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Raus aus der Tretmühle, rein ins Glück

Mill+ produziert bezaubernde drei Minuten Animation für den Online-Buchungsservice von Eviivo



von Steve Jarratt
Die Anwendungen und Dienstleistungen von Eviivo helfen Hotels, Pensionen, Gaststätten und Resorts dabei, ihre Reservierungen im Griff zu behalten und ihre Angebote zu vermarkten. Um ihre eigenen Services zu bewerben, wandte sich Eviivo an Mill+, ein Team von Regisseuren und Designern innerhalb der Londoner VFX-Schmiede The Mill, das auf die Realisierung von kompletten Produktionen spezialisiert ist. Mill+ wurde beauftragt, vom Konzept bis zum fertigen Film alles zu liefern: Von der Story über die Entwicklung der Character bis zum Titelsong, der die Animation untermalt.

Die Grundidee ist eine Alltagsgeschichte“, erklärt Nils Kloth, der Leiter der Motion Design Abteilung.  „Die Geschichte von jemandem, dessen Leben in völlig festen Bahnen verläuft. Er ist total unglücklich, sehnt sich nach Veränderung und träumt von einem besseren Leben ohne Stress und Verantwortung. Irgendwann kommt er auf die Idee, eine Landpension zu eröffnen, und gerät dabei wieder in die gleiche Mühle, bis – in Form von Eviivo – die Rettung auftaucht.

Ausgangspunkt des Konzepts waren Eviivos Start-Buttons, die beiden Punkte über dem doppelten „i“ im Eviivo-Logo. Aus diesen Buttons entwickelte Mill+ einfache, kreisförmige Character, die in einer farbenfrohen, minimalistisch gestalteten Welt zuhause sind. Die Hauptfigur, der gelbe Button, ist ein Büromensch, der von der täglichen Routine genervt ist, davon träumt ein Hotel auf dem Land aufzumachen und Eviivo anruft um seinen Traum erfolgreich zu verwirklichen.

Nachdem wir Musik und Text für den Song fertig hatten machten wir uns daran, die 3D-Animation zu gestalten“, sagt Kloth. „Dafür mussten drei Minuten komplett in 3D hergestellt werden, mit jeder Menge Character-Animation, üppig ausgestatteten Szenen und reichlich Partikel-Simulation, was allein schon eine Herausforderung ist.

Etwa 95 Prozent des Stücks wurden komplett in Cinema 4D gebaut und arrangiert, gerendert wurde mit V-Ray. „Alle Designs, Modelle und Kameras kamen direkt aus Cinema 4D“, bemerkt Kloth. „Wir hatten einen ziemlich straffen Zeitplan und deshalb hielten wir es für sinnvoll, möglichst alles in einer Anwendung zu machen. Wir haben uns bei Texturierung, Beleuchtung und Rendering für V-Ray entschieden um allem noch mal das gewisse Extra zu verleihen.

Das dreiminütige Stück wurde von drei Leuten an 12-Core Macs hergestellt, berechnet wurde es mit 64 Renderclients. Durch die flache, minimalistische Anmutung des Films war nicht sehr viel Postproduktion notwendig, abgesehen von Clean-Up, Farbkorrektur und ein paar grafischen Elementen. “Alles wurde in V-Ray 1.8 gerendert und weil beim Finishing nicht viel geändert werden musste, wurden lediglich ein paar zusätzliche Passes und Masken für die Post gerendert“, so Kloth.

Er erklärt, dass ein Großteil der Animationen innerhalb und außerhalb einer Scheune spielen und dafür zwei Haupt-Lichtsetups gebaut wurden. Abhängig von den Erfordernissen einer Szene wurden zusätzliche Lichtquellen hinzugefügt und die Hauptbeleuchtung dann darauf angepasst.

In einer der ersten Sequenzen taucht die U-Bahn auf, mit der die gelbe Hauptfigur zur Arbeit fährt. In dem Moment, wo sich die Kamera zur Seite dreht, springt die Szene geschickt in das Innere des Waggons. „Der Hauptteil dieses Effekts ist eine große boolesche Operation“, sagt Kloth. “Der Würfel, der durch die übrige Szene schneidet, war an der Arbeitsfläche befestigt, während der U-Bahn-Waggon darum herum kreist. Wir haben lediglich eine Textur für die Wand hinzugefügt und in der Post die Artefakte entfernt, die durch das Boolen entstanden sind."

Als der Zug zum Stillstand kommt, kullern die runden Passagiere alle ans Ende des Waggons, ein Effekt, der mit Cinema 4Ds Physics Engine realisiert wurde. Kloth räumt ein, dass für die Überblendung zwischen der handanimierten und der simulierten Bewegung etwas Scripting notwendig war.

Später im Film gibt es einige imposante Szenen, in denen der Protagonist buchstäblich in Papierkram ertrinkt. Hierfür setzte das Team auf Cinema 4Ds bewährte MoGraph Tools. Für das Meer aus Papier wurde ein Grundobjekt mit Deformern so animiert, dass es eine vage Ähnlichkeit mit Wasser hatte, anschließend wurden Dynamics eingesetzt um das Kollisionsverhalten der Papiere zu simulieren.

Der in einer Sequenz zu sehende Fluss wurde mit Layern extrudierter Splines erzeugt, die Wellenbewegung wurde mit einem Deformer animiert.

Die kleineren kreisförmigen Character und auch einige der animierten Schafe wurden mit dem Cinema 4D Bones System geriggt. „Es war ein sehr einfach gestricktes Setup und die Animation war entsprechend unkompliziert“, sagt Kloth. „Für die Hauptfiguren haben wir ein Spline-basiertes Rigg entwickelt, das mit dem Autorigging Script von Curious Animal animiert wurde, unterstützt durch den Cinema 4D Spline Deformer.“ Er ergänzt weiter, dass Lead Animator Dan Fitzgerald bei dieser Produktion auch einige andere Deformer Plug-ins von Curious Animal eingesetzt hat.

Insgesamt ist das Mill+ Team mit dem Endergebnis sehr zufrieden. „Es war in jeder Hinsicht ein unvergessliches Projekt“, erklärt Kloth. „Wir hatten nie zuvor einen Song geschrieben oder getextet, noch hatten wir jemals mit einer Hotelmanagement-Software zu tun. Der Kunde war großartig, das Projekt sehr intensiv und wir hatten unglaublichen Spaß beim Animieren der Schafe.

Auf die bei der Produktion eingesetzte Software angesprochen erklärt Kloth, dass Cinema 4D für sie unerlässlich war: „Wir hätten das mit keinem anderen Programm machen können.

Steve Jarratt ist Engländer und seit vielen Jahren technischer Journalist mit großer Begeisterung für die Computergrafik.


Die Urheberrechte aller gezeigten Bilder liegen bei Mill+.

The Mill's Webseite:

www.themill.com

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