Daniel Lovas berichtet über seine Postkartenserie aus fernen Welten.
Hier geht es nicht um die typischen Urlaubspostkarten mit Meerblick, wenn ein Space-Shuttle von einem Planeten mit zwei Sonnen abhebt. Die Bilder von Daniel Lovas lassen dem Betrachter viel Raum für Phantasie. MAXON hat sich mit Daniel getroffen, um ihm einige Fragen zu seiner Arbeit zu stellen.
Erzähl uns ein wenig von deinem Background und davon, wie du zur Computergrafik gekommen bist.
Schon in meiner Kindheit habe ich sehr gerne gemalt und war früh dem Reiz der Science Fiction erlegen. Als Teenager kam dann noch ein ausgeprägtes Interesse an der Fotografie hinzu. Seitdem war ich immer zwischen der kreativen und der eher technischen Seite hin- und her gerissen. Der Schritt zum Computer war also lediglich eine logische Konsequenz.
Ich erinnere mich, als ich eines Tages in einem Computermagazin einen Bericht über den Commodore AMIGA sah. In dem Artikel war u.a. das Bild einer einfachen Teetasse zu sehen und ich wunderte mich, was dieses Foto mit einem Computer zu tun hatte. Als ich den Artikel dann durchlas, erfuhr ich, dass es sich bei dem Bild nicht um eine Fotografie handelte, sondern um eine mit dem AMIGA erstelle Computergrafik. Das war der Tag an dem mir dämmerte, was alles mit Computern möglich war. Von da an lies mich der Computer nie mehr los.
Wie bis du in den Bereich der Architektur gekommen?
Architektur erschien mir eine logische Entscheidung, da es meine Vorlieben für Kreativität und Technik miteinander verbindet. Aber ich bin sicher nicht der klassische Typ von Architekt. Ich mag konzeptuelle Architektur und Technologie. Ich halte mich wenig an Traditionen oder Geschichte und bin somit auch wenig konservativ in meinen Entwürfen.
Erzähl uns doch etwas über deine "Postcards From Beyond". Was gab dir die Idee zu diesem Projekt?
Zur der Zeit war ich maßgeblich von den Arbeiten Gary Tonges (www.visionafar.com) beeinflusst. Ein großartiger Künstler mit einem Gespür für Atmosphäre und Dramatik. Ich wollte etwas in diesem Stil machen, aber eine andere Technologie - 3D Grafik - nutzen, um so zu anderen Ergebnissen zu kommen.
Wie bist du auf die Idee für deine letzte Bilderserie "The Rising Tide" gekommen?
Du wirst lachen, aber das ganze begann als ein Hardware-Test. Es war meine erste Arbeit auf einem 64-Bit-System und ich wollte die 64-Bit-Version von CINEMA 4D, das Betriebssystem und den üppig vorhandenen Speicher bis an die Grenzen austesten. Anstatt also wie sonst üblich viel im Compositing zu machen, habe ich über 200 Instanzen einer komplexen Antenne und verschiedener Gebäude erzeugt. Nach einigen Testrenderings war ich positiv angetan - alles funktionierte prächtig. Und in diesem Moment hatte ich dann die verschiedenen Motive vor Augen.
Welches der Motive von "Postcards From Beyond" ist dein Favorit?
Auf jeden Fall "The Alien Derelict on Sha'raen". Es war auch das erste der Serie. Es basiert auf einer alten Illustration, die ich während meiner Studienzeit mit klassischen Maltechniken erstellt hatte. Seitdem hatte ich immer den Gedanken, daraus einmal eine fotorealistischere Version zu machen.
Wurden deine Postkarten auch schon gedruckt?
Es ist ein rein privates Projekt. Aber das Motiv "Camp Ellenia" war auf dem Titel des führenden slowenischen CG-Magazins "Klik". In einem britischen CG-Magazin wird demnächst "The Rising Tide" zu sehen sein. Kürzlich hat mich ein bekannter Autor von 3ds max Büchern gefragt, on er "Thegg Mining Outpost" für sein neuestes Buch nutzen darf. Leider musste ich ablehnen und habe ihm erklärt, dass das Bild mit CINEMA 4D erstellt wurde. Ich gebe zu, für einen Moment war ich in Versuchung geführt :-).
Was macht dir beim Entwerfen deiner Postkarten am meisten Spaß, was am wenigsten?
Es mag seltsam klingen, aber die Antwort auf beide Fragen ist die gleiche: Rendering-Tests. Beim Rendern auf den Computer warten zu müssen, nervt natürlich. Auf der anderen Seite ist es der Moment, wo ich meine Arbeit zum ersten Mal im vollen Glanz sehe … oder in totaler Schande – je nachdem. Das fühlt sich fast ein bisschen an wie in den guten alten Zeiten der nicht-digitalen Fotografie, als man noch im Chemielabor stand, um Bilder zu entwickeln.
Gab es auch lustige Momente?
Ich arbeitete an "Thegg Mining Outpost" und hatte seit Tagen nur wenig geschlafen, als durch einen Sturm der Strom ausfiel. "Prima", dachte ich mir, "wenn du schon nicht arbeiten kannst, dann kannst du ja endlich mal wieder TV gucken, ein Buch lesen oder etwas vernünftiges kochen." Tja, erst nach einigen Augenblicken fiel mir auf, dass dies ohne Strom auch nicht möglich war :-). Am Ende bin ich dann vor dem ausgeschalteten Fernseher eingeschlafen, noch bevor ich die Fernbedienung überhaupt hätte erreichen können.
