Titeldesign: Kunst und Herausforderungen

Titelsequenzen sollen Neugier wecken und andeuten, was den Zuschauer oder Besucher erwartet. Raoul Marks ist ein Meister dieser Disziplin und sein wichtigstes Werkzeug ist Cinema 4D.

Anfang und Appetitanreger: die Titelsequenz. Nicht nur Kinofilme und TV-Serien setzen auf die Wirkung guter Titelsequenzen, auch Designkonferenzen in aller Welt schmücken sich gerne mit Eröffnungstiteln bekannter Motion Graphics Artists. Umgekehrt schätzen die Artists diese Aufträge wegen der Möglichkeit, viele eigene Ideen in die Projekte einbauen zu können, weil dies von den Auftraggebern oft genau so gewünscht wird. Als Murray Bell von Semi-Permanent bei Raoul wegen eines Eröffnungstitels für die Semi-Permanent Konferenz 2015 anfragte, war die Versuchung deshalb groß. „Die Möglichkeit, eine Auszeit von meiner üblichen Arbeit zu nehmen und mal was ganz Neues zu versuchen, gab für mich letztendlich den Ausschlag zur Zusage“, erinnert sich Raoul Marks.




Ein Titelbild des LIFE Magazins aus dem Jahr 1968 lieferte Raoul die Inspiration für seinen Eröffnungstitel: Ein Astronaut, der durch die Dunkelheit des Weltraums fällt. Zusammen mit Raouls Faible für den Film „2001: A Space Odyssey“ entwickelte sich daraus die Idee eines einsam durch das All stürzenden Astronauten. „Bei meiner Arbeit bin ich oft alleine und spreche nur dann und wann einmal via Skype mit einem Kollegen oder kommuniziere per E-Mail. Dabei beschleicht mich oft ein Gefühl der Isolation, das ich auch in dieser Arbeit thematisieren wollte“, stellt Raoul fest. 

„Seit einigen Jahren arbeite ich mit Cinema 4D, das ich als extrem flexibel und verlässlich kennengelernt habe. Trotz einer großzügigen Deadline von einem Monat war mir klar, dass ich ein paar Abkürzungen würde nehmen müssen, um pünktlich ans Ziel zu kommen!“ Das Modeling erfolgte in Cinema 4D, aber schnell war ein Polygonvolumen erreicht, mit dem sich beim Animieren nicht mehr vernünftig arbeiten ließ. Zum Animieren verwendete Raoul deshalb Modelle mit reduzierter Polygonanzahl und übertrug die Bewegungen dann mit der „Mesh projizieren“-Funktion auf die hochaufgelösten Modelle. „Je nachdem, ob Großaufnahmen anstanden oder der Astronaut weiter entfernt von der Kamera war, ließen sich die Animationen mit diesem Werkzeug auf verschiedene Modelle übertragen“, erklärt Raoul.

Der freie Fall des Astronauten und die verschiedenen Elemente, die um ihn herum durch den Weltraum driften, stellten Raoul vor eine Reihe weiterer Probleme, für die er verschiedene Lösungen finden musste. „Der Astronaut windet sich im freien Fall wie eine Katze. Um den Raumanzug in dieser und den anderen Szenen überzeugend aussehen zu lassen, habe ich Marvelous Designer verwendet“, sagt Raoul. Dunsteffekte, austretende Gase und Staubwolken finden sich in Raoul Marks’ Video zuhauf. Diese Effekte realisierte er mit Cinema 4D und dem TurbulenceFD-Plug-in, das speziell für solche Effekte ausgelegt ist. Auch auf andere scheinbare Kleinigkeiten, wie die unebenen Strukturen auf den Asteroiden, legte Raoul großen Wert: „Hier habe ich mit Deformations-Maps gearbeitet, die auch auf Objekte mit relativ niedriger Auflösung angewendet werden können und den Effekt der rissigen, narbigen Strukturen wunderbar abbilden“. 

Für die Landung des Astronauten inmitten der zerklüfteten Landschaft hat Raoul dieselbe Technik verwendet wie in der Titelsequenz von „True Detective“, die ebenfalls von ihm stammt. Auch hier hat Raoul mit Cinema 4D gearbeitet, um aus den Fotos von Richard Misrach den eindrucksvollen Aufmacher für die vielgepriesene Serie zu machen. „Misrachs Bilder aus seinem Buch ‚Petrochemical America‘ waren eine wesentliche Inspiration und beeinflussten die Stimmung der ganzen Serie. Ich wollte sie im Titel nicht nur als Standbilder verwenden, sondern mehr daraus machen. Schließlich habe ich ein Bild auf mehrere Ebenen projiziert und dann auf der obersten Ebene Bereiche durchsichtig gemacht. Werden die Ebenen relativ zur Kamera verschoben, entsteht ein Parallaxeneffekt, der Dynamik in die Fotos bringt. Schließlich habe ich auf den hinteren Ebenen einige Bildbereiche retuschiert und der Tiefeneffekt war perfekt. Eine Technik, die ich nur dank Cinema 4D in die Tat umsetzen konnte. 

