Preisverdächtige Titel zu Prince of Peoria

Ken Carlson über den Einsatz von Cinema 4D und schwebende Neonschilder für die Titelsequenz der Netfilx-Serie Prince of Peoria.

„Eine wirklich gute Titelsequenz ist nicht nur eine unerlässliche Namensparade. Sie sollte auch eine kurzweilige Geschichte sein, die die Tonalität und den Rahmen für eine Show vorgibt“, sagt Ken Carlson, Kreativdirektor bei Big Machine.

Er sollte es wissen, denn seine in Burbank ansässige Produktionsfirma, die seit 2003 auf Cinema 4D als zentrale 3D-Anwendung setzt, war gerade für die Titelsequenz zur Netflix-Serie Prince of Peoria für einen Daytime Emmy für "Herausragende Eröffnungstitel und Design für eine Realfilm-Produktion“ nominiert. Bereits 2014 wurden Big Machine nicht zuletzt wegen ihrer innovativen Animationen mit Cinema 4D für das Doku-Special Future Cats im Nat Geo WILD TV-Netzwerk mit einen Emmy für "Herausragende Leistung in Grafikdesign und Artdirektion" ausgezeichnet.

Wir sprachen mit Ken über die Inspiration zu dieser unterhaltsamen 30-Sekunden-Eröffnungssequenz, die von einem Teenagerprinzen aus einem fernen Land handelt, der anonym bei einer Gastfamilie in einer kleinen Bowlingbahn im Mittleren Westen lebt und dort ungewöhnliche Freundschaften schließt.

 

 

Maxon: Erzähl uns doch bitte etwas über das Kreativ-Briefing für Prince of Peoria.

Ken: Devin Bunje und Nick Stanton, die Autoren der Serie, suchten nach einer Möglichkeit, die Hauptpersonen auf rasante und spaßige Weise vorzustellen und die Persönlichkeit der Figuren durch das Design ihrer jeweiligen Credits auszudrücken.
 
Maxon: Wie ist Big Machine zu diesem Projekt gekommen?

Ken: Das war einer dieser Fälle von Wiederholungsaufträgen, die uns immer wieder freuen. Wir hatten mit dem Produktionsteam bereits an seiner letzten Show Gamer’s Guide to Just About Everything gearbeitet und sie haben uns zum Pitch für ihr neues Projekt Prince of Peoria eingeladen. Es gibt Kunden, mit denen es einfach immer wieder Spaß macht und das war auch bei dieser Serie so. Die Produzenten waren großartig in der Zusammenarbeit und haben sich sehr ins Zeug gelegt, um uns mit allem Nötigen zu versorgen, um diese Sequenz erfolgreich fertigzustellen.

Maxon: Wie lange habt ihr für die Produktion gebraucht?

Ken: Nach einer Woche Schnitt, den wir auch hier bei Big Machine gemacht haben, dauerte die Postproduktion zwei bis drei Wochen.

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Maxon: Was war der Ansatz des Kreativteams, um die Persönlichkeiten der Hauptfiguren herauszuarbeiten?


Ken: Wir haben uns mit den Produzenten getroffen, um eine Liste von Persönlichkeitsmerkmalen für jede Figur zu entwickeln und anschließend unsere Konzepte zielgerichtet auf diese abgestimmt.

Das Konzept, das letztlich gewonnen hat, ist von den Neonreklamen alter amerikanischer Bowlingbahnen inspiriert. Das war unser Leitmotiv für das Design der knallbunten Neonschilder, die neben jedem der Darsteller schweben. So schön echte Neonschilder auch sind, es wäre einfach zu teuer gewesen, sie herstellen zu lassen. Unsere Prince of Peoria Neonschilder sind deshalb zu 100% computergeneriert.

Fortschrittliche 3D-Produktionsmethoden

Maxon: Wie hat sich Cinema 4D in den Produktionsablauf des Prince of Peoria Titelprojekts eingefügt?
 
Ken: Cinema 4D ist seit Gründung des Studios ein fester Bestandteil unserer Pipeline. Am Anfang war es einfach unsere bevorzugte 3D-Design- und -Animationsanwendung. Mittlerweile hat es sich zur zentralen Schaltstelle für die meisten unserer Arbeiten entwickelt, mit der wir Designelemente und visuelle Effekte mit Realbildern kombinieren.

Bei den Prince of Peoria Titeln haben wir verschiedenste Bereiche der Software genutzt, um die Neonschilder zu erstellen. Features wie Unbiased 3D-Rendering, Kameratracking und fortschrittliche Compositingmöglichkeiten führen zu Ergebnissen, die noch vor wenigen Jahren für ein kleines Team undenkbar gewesen wären.

Maxon: Könnt ihr die wichtigsten Toolsets in Cinema 4D nennen, mit denen euer Team den Herausforderungen dieser Produktion begegnet ist?

Ken: Die größte Herausforderung im 3D-Bereich bestand darin, die richtige Kombination aus Beleuchtung, Materialien und Platzierung der Elemente zu finden, um sicherzustellen, dass die Schilder die Szenen ergänzen, aber die Darsteller nicht in den Hintergrund drängen. Hier wurde der Workflow durch GPU-Rendering deutlich produktiver, weil wir verschiedene Varianten testen und die Ergebnisse in Echtzeit anschauen konnten.

Für den Großteil der Elemente dieser Sequenz haben wir die Hard-Surface-Modeling-tools, den Import von Pfaden aus Adobe Illustrator und das MoGraph Toolset verwendet. Das Real-Footage haben wir teils mit SynthEyes, teils mit dem in Cinema 4D eingebauten Kameratracker getrackt. Das finale Rendering haben wir mit Octane Render gemacht und das Compositing mit Adobe After Effects.

Maxon: Welche Rolle hat die Musik bei diesem Projekt gespielt?

Ken: Musik hat generell einen großen Einfluss darauf, wie wir Projekte angehen. Im Fall von Prince of Peoria hat sie die Schnittfrequenz diktiert, die wiederum das Timing für die 3D-Szenen bestimmt hat. Die Animation der Neonschilder musste zum Beispiel schnell lesbar sein und trotzdem den Eindruck eines echten Schilds vermitteln.

 

 

Credits
Kreativdirektor: Ken Carlson
Ausführender Produzent: Sean Owolo
Producer: Crystal Deones
Designer: Ana Lossada
Animator: Dennis Shen
Storyboards: Barry Chesser
Praktikanten: Christopher Yoon, Kate Park & Ha Eun Chang.

Über Big Machine 
Big Machine ist eine mit einem Emmy Award ausgezeichnete Full Service Produktionsfirma, die Multiplattform-Content für die Entertainment-Branche produziert.

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