Die typografische Reise des Alex Donne-Johnson

Dazzle-Ship-Kreativdirektor Alex Donne-Johnson porträtierte seinen Arbeitstrip um die Welt mit einem originellen Typografieprojekt.

Dazzle Ship – benannt nach den ungewöhnlich getarnten Schiffen des Ersten Weltkriegs – ist ein Design- und Motion-Graphics-Studio unter der kreativen Leitung von Alex Donne-Johnson. Obwohl das Studio nominell in London zu Hause ist, arbeitet es zunehmend mit Artists und Kunden auf der ganzen Welt zusammen. Aus diesem Grund beschloss Alex im Jahr 2017, seine Taschen und sein Cinema 4D zu packen und eine einjährige Reise anzutreten, um weit entfernte Teammitglieder zu treffen und enger mit seinen internationalen Kunden zusammenzuarbeiten.

„Die Entscheidung für diesen Trip beruhte teilweise auf dem Wunsch, diese Menschen persönlich besser kennenlernen zu wollen“, erklärt er. „Über all die Jahre der mitunter engen Zusammenarbeit hatten sich bereits virtuell Beziehungen entwickelt und ab einem bestimmten Punkt erwies es sich dann als eher hinderlich, ausschließlich von unserem Londoner Studio aus zu agieren.“

Alex startete im August und reiste nach Lissabon, Bali, Chiang Mai, New York, Austin und Medellín in Kolumbien. Nach einem kurzen Urlaub in Peru kehrte er im August 2018 nach London zurück.

Alex hat zu Beginn seiner Karriere eine ganze Reihe von 3D-Paketen ausprobiert, verwendet jedoch inzwischen ausschließlich Cinema 4D. „Es ist einfach zu bedienen, stabil und intuitiv“, so sein Fazit. „Außerdem gibt es eine großartige Community, die dazu beiträgt, Unterstützung zu bekommen und Kooperationen zu aufzubauen.“ Wie üblich begleitete ihn Cinema 4D auf seiner Reise – als wichtigstes Hilfsmittel sowohl bei der Arbeit für seine Kunden als auch zur Verwirklichung seines freien Herzensprojektes „Typographic Travel“.

„Remote-Arbeit wird immer üblicher“, kommentiert er. „Es ist mittlerweile einfach, irgendwo aufzutauchen, sich einen Coworking-Space mit einer anständigen Internetverbindung zu suchen und mit der Arbeit loszulegen. Das gleicht dem ganz normalen Lebens- und Berufsalltag, nur eben an einem anderen Ort. Es hilft einem zusätzlich dabei, sich mehr Auszeiten zu gönnen, was meiner Meinung nach wichtig ist, um motiviert und vor allem kreativ zu bleiben.“

Einen Großteil seiner Abwesenheit verbrachte Alex mit der Arbeit für Kunden, was durch einen direkten Zugriff auf die mit OTOYs Octane Render ausgerüsteten GPU-Rigs von Dazzle Ship in Großbritannien sehr erleichtert wurde. „Wir sind 2015 vollständig auf Octane umgestiegen“, erklärt er. „Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal etwas auf der CPU gerendert habe!“

Die Remote-Arbeit erwies sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen als vorteilhaft: Neben der Möglichkeit, direkt mit Artists und Kunden in Kontakt zu kommen, lernte er auch Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen und Lebenshintergründen kennen. Das wirkte sich ebenfalls positiv auf seine Arbeit aus.

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„Ich bin dadurch ein besserer Produzent und Regisseur geworden“, resümiert Alex. „Micromanagement zu vermeiden und die Vorteile eines global vernetzten Workflows zu nutzen, war eine großartige Erfahrung. Wenn man clever ist, lassen sich sogar die Zeitzonen zum Vorteil nutzen. Zum Beispiel haben wir während meiner Zeit in Südamerika mit einem unserer Kunden, der Drone Racing League, an einem TV-Projekt gearbeitet. Florian Baumann, unser Cinema 4D Animator in der Schweiz, konnte den ganzen Tag arbeiten und Visualisierungen für meinen Vormittag vorbereiten, die ich dann unmittelbar nachbearbeitet und an unseren Kunden in New York übergeben habe. Wir konnten andererseits deren Feedback direkt aufgreifen und an unseren Kollegen Ezequiel Grand in Argentinien weiterleiten, der dann zum Beispiel seine Houdini-Simulationen überarbeitete, damit sie dann am Vormittag in der Schweiz bereitstanden. Die aktualisierten Files waren am darauffolgenden Morgen schon wieder bei mir und konnten noch am selben Tag an den Kunden geschickt werden! Rosie Haine, eine unserer Produzentinnen, überwachte alle Arbeiten in ihrer Zeitzone von Großbritannien aus, während ich mich um alles in den USA kümmerte. Das hat sehr gut funktioniert!“

