Spyscape

In New Yorks neuem Spionagemuseum beginnt das Besuchererlebnis schon im Aufzug.

By Meleah Maynard

Das Spyscape in New York ist nicht einfach ein weiteres zeitgenössisches Museum rund um das Thema Spionage. Es ist ebenso ein Ort, an dem Besucher herausfinden, welche Art von Spionage am besten zu ihnen passen würde und eine Idee davon bekommen, was Spione tatsächlich tun. Um sich nahe an der Handlung der meisten Spionagefilme zu orientieren, beginnt das Abenteuer mit einem Briefing, nur dass in diesem Fall das Briefing im größten Personenaufzug der Welt stattfindet.  

Im Bewusstsein, dass die Aufzugfahrt packend und theatralisch genug sein musste, um die Besucher von Beginn an in ihren Bann zu ziehen, wandten sich die Macher des Spyscape an Territory Studio. Schließlich ist das Team von Territory für überzeugende Bildschirmgrafiken und VFX für Hollywood Spionage-Thriller und Militärdramen bekannt. Mithilfe von Cinema 4D, X-Particles, After Effects und Redshift schufen Territory ein dreiminütiges Briefing, das begleitet von Surround-Sound auf wandfüllenden Projektionsflächen an drei der Aufzugwände abgespielt wird. 

Nick Lyons von Territory hatte die kreative Leitung bei diesem Projekt. Wir sprachen mit Nick über den Arbeitsablauf – von den ersten Storyboards bis hin zu einer überzeugenden Spionagegeschichte, inklusive der holzvertäfelten Flure eines in einem gewöhnlichen Bürogebäude untergebrachten MI6 Außenpostens und dem Blick aus einem Überwachungssatelliten im All.

Gibt es Projekte, die Territory besonders dabei geholfen haben, diesen Job zu bekommen?

Nick Lyons:

Territorys Arbeit für die Filmindustrie beinhaltet eine ganze Menge Projekte, die viel Beachtung gefunden haben. Es gibt aber auch einige experimentelle Projekte, die uns dabei geholfen haben, das Spyscape Projekt an Land zu ziehen. Da wäre zum Beispiel die interaktive  Bodenkontrollstation, die wir für die vielbeachtete Sommerausstellung  Into the Unknown: A Journey Through Science Fiction am Barbican Centre entworfen und gebaut haben. Wir haben außerdem Animationen für eine Jahresabschlussveranstaltung am London College of Fashion gemacht, sowie eine immersive Datenvisualisierung über wenig beachtete tropische Krankheiten und  ein Projectionmapping für Clarins. 

Was war deine Rolle bei diesem Projekt?

Nick Lyons: Ich hatte die kreative Leitung und unterstützte Kreativdirektor John Sunter und seine Senior-Producerin Alice Ceresole dabei, das Konzept des Kunden mit Leben zu füllen. Zusätzlich zur kreativen und technischen Leitung arbeitete ich während des gesamten Projekts eng mit dem restlichen Team zusammen, darunter Roland Lukacsi, Dorian Thomas und Melanie Keyzor. Nach der Freigabe von Konzept und Regie hatten wir freie Hand beim Aufbau der Story, konnten uns die Tools aussuchen, mit denen wir arbeiten wollten und uns ausdenken wie, alles aufgebaut werden soll – inklusive des Aufbaus der Szenen und Übergange. 

Wie lange bist Du schon bei Territory?

Nick Lyons: Ich arbeite jetzt schon drei Jahre für Territory. Momentan betrachte ich London als mein Zuhause, bin aber aus LA hergezogen, wo ich für Blur Studio gearbeitet habe. Blur sind für Game Cinematics und ihre Arbeit an Filmprojekten bekannt. Ich bin sehr froh, die Gelegenheit gehabt zu haben, für sie zu arbeiten und Teil der großartigen Firmenkultur gewesen zu sein, für die sie berühmt sind. Diese Kultur erlaubte mir, einen Dialog zwischen Ihnen und Territory zu eröffnen, nachdem ich nach London gezogen war.

Wie sah das Briefing aus, das ihr zu Beginn des Projekts bekommen habt? 

