Virtueller Ausbruch aus dem Alltag

Viele gestresste Stadtmenschen sehnen sich nach einer Auszeit in der unberührten Natur.
Diese Sehnsucht war Inspiration für das 360°-VR-Video „Longing for Wilderness“.

Der Digital Artist Marc Zimmermann erschafft in seinen Arbeiten visuelle Landschaften, die seine Gedanken und Empfindungen ausdrücken. Virtual Reality war dabei der nächste logische Schritt, um den Zuschauer noch tiefer in seine Werke eintauchen zu lassen. Sein erstes Experiment mit der faszinierenden Technologie entstand im Rahmen der VR-Initiative „VR Now“ des Animationsinstitutes der Filmakademie Baden-Württemberg: In „Longing for Wilderness“ thematisiert er die Sehnsucht moderner Stadtmenschen danach, in der Ruhe der Natur dem Alltags-Stress zu entfliehen.

Das 360°-VR-Video schickt den Betrachter auf eine Reise, die im abendlichen Stadtdschungel beginnt und schließlich in der unberührten Natur endet. Während der gesamten Kamerafahrt können auch Nutzer ohne VR-Brille die Perspektive der YouTube-Fassung einfach mit der Maus frei um 360 Grad drehen. Für den vollen Genuss empfiehlt sich jedoch eine VR-Brille. 

Die Arbeit an einem 360°-VR-Projekt bedeutete neue Gestaltungsmöglichkeiten, wie Marc beschreibt: „Man hat als Artist nur noch beschränkt die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit des Betrachters mit Kamerabewegungen zu dirigieren. Dafür eröffnen sich neue Möglichkeiten den Betrachter tiefer in das Erlebnis eintauchen zu lassen indem man den Blick mithilfe von Ereignissen und Klängen in die gewünschte Richtung lenkt.“

Die gesamte Landschaft und die zugehörige Vegetation für das Projekt erstellte Marc in Cinema 4D. Dabei legte er zunächst den Boden als Ebene an, modellierte diesen grob und trug mit den Sculpting-Tools Details wie Risse und Steine auf. Mit den MoGraph-Werkzeugen füllte Marc die Landschaft dann mit Leben: Um die Vegetation wie Bäume, Büsche und Gräser zeitsparend und realistisch in der Szene zu verteilen, nutzte Marc den MoGraph-Cloner. Größen- und Neigungsvariationen der einzelnen Pflanzen wurden mit Random-Effektoren erzeugt, natürlich wirkende Lücken erzielte er mit Shader-Effektoren und Noises.

Eine besondere technische Herausforderung des Projektes war es, die komplexe Umgebung mit ihrer dichten Vegetation performant und renderbar in einer einzelnen Szene unterzubringen. Hier waren die Renderinstanzen von Cinema 4D eine große Hilfe, mit denen die unzähligen MoGraph-Klone speichereffizient genutzt werden konnten. Durch den Einsatz von Plain-Effektoren steuerte Marc zudem die Sichtbarkeit der Renderinstanzen abhängig vom Abstand zur Kamera und konnte so die Performance der Szene noch weiter optimieren.

Um die Umwelt durch feine Details atmosphärisch zu gestalten, zum Beispiel durch sie Simulation im Wind wehender Blätter, verwendete Marc Dynamics. Mit TurbulenceFD erzeugte er den Staub an der Baustelle sowie den Nebel zwischen den Bäumen.

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Um die gesamte Szene als 360°-VR-Video zu rendern, erstellte Marc ein eigenes Setup mit sechs Kameras. Dank des in Cinema 4D Release 17 neu eingeführten Take-Systems konnte er alle Kameras in nur einem Arbeitsschritt auf der Renderfarm des Animationsinstituts der Filmakademie rendern. Marc setzte dabei auf den Physical Renderer in Cinema 4D, da dieser echten Motion Blur berechnen kann, der das Geschwindigkeitsgefühl bei der Kamerafahrt verstärkt. Post-Motion-Blur kam für das Projekt nicht in Frage, da während der schnellen Kamerafahrt bei der filigranen Vegetation weniger realistische Ergebnisse entstanden wären. Marc betont die Bedeutung des Effekts für sein Projekt: „Motion Blur hat die Renderzeiten stark in die Höhe getrieben, aber ohne wäre das Ergebnis deutlich weniger überzeugend gewesen.“

Die gerenderten Cubemaps konvertierte Marc in After Effects mit Mettle SkyboxStudio zu sphärischen Bildern, um sie für die Wiedergabe vorzubereiten.

Für Marcs erstes 360°-VR-Experiment war Cinema 4D das Mittel der Wahl: „Cinema 4D ist für mich übersichtlich, benutzerfreundlich und vor allem durch das MoGraph-Modul sehr vielseitig. Ich bevorzuge es, so viel wie möglich in einer Software zu realisieren und dank der Plugins X-Particles und TurbulenceFD ist dies mittlerweile auch sehr gut möglich. Ein überzeugendes Sculpting-Tool mit im Paket zu haben ist ebenfalls sehr wertvoll.“  

Sie können die YouTube-Fassung von „Longing for Wilderness“ direkt auf YouTube als 360°-Video ansehen. Das 360°-VR-Video, ein Making-of sowie der Soundtrack zu Longing for Wilderness können von Marcs Gumroad-Seite heruntergeladen werden. Dort kann man ihn mit einer kleinen Spende unterstützen – und damit hoffentlich ermuntern, uns möglichst bald mit einer weiteren VR-Welt zu überraschen. 

Website von Marc Zimmermann
http://epicscapes.de/