Zerstörung total!

Video- und Bildmaterial für Konzerte fragte ein Eventveranstalter bei Trevor Kerr an. Um die Vorstellungen des Klienten zu realisieren setzte der Motion Artist Cinema 4D ein.



Von Meleah Maynard
Motion Artists haben oft das Problem nichtssagender Briefings. Deshalb war Trevor Kerr von den präzisen Wünschen des international agierenden Event- und Konzertausrichters Comix angenehm überrascht: Kerr sollte einige Videos mit dem Thema „Zerstörung“ gestalten. Die Clips sollten die Videobibliothek ergänzen, die Comix für Shows und Veranstaltungen von Künstlern wie Avicii, Axwell Ingrosso oder der Swedish House Mafia verwendet.

Cinema 4D, Turbulence FD, X-Particles und After Effects waren die Werkzeuge, mit denen sich Kerr daran machte, die speziellen Wünsche von Comix in Bilder umzusetzen. Das Briefing skizzierte epische monochrome Landschaften, in denen riesige herabstürzende Objekte pyroklastisch anmutende Rauchsäulen hinter sich herziehen, und ähnliche Bilderwelten. „Die Visuals sollten dynamisch sein und gleichzeitig eine düstere und unheilschwangere Atmosphäre haben. Viele Stücke in der EDM(Electronic Dance Music)-Kultur haben einen an sich düsteren Tenor, und so war klar, worauf Comix hinaus wollte“, erinnert sich Kerr.

Musik und Visuals
Kerr, der heute ausschließlich als Freelancer arbeitet, hat früher viel für die Good Theory Studios gemacht, über die er auch immer wieder mit dem Thema Visuals für Musik in Berührung kam. 2010 strebte Good Theory danach, mehr 3D in ihre Projekte einfließen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt war auch ein Kollege Kerrs gerade dabei, Cinema 4D zu lernen.

„Was mich sofort ansprach war das Interface, das mir auf den ersten Blick schlüssig und verständlich erschien. Die Ebenen, der Objektmanager, all das erschloss sich mir sofort und ich war sicher, dass ich mit diesem Programm etwas würde anfangen können.“ Seither hat Trevor Kerr Visuals für Videos und Konzerte von Künstlern und Bands wie The Black-Eyed Peas, Nicki Minaj, Jennifer Lopez, Maroon 5 und Avicii erstellt. Dazu hat er auch eine Vielzahl von Grafiken für alle möglichen TV-Events verschiedener Sender erstellt.

Düstere Welten
Die Deadline für das Projekt war straff, aber Kerr hatte bereits mit dem Comix-Team gearbeitet und war mit den Abläufen vertraut. Nachdem seine auf den Mood-Boards basierenden Vorschläge für das Projekt abgesegnet waren, begann er damit, die Kameraanimationen zu entwerfen. Zurückliegende Projekte für die Musikindustrie hatten Kerr gelehrt, dass nie viel Zeit oder Budget zur Verfügung steht und je eher etwas erstellt wird, umso zielgerichteter kann man an Änderungen und Korrekturen arbeiten.

Die düstere Landschaft generierte Kerr mit Cinema 4Ds Landschaftsobjekt. Um der Atmosphäre der Szene Substanz zu verleihen wurde ein dezentes volumetrisches Licht verwendet, in dem Nebel- und Raucheffekte besser zur Geltung kamen. Indem für diese Beleuchtung eine „Include-Liste“ generiert wurde, ohne das Objekte darin aufgenommen wurden die mit den volumetrischen Lichteffekten interagierten, konnte das Rendering deutlich beschleunigt werden. Der Himmel wurde nachträglich im Compositing in After Effects eingefügt. Kleine Partikel, die über den Himmel flogen, entstammten kommerziellen Bild- bzw. Filmclips, in diesem Falle von Motion VFX.

Obwohl bestimmte Elemente und ein spezielles Aussehen für das Endresultat vom Auftraggeber gezielt nachgefragt worden waren, blieb Kerr dennoch eine Menge Spielraum um mit Techniken und Werkzeugen zu experimentieren. So setzte er auch die Aufgabe, einen Asteroiden zu gestalten der durch nachtschwarze Leere driftet, in ein spannendes Visual um.

Der Asteroid besteht aus einem Kugelobjekt, auf das mehrere Layer von Displacern aufgelegt wurden. Die glühenden Bereiche auf der Oberfläche bestehen aus mehreren Polygon-Selektionen. „Mit X-Particles habe ich dann für diese Bereiche Emitter erstellt. Eine unsichtbare Low-Poly-Version des Asteroiden fungiert als Kollisionsobjekt und sorgt dafür, dass die Partikel nicht einfach so durch den Felsen fliegen“, erinnert sich Kerr. Auch hier wurde wieder volumetrisches Licht verwendet. Ein zweiter X-Partikel-Emitter erzeugt die Partikel, die scheinbar direkt vom Asteroiden ausgestoßen werden. „Nachdem die Beleuchtung passte, habe ich die Szene mit einem separaten Tiefen-Pass gerendert.

Rauch, Feuer, Explosionen
Die Szenen, in denen die säulenartigen Strukturen durch Explosionen zerschmettert werden, waren ein Fall für sich, da die Animation so loopen sollte, dass das erste und das letzte Frame gleich waren. Wie Kerr dabei vorging sehen Sie hier!

Mit dem Plug-in NitroBlast wurden drei separate Explosionen erzeugt, die dann mit SteadyBAKE in eine reine Punktanimation umgewandelt wurden. „Auf diese Weise gab es für alles Keyframes, so dass ich Anfangs- und Endframe so arrangieren konnte, dass sie identisch waren“, erinnert sich Kerr.

Die Wolken und die Rauchspuren, die einige Objekte hinter sich herziehen, wurden im Wesentlichen mit X-Particles realisiert. Auf diese Weise konnte Kerr seine Partikelsysteme im Cinema 4D Viewport in Echtzeit editieren. So war es z. B. ein Leichtes, die Art und Weise einzustellen, wie der Rauch vom Wind fortgeweht wurde. Einige von Kerrs Rauch-Tests finden Sie hier.

Turbulence FD kann so eingestellt werden, dass es die Eigenschaften eines X-Particles-Setups übernimmt. Von da an ging es eigentlich nur noch darum, die Simulation passend einzustellen“, stellt Kerr fest. „Die Pipeline zwischen dem Plug-in und Cinema 4D liefert letztendlich wirklich das, was man als Künstler erwartet. Ich bin nur ein Einzelkämpfer, aber mit Cinema 4D bin ich in der Lage Aufgaben zu stemmen, die normalerweise ganze Studios in Schach halten“, fügt Kerr abschließend hinzu.

Neben seiner Arbeit als Motiongraphics- und 3D-Artist arbeitet Kerr auch als Filmemacher und würde gerne einmal die Filmsequenzen für ein Videospiel erstellen. „Für mich wäre das die perfekte Mischung aus 3D-Grafik und Filmemachen“, sagt Kerr und erläutert, dass er schon immer ein Videospiel-Enthusiast gewesen sei: „In diesem Medium könnte ich meine beiden größten Faibles miteinander kombinieren und damit würde mein größter Traum Wirklichkeit werden!

Meleah Maynard stammt aus Minneapolis und arbeitet dort als Autorin und Redakteurin.

Weitere WIP Videos:
www.vimeo.com/107854707

Weitere Arbeiten von Trevor Kerr:
www.kmd.cgsociety.org/

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