Titel mit Substanz

Scott Geersen von Substance über die Erstellung bedeutungsvoller Titel für das Node Fest 2018

By Meleah Maynard

Scott Geersens Motion Studio in Sydney, Australien, heißt nicht ohne Grund Substance. Er und sein Team lieben Projekte, die es ihnen ermöglichen, gut durchdachte Inhalte zu erstellen, die sich intensiv mit den Grundlagen der Konzepte auseinandersetzen. Kein Wunder also, dass sie ihr Renommee mit ausdrucksstarken und durchdachten Titelsequenzen erworben haben. Eines der jüngeren Projekte sind die Titel für das Node Fest 2018  einer jährlichen Konferenz für Motiondesign, die Künstler aus ganz Australien und Neuseeland zusammenbringt.


Substance verwendete Cinema 4D, X-Particles, Houdini, Substance Painter, Quixel Megascans, Redshift und Octane, um die CG-Elemente der Titelsequenz zu erstellen. Im Mittelpunkt der Story steht ein Entdecker auf einer abenteuerlichen Reise durch postapokalyptische Einöden, die das Abenteuer des kreativen Entstehungsprozesses symbolisiert.

Geersen gab uns einen Einblick in die Herangehensweise von Substance bei diesem und anderen Projekten:

Wie habt ihr die Idee für dieses Projekt entwickelt?

Scott Geersen:
Die einzige konkrete Anforderung war, dass wir alle Referenten, Sponsoren und Logos auflisten. Ansonsten war das Briefing sehr offen. Wir haben versucht, uns dem Thema zu nähern, indem wir Fragen stellten wie: Was bedeutet eigentlich Node (Knoten)? Was ist ein Knoten? Was genau macht ein Knoten und was ist damit möglich? Was bedeutet es für uns, mit dem Node Fest verbunden zu sein? Es war sprichwörtlich eine völlig leere Leinwand. Das klingt zwar schön, es kann aber auch schwierig sein, sich auf eine Richtung festzulegen, wenn man so viel Spielraum hat.


Das Nachdenken über Knoten und das Node Fest hat uns auf drei Kernideen gebracht: Experimentieren, Verbinden und Schaffen. Die Referenten des Node Fest kommen aus einer Reihe von sich überschneidenden Disziplinen. Sie haben das Ziel, Künstler an neue Ideen heranzuführen, den kreativen Prozess im Allgemeinen zu veranschaulichen und uns allen zu helfen, voneinander zu lernen. Mit der Entdeckergeschichte möchten wir kommunizieren, dass jede Etappe der Reise erst durch die vorangegangenen Schritte ermöglicht wird und dass am Anfang eines Projekts der erfolgreiche Abschluss möglicherweise noch nicht vorhersehbar ist.

Entspricht dieser Prozess der Art und Weise, wie Substance die meisten Projekte angeht?

S. G.:
Wir schätzen Projekte, die uns die Möglichkeit bieten, tiefgründige Konzepte zu entwickeln und Möglichkeiten zu finden, komplexe Ideen für das Publikum greifbar zu machen. Für uns geht es um den Kerngedanken eines Projekts, auch wenn die meisten diesen nicht zwangsläufig auf den ersten oder zweiten Blick erkennen. Oftmals durchlaufen wir einen langen Prozess, um diesen Kerngedanken zu finden, den man vermutlich als eine Art „universelle Wahrheit“ beschreiben könnte. Wenn es uns gelingt, sie zu erkennen, sind der Regisseur oder der Kunde meist einverstanden, auch wenn unser Konzept ihre ursprüngliche Idee nur am Rande berührt.

Wie konntet ihr eine nicht menschliche Figur so menschlich wirken lassen?

S.G.: Das haben schon viele Leute gefragt. Ob „ES“ irgendwelche menschlichen Körperteile unter dem Umhang hat, hängt von der eigenen Fantasie ab. Wir haben uns nicht nur aus visuellen, sondern auch aus praktischen Gründen entschieden Cyborg-Teile zu verwenden. Die Bewegungen basieren auf der Mischung und Anpassung hochwertiger MoCap-Daten. Die Abläufe sind in vielerlei Hinsicht realistisch, können aber natürlich nicht die unbegrenzte Bandbreite von Muskeln und Haut einfangen. Durch die Verwendung eines Robotercharakters konnten wir uns auch innerhalb des sehr begrenzten Zeitrahmens auf die Darstellung der Bewegung konzentrieren, ohne uns zu sehr um den „Uncanny Valley“-Effekt Gedanken machen zu müssen.

Welche Botschaft hoffst du anderen Künstlern mit den Titeln für das Node Fest zu vermitteln?

S.G.: Ich hoffe, die Leute werden ermutigt, Dinge zu versuchen, die vielleicht zunächst außerhalb ihres eigenen Interesses liegen. Das interdisziplinäre Ausprobieren ist inspirierend und hilft, eine breite Palette an Skills aufzubauen, die sich gegenseitig ergänzen. Ein Teil meiner Fähigkeiten basiert tatsächlich auf zufälligen Entdeckungen. Als ich jünger war, hatte ich keinen Mentor, also musste ich meinen eigenen Weg finden. Glücklicherweise bin ich von Natur aus ein neugieriger Mensch, der etwas über die Dinge wissen will. Ich neige dazu, mich ganz tief in diese Dinge hineinzuversetzen. Ich ermutige andere immer, das Gleiche so weit wie möglich zu tun.

Credits:
Kunde: Node Fest
Regie: Scott Geersen
CGI-Produktion, Film & Schnitt: Substance
3D-Motiondesign: Scott Geersen, Rory McLean, Dan Cowen, Jason Poley, Ezequiel Grand, Jeff Briant
Simulationen: Jason Poley (X-Particles), Ezequiel Grand (Houdini)
Musik und Sound Design: Echoic

Meleah Maynard ist freie Autorin und Redakteurin, sie lebt in Minneapolis, Minnesota.

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