Dieselbe Technik habe ich danach auch für die Titelsequenz der zweiten Staffel von True Detective und im Konferenztrailer bei der Landung des Astronauten eingesetzt. Die Bilder hierzu kamen von einem Freund, der gerade von einem Urlaub in Island zurückgekehrt war. Durch neue Features in Cinema 4D ist die Technik nun noch viel einfacher umzusetzen. Statt zu schätzen, wendet man zum Beispiel einfach die ‚Kamera kalibrieren‘ Funktion an und bekommt so sehr genaue Resultate beim Verschieben der Projektionsflächen.

“Nachdem Modeling und Animation erledigt waren, musste der Clip gerendert werden. „Ich habe für meine Projekte immer ein Bild vor Augen, wie die Szene letztendlich aussehen soll. Es gibt viele Renderer, die sich alle im Wesentlichen in zwei Gruppen kategorisieren lassen, ‚unbiased’ und ‚biased’. Während unbiased Renderer versuchen, die Realität so präzise wie möglich abzubilden und dafür viel Renderzeit brauchen, wird bei biased Renderern viel getrickst um Zeit zu sparen. Viele dieser Tricksereien gehen zulasten der Qualität der Renderings“, erklärt Raoul. „Erst der Octane Renderer lieferte mir Bilder, die meinen Vorstellungen entsprachen ohne dabei exorbitante Renderzeiten zu verursachen. Indem Octane die Leistung der GPU (Graphic Processing Unit) anzapft, wird das Rendering deutlich beschleunigt. Die limitierten Einstellungsmöglichkeiten eines unbiased Renderers mögen auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirken, aber ich finde, dass sie das nicht sind. Ganz im Gegenteil, in der Vergangenheit habe ich mit biased Renderern oft Stunden damit verbracht, die Einstellungen richtig zu justieren, Parameter einzustellen und langwierige Testrenderings anzufertigen, ohne dem Aufwand angemessene Resultate zu erzielen.“ Die Frage, wie er die richtigen Einstellungen beim Rendern mit Octane findet, beantwortet Raoul folgendermaßen: „Ich starte den Renderer mit einer absurd hohen Zahl von Samples und lasse ihn rechnen. Wenn das Rauschen im Bild ein akzeptabel niedriges Niveau erreicht hat, breche ich das Rendern ab. Dann notiere ich die Sample-Rate, stelle diese in den Parametern ein und starte den Renderer erneut für die ganze Animation!“

Die Resonanz auf den Semi-Permanent-Clip im Internet ist überwältigend. „Das freut mich natürlich sehr“, erklärt Raoul, „und ist auf jeden Fall eine gute Visitenkarte. Sehr erstaunt hat mich der Umstand, dass mich jetzt viele Leute auf 3D und VR ansprechen und Bezug auf die Clips und Titelsequenzen nehmen. Bei vielen Firmen und Studios scheint man in den Startlöchern zu stehen, um entsprechende Inhalte zu schaffen. Ich werde also jetzt ausloten, was man mit Cinema 4D für dieses neue Medium machen kann!“

 

Semi-Permanent Break Down:

https://vimeo.com/129091592

Raoul Mark’s website:

www.raoulmarks.com/

Semi-Permanent Credits:

Designed and Produced by 
Raoul Marks

Titles kindly supported by Maxon

www.maxon.net

Iceland photography kindly provided by Jake Sergeant

www.mn8studio.com

Music and SFX arranged by Raoul Marks


Additional artwork by Stanley Donwood & Noah Taylor

True Detective Credits:

Opening Title Sequence: Elastic
Director: Patrick Clair
Executive Producer: Jennifer Sofio Hall
Design/Animation/Compositing: Antibody
Senior Designer: Raoul Marks
Animation + Compositing: Raoul Marks
Animation + Compositing: Patrick Da Cunha
Production: Bridget Walsh
Research: Anna Watanabe
Additional Compositing: Breeder
Compositing: Chris Morris
Compositing: Joyce Ho
Production: Candace Browne
Production: Adam West





 

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