
Geschäftsführer Spinifex: Cyril de Baecque
Kreativdirektor Spinifex: Jason French
https://spinifexgroup.com
Kreativdirektor Luxx: Tim Clapham
http://luxx.tv/
Kreativdirektor Never Sit Still: Mike Tosetto
http://neversitstill.tv/
2D / 3D Artists: Tim Clapham, Mike Tosetto, Dan Braga, Alex Barnet, Nejc Polovsak, Rich Nosworthy, Will Skinner, Duncan Dix, Roy Christian, Pepin Portingale, Nicholas Hunter, Marcus Coblyn.
Toneffekte: Marcus Longfoot – Full Circle Audio
http://www.fullcircleaudio.com.au/
Projektionstechnik: The Electric Canvas.
http://www.theelectriccanvas.com.au/

Meleah Maynard ist freie Autorin und Journalistin, sie lebt in Minneapolis, Minnesota.

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