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Bärenfährte in 3D

Für ihr neuestes Inhouse-Projekt nutzte die Kreativagentur DBLG einen 3D-Drucker, um eine Cinema 4D Animation in reale Modelle umzusetzen!

Neben der Abwicklung regulärer Aufträge gibt DBLG seinen Mitarbeitern immer wieder Gelegenheit, Neues auszuprobieren, um in diesem Rahmen neue Ideen und Technologien kennenzulernen und anzuwenden. „Wir verstehen dies als eine Plattform, über die wir neue Verfahren kennenlernen und darüber hinaus auch noch eine Menge Spaß haben können", erklärt Firmengründer Grant Gilbert.

Fasziniert vom neuen Verfahren des 3D-Drucks, widmete sich das Studio dem Versuch, diese Technik im Rahmen einer Stop-Motion-Animation im traditionellen Sinne einzusetzen. Die Idee war, jedes Modell für die Animation als ein echtes, physikalisches zu erstellen. „Eigentlich arbeiten wir nach dem Prinzip, dass alles was wir machen im Computer entsteht und auch dort verbleibt", sagt Grant Gilbert. „Als wir nach einem Thema für ein neues studiointernes Projekt suchten, kam die Idee auf, einmal etwas zu machen, das die Grenzen des Computers überwindet und tatsächlich in der physikalischen Welt greifbar wird. Dazu kam, dass wir alle die krude Anmutung traditioneller Stop-Motion-Animationen im Stile eines George Pal (z. B. Die Zeitmaschine, 1960) oder Willis O’Brien (King Kong, 1933) liebten.


Der Versuch, eine Animation zu schaffen, die sich dieser traditionellen Machart bedient, bei deren Umsetzung aber modernste Technik zum Einsatz kommt, wurde zum Thema des nächsten Studioprojektes. Eigentlich ging es darum, ein „Proof of Concept“ zu erstellen. Inhaltlich wurde das Projekt deshalb auf möglichst niedrigem Level gehalten: Die Animation sollte einen Bären abbilden, der eine Treppe hinaufsteigt. Die Treppe wiederum bewegt sich wie eine Rolltreppe abwärts, sodass der Bär kontinuierlich auf der Stelle tritt. „Das wollten wir in einer zwei Sekunden langen, loopenden Animation darstellen“, erklärt Gilbert.

Schon die Rolltreppe für die Animation zu gestalten war eine nicht ganz unproblematische Aufgabe. „Wir haben das Grundmodell mit einem Cloner-Tag versehen und dann mit Booleans in die richtige Form gebracht. Neben der Aufgabe, die Animation richtig darzustellen, mussten wir außerdem dafür Sorge tragen, dass jedes Modell in sich geschlossen, also wasserdicht, und alle Normalen korrekt ausgerichtet waren! Anderenfalls wäre es nicht möglich gewesen, die Modelle auszudrucken", kommentiert Gilbert.

Die Aufgabe, den Bären zu animieren, wurde von Blue Zoo Productions gestemmt, einem preisgekrönten Londoner Studio. Das Modell des Bären selbst entlehnte das Team dem Fundus, der aus der Produktion des Rebranding für den Sender Animal Planet verblieben war.

Der animierte Bär wurde dann in Cinema 4D importiert und dort mit der Rolltreppe kombiniert. Vor hier aus wiederum wurden die Modelle der einzelnen Phasen der Animation als .obj Dateien exportiert und mit einem Makerbot Replicator 2 gedruckt. „Jedes unserer Modelle brauchte im Druck etwa drei Stunden und es gab tatsächlich nur zwei oder drei Fehldrucke unter den ganzen 50. Annähernd vier Wochen hat es gedauert, alle Modelle zu drucken, aber ans Warten sind wir gewöhnt, speziell beim Rendern großer Dateien“, erklärt Gilbert lachend.

Nachdem alle 50 Modelle fertig gedruckt waren, wurden sie gesäubert, was soviel bedeutet, dass überschüssiges Druckmaterial entfernt, und das Modell generell etwas geglättet wurde. „Hier und dort musste noch ein wenig Hand angelegt werden, aber unterm Strich hat der Drucker einen ziemlich guten Job abgeliefert", lobt Gilbert. Im Vergleich zu reiner Bildschirmarbeit war die Arbeit mit dem 3D-Drucker nicht ganz ungefährlich, denn die fertigen Modelle mussten von der Druckplattform des Druckers abgelöst werden, an der sie fest hafteten. Dabei wurde mit Schabern, Spachteln und Messern hantiert und es kam immer wieder zu kleineren Verletzungen. Der Erste-Hilfe-Kasten war deshalb immer in erreichbarer Nähe und die Mitarbeiter kommentierten Schrammen und Schnitte mit Sprüchen wie ‚Ich bin lebendig‘, womit sie darauf anspielten, wie weit weg von der Realität doch ihre alltägliche Bildschirmarbeit eigentlich ist.

Die Abfolge der Modelle wurde schließlich in einem kleinen Schreibtisch-Studio mit einer an einem Laptop angeschlossenen Canon EOS 5D SLR Kamera abfotografiert und dort mit der speziell dafür ausgelegten Software Dragonframe in eine Animation umgewandelt. Die so entstandene Animation wurde schließlich noch ein wenig bearbeitet, mit Musik versehen und veröffentlicht. „Die Animation hat sich viral verbreitet und war ein großer Erfolg für uns“, stellt Gilbert fest. „Wir wurden vom Erfolg und den Reaktionen auf den Clip gänzlich überrascht. Publikationen wie das Time Magazine, Gizmondo, Wired, Creative Review, The Creators Project, The Verge und viele andere brachten Artikel über das Projekt!

Schon seit einigen Jahren werden in animierten Filmen, die das Stop-Motion-Verfahren verwenden, immer wieder 3D-gedruckte Objekte eingesetzt. So setzte z. B. die Produktionsgesellschaft Laika in dem Film ParaNorman gedruckte Versionen für die Köpfe der Figuren ein, die unterschiedliche Gesichtsausdrücke darstellten. Von daher betrachtet betritt das Projekt von DBLG kein wirkliches Neuland, es hat jedoch eine ganz eigene Ausstrahlung. „Wir waren wirklich überrascht, wie gut das Ergebnis unserer Mühen letztendlich geworden war", kommentiert Gilbert.

Wir haben aus der 3D-Drucker-Community ein extrem gutes Feedback auf ‚Bears on Stairs‘ erhalten. Ein paar schräge Reaktionen aus dem Lager der CG-Enthusiasten hat es auch gegeben, in denen gefragt wurde, warum man die Animation nicht einfach gerendert habe? Aber das war ja gar nicht der Punkt“, stellt Gilbert fest. „Das kann jeder! Wir wollten unsere Hände benutzen und etwas Reales schaffen! Tatsächlich können sich die Leute fast nie zurückhalten wenn sie die Bären sehen und nehmen die Figuren nur zu gerne in die Hand. Zudem haben wir bei dem Projekt jede Menge darüber gelernt, wie man aus Cinema 4D heraus Modelle erzeugt, die gedruckt werden können. Wir werden mit dieser Technik auf jeden Fall weiter machen und am Ball bleiben. Sobald es sich anbietet, werden wir uns weiter mit der Erstellung solcher Animationen auseinandersetzen und die Technik noch weiter voran bringen“, stellt Gilbert abschließend fest.

Steve Jarratt ist seit langen begeisterter CG und Technik Enthusiast und arbeitet als Journalist in England.

DBLG Webseite:
dblg.co.uk

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