Raum schaffen für etwas Luxus

Im legendären Kaufhaus Harrods sollte der neue Greggio Store luxuriös eingerichtet werden. Eine Aufgabe, die mit Cinema 4D vor dem eigentlichen Beginn des Umbaus visuell in Szene gesetzt wurde.

Von Duncan Evans
Greggio ist ein italienischer Hersteller von hochwertigen Silberwaren und Schmuck. Als sich der Firma die Gelegenheit bot, ein Ladensegment im traditionsreichen Londoner Kaufhaus Harrods zu eröffnen, war die Entscheidung schnell gefallen und Nick Scardigno von Scardigno Design erhielt den Auftrag, den zur Verfügung stehenden Raum nach dem Umbau in Visualisierungen darzustellen. So sollte u. A. auch ermittelt werden, was sich mit den Möglichkeiten der Location realisieren lassen würde. Zu der Aufgabe gefragt erklärt Nick: „Das Briefing war einfach und kurz. Man wolle eine Ausstattung, die die Wirkung der Waren zur Geltung bringt, ohne optisch damit in Wettbewerb zu treten. Zudem sollte eine Ausstrahlung von Luxus und Kompetenz geschaffen werden.

Leichter gesagt als getan, denn der zur Verfügung stehende Platz war spärlich und die Aufgabe, eine Balance zwischen dem Platz für die Präsentation der Produkte und dem für das Publikum zu finden, war eine echte Herausforderung. Es musste eine Aufteilung gefunden werden, mit der es möglich war, so viele Waren wie möglich auszustellen ohne die Bewegungsfreiheit des Kunden einzuschränken. Basierend auf den Grundrissdaten, die Scardigno vorab von Harrods erhalten hatte, begann er mit einer Planung für den Shop.

Der erste Schritt bestand darin, in wenigen Skizzen ein Konzept für die Raumaufteilung zu entwerfen und erste Ideen für das Design zu formulieren. Diese Visualisierungen renderte Scardigno mit Cinema 4Ds Sketch & Toon. Nach Freigabe der Entwürfe durch den Auftraggeber begann Scardigno mit der Arbeit an den fotorealistischen Bildern, in denen das Mobiliar komplett mit eingeräumtem Warensortiment dargestellt wurde. Die Darstellung der Waren erfolgte über planare Projektionen von Bildern aus den Greggio-Katalogen auf einfache Rechtecke. Zu nahe an der Kamera platziert hat diese Methode den Nachteil, die Objekte flach erscheinen zu lassen, mit ausreichender Distanz funktioniert sie jedoch ausgezeichnet und Nick erzielte genau den Effekt, den er sich erhofft hatte.

Die ausgestellten Bilderrahmen modellierte er selbst und brachte dabei sogar seinen persönlichen Touch mit ein, indem er in einem der Rahmen ein Bild seiner Tochter platzierte. „Ich versuche immer, ein Bild von ihr in meinen Renderings unterzubringen", stellt Nick lachend fest.

Die Regale mit den vielen Produkten zu befüllen wäre ohne Cinema 4Ds Cloner-Objekt eine ziemlich zeitraubende, um nicht zu sagen ermüdende Angelegenheit geworden. Seine Vorgehensweise dabei erklärt Nick so: „Ich habe eine Auswahl der Produktmodelle in den Cloner geladen. Mit den Zufalls-Settings habe ich dann dafür gesorgt, dass die Teile gut und passend verteilt wurden. Ein Random-Effektor sorgte dann dafür, dass die Position und die Drehung der einzelnen Teile noch weiter variiert wurde. So erzielte ich ein insgesamt sehr natürlich anmutendes Verteilungsmuster.

Ein Bestandteil der Szene war eine Decke, die über einen Tisch drapiert war. Um dieses Stück Stoff und vor allem die Bereiche an denen die Decke überhängt möglichst realistisch erscheinen zu lassen, verwendete Scardigno beim Platzieren Cinema 4Ds Stoff-Simulation. „Ich musste ein wenig herumexperimentieren“, sagt Scardigno, „aber das Resultat war den Aufwand wert!

Vergleicht man Nicks Arbeiten mit Fotos der fertig gestalteten Verkaufsfläche, fällt sofort die Authentizität auf, die sich insbesondere in der Umgebung und den Hintergründen zeigt. Dazu merkt Nick an, dass speziell bei den Materialien für diese Elemente viel Arbeit aufgewendet wurde. Aus der Fotografie eines Stückes Marmor, das in Photoshop aufgearbeitet und mit einem Fresnel-Shader kombiniert wurde, ergab sich z. B. das schwarze Lackmaterial. „Feinste Unebenheiten und ein ganz sanftes Bevel zu den Rändern hin gibt dem Material gerade den Grad an Abnutzung, der es dann so realistisch aussehen lässt“, stellt Nick fest.

Die spätere Ausleuchtung der Ladenfläche mit Scheinwerfern musste Nick in seinen Renderings ebenfalls darstellen, ohne dafür allzugroßen Aufwand zu treiben. Letztendlich wurden für die Beleuchtung IES-Lichter für die Glanzlichter sowie ein HDRI-Bild verwendet. „Das HDRI-Bild stammte aus der umfangreichen Materialbibliothek von Cinema 4D und das Resultat entsprach absolut der Qualität, die ich erreichen wollte“, sagt Nick. Obwohl er bei seiner Arbeit darauf geachtet hatte, die Szene schlank zu halten und keine unnötigen Extras zu verwenden, zeigte sich, dass sein Mac Book Pro mit 103k Polygonen bei einer Renderauflösung von 1680x1260 überfordert war. Glücklicherweise konnte Nick diesen Engpass umgehen, indem er die Dienste einer Renderfarm in Anspruch nahm.

Das Endresultat war ein voller Erfolg. Als Nick seine Visualisierungen vorlegte, dachte der Kunde allen Ernstes, er würde Fotografien sehen, die bei einem vorhergehenden Projekt aufgenommen worden waren. „Wenn es um einfache Benutzung und exzellente Endresultate geht, ist nichts mit Cinema 4D vergleichbar“, schließt Nick. Wie gut das Resultat letztendlich geworden ist, kann jeder selbst vergleichen, denn inzwischen hat die Greggio-Ladenfläche im Harrods eröffnet.

Duncan Evans ist freischaffender Journalist, Fotograf und Autor.

Scardigno Design website:
www.scardigno.co.uk

Greggio website:
www.greggio.it

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