Wissenschaft frisch erkundet

Ein Logo wird zu einem Charakter, agiert in einem kurzen Sketch und wandelt sich wieder in das Logo. So einfach das Briefing, so komplex die Herausforderung: Ein Fall für Cinema 4D!



Das Briefing war klar und eindeutig: Nehmen Sie das Discovery-Science-Logo und wandeln Sie es in einen Charakter um, der in einem kurzen Sketch die Hauptrolle spielt und dann wieder zum Discovery-Kiesel wird. Das Projekt sollte beim Launch eines neuen Discovery-Channel-Kanals auf YouTube verwendet werden, der sich an ein breiteres und jüngeres Publikum richtet. Die verschiedenen Themengebiete der Beiträge des neuen Kanals sollten durch verschiedene Figuren dargestellt werden. Die größte Herausforderung, der sich Pryce Duncalf von den Munk Studios gegenüber sah, war die Kürze der Beiträge: ganze fünf Sekunden sollte jeder Sketch lang sein. Mit der Verwandlung des Logos jeweils zu Anfang eines Clips verblieben nur 2,5 Sekunden Animation um die Geschichten zu erzählen.

Sechs Szenarios mussten illustriert werden und von Anfang an stand ein Problem im Raum: Wie sollte das unregelmäßig geformte Logo zu einem animierten Charakter werden, seine kleine Geschichte absolvieren und sich dann zurückverwandeln?

„In einem ersten Schritt habe ich den Kieselstein mit einem Rigg versehen, das jede der später gewünschten Charakterformen annehmen konnte. Arme und Beine konnten in diesem Rigg verschiedenen Positionen einnehmen und unterschiedlich lang und dick sein. Es dauerte erst einmal ein paar Tage, bis das Rigg soweit war, das alles leisten zu können. Der Rest war dann ein Kinderspiel“, erklärt Pryce. „Was noch zu tun blieb, waren die Requisiten und die Kostüme. Die habe ich zum Teil selbst modelliert und zum Teil bei TurboSquid zugekauft.

Obwohl es bei Discovery Science schon ein paar Ideen dazu gab, wie einzelne Charaktere ausstaffiert sein sollten – z.B. mit Schweißbändern oder einer voll ausgestatteten Werkzeugweste – gab es auch welche, für die noch keine Designs vorlagen. Während eines Meetings bei Discovery Science besprach Pryce den Look für diese anderen Figuren. Nachdem über die Ausarbeitung Einvernehmen bestand, begann er mit einigen groben Skizzen zu grundsätzlichen Formen und Proportionen der Figuren, die auch als Referenzen beim Modellieren dienen sollten.

Bei der Umsetzung des Projektes mit Cinema 4D kamen eine Reihe von Werkzeugen zum Einsatz, die Pryce die Arbeit an den Animationen deutlich erleichterten, wie z. B. Lichteffekte, Objektplatzierung und Zerstörung. „Es gab da eine Szene, in der einer der Charaktere ein Auto schweißt“, erklärt Pryce. „Der Lichteffekt für die Schweißflamme wurde mithilfe von MoGraph gemacht. Dafür habe ich einfach ein Plane-Objekt mit einem Kloner verwendet und die Achse passend eingestellt. Die Größe und Verteilung der Klone wurde mit einem MoGraph-Zufallseffektor beeinflusst. Die Parameter des Effektors waren auf einen Unruhefaktor eingestellt, der an die hohe Animationsgeschwindigkeit angepasst war. Die Animation wurde dann mit einem Objekt-Buffer gerendert, über den in After Effects das Glühen zugefügt wurde.

Auch in der Szene mit dem Astronauten-Charakter kam MoGraph zum Einsatz. Die Mondlandschaft besteht aus einer Vielzahl von verstreut herumliegenden Steinen, die mit einem MoGraph-Effektor zufällig verteilt wurden. Kombiniert mit einem Simpel-Effektor und dessen Schwellenwert ergab sich eine einfache Möglichkeit, die Steine ein- bzw. auszublenden.

In einer der spektakuläreren Szenen gibt es einige explodierende Fässer. Für die Umsetzung habe ich mehrere Techniken verwendet“, erklärt Pryce. „Die eigentlichen Explosionen wurden in After Effects eingefügt. Um die Kombination richtig zu arrangieren, habe ich in Cinema 4D einen Tiefen-Pass gerendert, mit dem die Explosion leichter integrieren werden konnte. In After Effects erhielt die Explosion mit Glühen und Lens Flares noch etwas Pfiff. Die Fässer wurden mit einen Fragmentierungs-Plug-in zerlegt und für die Explosion mit einem Dynamik-Tag versehen. Die eigentliche Sprengung wurde dann mit einer Kugel initiiert, die mit einem ein Kollisions-Tag versehen war.

Einer der einfacheren Effekte ist der Text auf dem Kiesel, der sich während der Metamorphose zur Figur auflöst. Den Text hatte Pryce Duncalf zunächst als Textur auf dem Modell angelegt, die sich aber dann mit der Transformation zum Charakter animiert in Nichts auflöst.

Am Ende des drei Wochen dauernden Projektes waren sechs Clips von je fünf Sekunden Länge in einer Auflösung von 1080p gerendert. „Dabei haben wir zwei Xeon Mac Pros verwendet“, stellt Pryce fest. „Anfangs schien es ein verrücktes Unterfangen zu sein, in 2,5 Sekunden eine Geschichte unterzubringen zu wollen. Aber indem wir methodisch wieder und wieder die F-Kurven und Keyframes der Animationen überarbeiteten, haben wir es dann doch geschafft. Ich denke, dass Cinema 4D über alle Möglichkeiten verfügt, die man braucht um Geschichten als Animationen zu realisieren. Vor dem Compositing brauche ich Cinema 4D kaum einmal verlassen und kann alles direkt im Programm machen. Es gibt ein Werkzeug für jede Aufgabe und immer mehr als eine Lösung für ein Problem!

Duncan Evans ist der Autor von „Digital Mayhem: 3D Machines“, das vor kurzem bei Focal Press erschienen ist.

All images courtesy of Munk Studios.

Munk Studio Website:
www.munk.co.uk

Previous slide
Next slide