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Ugly: Ein Adjektiv wird Programm

Ein Kurzfilm um dynamische Simulationen mit Figuren, deren Hässlichkeit dem Projekt den Titel gab. 

Da gibt es eine hässliche Katze, die ob ihres Aussehens von jedem schlecht behandelt wird. Die Besonderheit ist: Alle, die sich an der Katze austoben, sind selbst ausnehmend hässlich! Darin liegt die Ironie und der Sinn dieses Kurzfilms, der zur Gänze mit Cinema 4D gemacht wird: Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ebenso ihr Gegenteil. Basierend auf diesem Grundgedanken realisieren Nikita Diakur und ein Team aus neun Vollzeit-3D-Artists in ihrer Freizeit das Projekt Ugly, für das mit einem Crowdfunding der nötige finanzielle Unterbau geschaffen wurde.



Auch die Art der digitalen Inszenierung unterscheidet sich von üblichen Vorgehensweisen. Statt sich bekannter Techniken zur Charakteranimation zu bedienen, soll alles per Dynamik in Bewegung gesetzt werden. Für die Charaktere wurde dafür ein spezielles Setup entwickelt, das wie eine Art Marionettenarmatur wirkt: Arme und Beine der Figuren sind im wahrsten Sinne des Wortes mit virtuellen Fäden und Federn verbunden, über die sie der Animator steuern kann. Das Resultat erinnert an das virtuelle Pendant einer Marionette und auch die so generierten Bewegungen haben einen „Augsburger-Puppenkisten-Faktor“. Die Modelle der Figuren sind dem Spiel mit Dynamics angepasst und haben nur wenige Polygone, um ein schnelles Feedback in den Simulationen zu gewährleisten. In Anmutung und Aufbau entsprechen sie ganz dem Geist von Ugly. 

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Als Schauplatz für die Abenteuer der klobigen Figuren hat sich Nikita Diakur eine Trabantenstadt im Stile der Berliner Gropiusstadt ausgedacht. Ihr Ursprung liegt in Nikitas Erinnerungen an seine Jugend, da er in Moskau und später in Mainz in eben solchen Siedlungen aufgewachsen ist. Die ungeschlachten Akteure wirken in den mit Projection Mapping erstellten Locations erstaunlich homogen. Die wunderschönen Lichtstimmungen, Atmosphäreneffekte und Sonnenuntergänge entstanden durch konventionelle Lichter mit eingeschalteter „Sichtbares Licht“-Option. Dadurch gewinnen sie fotorealistische Anmutung und in den Testszenen verliert sich die Impression, ein Foto anzusehen, oft erst, wenn die Kamera den Projektionsrahmen verlässt und der blanke Hintergrund in Sicht kommt.



Mitten in dieser Welt aus Plattenbauten und Parkplätzen voll angerosteter Container, Kleinwagen und Mofas haben Nikita und sein Team den Charakter Redbear Easterman angesiedelt. Ein hünenhafter Indianer komplett mit Federschmuck, der voller Ironie und indianischer Weisheiten steckt. Neben der hässlichen Katze ist er die zweite tragende Figur der Geschichte und symbolisiert die Ordnung inmitten des Chaos.



Obwohl Ugly eigentlich ein Filmprojekt ist, das auf Festivals vorgestellt werden und in Wettbewerben antreten soll, ist es schon jetzt viel mehr. Auf Facebook hat Ugly ein eigenes Profil, in dem das Team stetig Testvideos postet und in dem auch Redbear Easterman immer wieder in Erscheinung tritt. Das Profil ist eine exzellenter Ort um sich in der ausufernden Welt von Ugly umzusehen: Hier liegt das Produktionstagebuch weit offen vor dem Publikum und man kann einen Eindruck von der Experimentierfreude des Teams gewinnen. Die Verwendung der Dynamics wird in dutzenden von Clips illustriert und man sieht, wie ausführlich sie genutzt werden: Tiere und Menschen hängen an Fäden und an virtuellen Sprungfedern, Charaktere auf Rutschen stapeln sich an deren Ende. Figuren versuchen sich auf Tretmühlen, rennen und scheitern spektakulär, sie fahren Rad oder schwingen sich auf Mofas und sausen über Parkplätze voller hüpfender Autos.

In Ugly ist der Name Programm und gleichzeitig eine Huldigung an die faszinierenden Fehler, die sich in dynamischen Simulationen in Cinema 4D auf dem Weg zur perfekten fertigen Animation oft ergeben. Das Flair des Unfertigen, Fehlerhaften und Hässlichen greift Raum und erzeugt mithilfe von Cinema 4D einen einzigartigen Look, der uns die Schönheit des Unvollkommenen vorführt.

Gearbeitet wird an Ugly schon seit vier Jahren, anfangs nur von Nikita ganz allein. Nach dem Crowdfunding konnte er neun weitere Artists für das Projekt gewinnen, die, je nachdem wie es ihre Hauptjobs erlauben, daran arbeiten Ugly fertigzustellen.

Webseite für das Ugly-Project:


http://ugly-film.com



Ugly auf Facebook:


https://www.facebook.com/Uglyshortfilm