Während seiner Reise begann Alex mit der Entwicklung von Ideen für ein eigenes Typografieprojekt, das auf Basis seiner früheren Beiträge zu „36 Days of Type“ entstehen sollte, eines jährlichen Wettbewerbs, in dessen Rahmen Künstler dazu aufgerufen sind zu experimentieren und neue Buchstabenformen zu entwickeln. „Nachdem ich mich drei Jahre lang an dieser Challenge beteiligt hatte, entwickelte sich nach und nach ein besonderer, persönlicher Stil, der sich vielleicht für größere typografische Arbeiten adaptieren lassen würde. So entstanden aus den Buchstaben ganze Wörter, und da ich verschiedene Reiseziele besucht hatte, kam ich schließlich auf die Idee, diese mithilfe typografischer Elemente in Szene zu setzen. Ich begann mit der Ausarbeitung von Entwürfen für das Typografieprojekt, fand aber nie die Zeit, es zu realisieren. Erst als ich bereits wieder vier Monate in Großbritannien war, setzte ich mich in der Weihnachtszeit hin, um endlich daran weiterzuarbeiten – hauptsächlich um mich zu erinnern!“

Das Projekt umfasst sechs in Cinema 4D erstellte Animationen, die sich mit Städten beschäftigen, die Alex auf seiner Reise besucht hat – und zusätzlich noch Tokio, das er bereits 2013 bereiste und sehr mag. „Ich hatte die Idee, verschiedene Buchstabenformen so zusammenzustellen, dass sie gut miteinander harmonieren und jeder einzelne darüber hinaus etwas darstellt, das eine Besonderheit des jeweiligen Ortes aufgreift. In Austin sind beispielsweise Foodtrucks sehr angesagt, also wurden sie zum Schlüsselthema der Animation; die Farben dafür stammen von einem Regenbogen-Haus, das ich in Ost-Austin fotografiert hatte. Einige der Animationen waren eine echte Herausforderung und nahmen viel Zeit in Anspruch, bei anderen lief es quasi wie von selbst!“

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Ursprünglich hatte Alex nur einzelne Bilder geplant, fand dann aber, dass es sehr schade wäre, sie nicht durch eine Animation zum Leben zu erwecken. Er erklärt, dass das Hinzufügen der Animation in Cinema 4D der einfachste Teil war, da es hier so viele Elemente gibt, mit denen man spielen kann. Er benutzte etwa viele Booleʼsche Operationen und Splines, und in der New-York-City-Szene setzte er den Random-Effektor ein, um Dynamik zu erzeugen, wenn der Zug vorbeifährt. „Ich wollte alles möglichst einfach und spielerisch halten“, ergänzt Alex, „sodass der Schriftzug noch weitgehend komplett auf dem Bildschirm zu sehen bleibt. Die Animationen sollten nur subtile Wirkungen erzeugen, aber dennoch die Aufmerksamkeit auf alle Bereiche jedes Bildes lenken.“

Von den Teilen der Animation geriet die Szene, die in Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín spielt, für Alex zur größten Herausforderung: „Das war visuell echt schwer zu kommunizieren, weil dieser Ort so viel Schönes hat; eine atemberaubende Aussicht und die Tatsache, dass man ständig von Natur umgeben ist. Darüber hinaus haben die Einwohner einen ausgeprägten Sinn dafür, sich selbst kreativ auszudrücken – und ich war während der Fußball-Weltmeisterschaft da, habe ihre Passion für diesen Sport hautnah erlebt. Es war nicht einfach, all diese Themen zusammenzubringen, aber ich habe mein Bestes gegeben!“

Obwohl er nach wie vor viel mit der Arbeit für seine Kunden beschäftigt ist, hält Alex es für wichtig, zusätzlich an persönlichen Projekten zu arbeiten, nicht zuletzt weil kommerzielle Jobs mitunter kreativ sehr erschöpfend sein können. „Freie Projekte helfen dabei, die verbrauchte Energie wieder aufzufüllen“, sagt er. „Man fordert sich selbst heraus und legt los, ohne ein festes Ziel vor Augen zu haben. Mit solchen Projekten kann man sich selbst außerdem auf die Probe stellen, verschiedene Workflows, Stile, neue Programme usw. ausprobieren. Also Dinge tun, die möglicherweise nicht funktionieren und bei einem Kundenprojekt zum Desaster führen würden. Dieser Prozess des Experimentierens vermittelt neben der persönlichen Freude viele neue Erkenntnisse, entweder indem man scheitert oder weil man etwas völlig Neues zum Leben erweckt.“

„Ich habe einen neuen Arbeitsansatz gefunden, den ich gerne aus der Perspektive der Artdirektion weiter ausarbeiten möchte. Es scheint so zu sein, dass sich Kreativität multipliziert, je mehr man experimentiert, und wenn man sich auf diese Prozesse einlässt, fällt es leichter, neue Ideen und Stile zu entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Auseinandersetzung mit typografischen Formen auch auf die Kommunikation unserer Kunden übertragen lässt, nicht zuletzt um ansprechendere Inhalte und Kampagnen zu gestalten.“

„Typographic Travel“ wurde unter der Flagge von Dazzle Ship veröffentlicht und sehr gut aufgenommen, unter anderem erfolgte eine Einladung, die Stücke in einer Ausstellung zu zeigen. „Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, mir mehr Auszeiten zu gönnen, um an Ideen für freie Projekte zu arbeiten und zu sehen, wohin sie führen“, sagt Alex. „Das ultimative Ziel ist die Entwicklung eines eigenständigeren Stils für unser Studio und damit einer Möglichkeit, auch unseren Kunden eine noch bessere Output-Qualität zu bieten.“

Steve Jarratt ist langjähriger Computergrafik-Enthusiast und Technologiejournalist, er lebt in England.

Alle gezeigten Bilder sind Eigentum von Dazzle Ship.

Dazzle Ship Website:
dazzleship.com