Nick Lyons: Wir wurden beauftragt, das finale „Briefing-Video“ und den Ton für den Aufzug zu liefern. Die Anweisungen waren relativ locker gefasst. Sie mochten unseren Ansatz, eine immersive Geschichte zu entwickeln, bei der sich die Zuschauer wie in einem Spionagefilm fühlen, sobald sie an der Kasse ihre Spyscape-Armbändchen bekommen haben. Wir hatten die Aufgabe, eine Geschichte mit einem realistischen Kern zu entwickeln, der die Besucher in die Welt der Spionage einführt und deutlich macht, dass wir durch die sozialen Medien und die heute überall routinemäßig ablaufende Überwachung durch Videokameras und das Abhören von Mobiltelefonen mittlerweile alle zu Spionen geworden sind.

Hat die Tatsache, dass der Aufzug sich bewegt und mit Menschen vollgestopft ist, eure Arbeit verkompliziert?

Nick Lyons: Wir mussten bei dieser Produktion einige einzigartige technische Hürden nehmen, weil der Aufzug erst gebaut wurde, während wir die Inhalte entworfen und animiert haben. Es war deshalb wichtig, unser Konzept möglichst flexibel zu halten.  Wir sind an dieses Projekt deutlich anders herangegangen als an solche, wo die Zuschauer nur nach vorn auf die Leinwand schauen. Da die Inhalte sich vom Boden bis zur Decke und über mehrere Seiten des Aufzugs erstrecken, wäre es möglich, dass sich Teile des Publikums zu einem Zeitpunkt auf unterschiedliche Stellen der Projektion konzentrieren. Wir beschlossen deshalb, die Aufmerksamkeit des Publikums auf das Zentrum des mittleren Monitors zu lenken. Für den Fall, dass jemand doch auf die seitlichen Leinwände schauen sollte, haben wir auch dort Elemente untergebracht, die für die Geschichte relevant sind, damit man keinen Teil der Handlung verpasst. 

Das war vermutlich die größte technische Herausforderung. Sie schickten uns eine schematische Ansicht des Aufzugs und die Abmaße der Projektionsflächen, damit wir drei Projektionen herstellen konnten, eine für die Front und zwei für die Seiten.  Die Illusion entsteht dadurch, dass die Frontprojektion sich nach vorn oder nach oben und unten bewegt, während die seitlichen Projektionen sich synchron mit der Tiefenbewegung der Frontprojektion bewegen damit die Inhalte nicht flach wirken und keine Verzerrungen entstehen. Um ein geeignetes 360° Rig für diesen Effekt zu bauen, kam das Cineversity Plugin CV-VR Cam zum Einsatz, wobei Frontkamera, sowie die linke und rechte Kamera separat gerendert wurden. Wenn man die Videos auf einem normalen Monitor anschaut, sieht das mittlere Drittel normal aus, während die Bilder für die Seiten ziemlich verzogen wirken. Wenn man die Projektion im fahrenden Lift anschaut, funktionieren die seitlichen Projektionen im Zusammenspiel mit der Frontprojektion allerding korrekt.

Wir mussten die Illusion wirklich auf den Punkt bringen, also haben wir eine Menge Animationstests gemacht. Wir haben zunächst den Lift ihren Angaben entsprechend in Cinema 4D nachgebaut. Im nächsten Schritt haben wir unsere Testanimationen darauf ablaufen lassen um sicherzugehen, dass alles perfekt auf die Wände projiziert wird, ein überzeugender Tiefeneindruck entsteht und wir keine Probleme mit sichtbaren Nähten zwischen den gerenderten Szenen haben. Nachdem der echte Aufzug fertig installiert war prüften wir, ob unsere Animationen auch mit den Projektoren funktionieren und die Wände und der Raum korrekt dargestellt werden. Die Leute vom Spyscape haben uns vertraut und unsere ausgiebigen Tests haben sich ausgezahlt – die Installation läuft absolut problemlos. 

 

Credits:

Producer – Alice Ceresole
Creative Director – John Sunter
Creative Lead – Nick Lyons
Animators: Dorian Thomas, Melanie Keyzor, Roland Lukacsi
Sound designer – Tim Cowie

Meleah Maynard ist freie Autorin und Redakteurin, sie lebt in Minneapolis, Minnesota.

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