Wie viele Postkarten gibt es bisher? Planst du noch weitere zu entwerfen?
Bislang gibt es fünf Stück. Ebenso viele sind aktuell in der Mache und Ideen für zwei weitere gibt es auch schon. Aufgrund einiger Aufträge musste zwischenzeitlich die Arbeit an den Karten pausieren. Aber im Moment bin ich soweit, dass ich weitermachen kann.
Nutzt du auch BodyPaint 3D, wenn es ums Texturieren geht?
BodyPaint 3D benutzte ich sehr häufig. Es ist ein fantastisches Tool zum Texturieren, das beste derzeit erhältliche, wenn ihr mich fragt. Es hat so viele Vorteile, ist ein super Toolset im Vergleich zu 2D-Lösungen und ist perfekt in CINEMA 4D integriert.
Mit welcher Software erstellst du den Himmel in deinen Bildern?
Die meisten sind schlicht und einfach in CINEMA 4D erstellt. Wolken und Rauch sind entweder mit Pyrocluster oder der Funktion für volumetrische Wolken aus Sky gemacht. Nebel mache ich in der Regel mit volumetrischem Licht oder ebenfalls mit dem Sky-Tool. Hier und da habe ich auch schon 2D-Wolken mit Hilfe einiger Alpha-Planes und Noise-Shadern gemacht - bei "Thegg Mining Outpost" war dies z.B. anfangs der Fall. Diese habe ich nachher allerdings wieder heraus genommen, weil der Hintergrund damit zu unruhig wurde. Bei "Villa Madeira" habe ich testweise einmal das Vue xStream-PlugIn benutzt.
Welche weitere Software hast du noch benutzt?
Ich benutze hauptsächlich CINEMA 4D. Aktuell experimentiere ich ein wenig mit dem Vue xStream-PlugIn herum. Eine schöne Ergänzung bei meiner Arbeit. Daneben benutze ich Photoshop und bei einigen aktuellen Arbeiten noch ZBrush.
Welches sind denn deine liebsten Neuerungen seit der R11?
Auf jeden Fall die neue GI des Advanced Render. Traumhaft!
Welche weiteren Module waren nützlich für deine Arbeit?
Auch wenn ich kaum Animationen mache, finde ich MoGraph für viele Dinge hervorragend. Alles rund um das Thema Cloning macht damit einfach nur Spaß. Ach ja, habe ich schon Thinking Particles erwähnt?
Greifst du auf die Multi-Pass-Rendering-Funktionalität zurück?
Ja, hauptsächlich wenn es um die Korrektur der Beleuchtung geht. "The Rising Tide" ist hier ein gutes Beispiel. Ich habe immer das Problem, das vermutlich so alt ist wie das SciFi-Genre selbst: Eine realistische Beleuchtung zaubern für etwas völlig unrealistisches. Dabei kann das Multi-Pass-Verfahren wirklich sehr hilfreich sein.
Was ist für dich das Beste an CINEMA 4D?
Es ist vor allem sehr viel einfacher zu bedienen als die gesamte Konkurrenz. Die Objektmanager-Philosophie mit ihren Tags gefällt mir sehr. Das ganze Paket ist sehr flexibel, sogar ein totaler 3D-Einsteiger kann schnell zu ansehnlichen Ergebnissen gelangen, während der Profi tief unter die Oberfläche gehen kann.
Was magst du an privaten Projekten besonders, vor allem im Vergleich mit kommerziellen Aufträgen?
Kommerzielles Arbeiten beinhaltet immer auch Änderungswünsche von Seiten des Kunden, egal ob dir diese Änderungen gefallen oder nicht. Meist sind auch Zeit oder Budget sehr begrenzt, oder beides zusammen, so dass du nicht immer zu dem Ergebnis kommen kannst, das du dir wünschen würdest. Bei meinen privaten Projekten spielt das eben keine Rolle. Ich nehme mir alle Zeit der Welt. Das macht einfach Spaß.
Arbeitest du auf Basis von Skizzen und Entwürfen, wenn du dich an die Arbeit in 3D machst?
Ja. Aber es kommt durchaus vor, dass das finale Rendering nichts mehr mit der Skizze gemein hat.
Was ist das Wichtigste bei einer SciFi-Illustration?
Wie in den meisten anderen Genres auch, ist es die Gesamtkomposition. Diese sollte man, meiner Meinung nach, von Anfang an im Auge behalten, denn sonst verliert man sich mitunter in tausend anderen Dingen und hat nachher kaum noch eine Chance das ganze wieder "in Einklang" zu bringen.
Welchen Rat würdest du jemandem geben, der in die SciFi-Illustration einsteigen möchte?
Eines der Dinge die das SciFi-Genre definieren ist die Wissenschaft. Man sollte also nicht versuchen, physikalische Gesetze zu brechen, wenn man nicht eine verdammt gute Erklärung dafür hat. Außerdem ist es meiner Meinung nach sehr wichtig Details Beachtung zu schenken, sollten sie auch noch so klein sein. Das ist ein Fehler den ich öfter bei Anfängern beobachte. Details außer Acht zu lassen und zu denken, das diese nicht so wichtig seien.
Was macht CINEMA 4D zu einem guten Tool für SciFi-Illustrationen?
In meinem Fall ist es die einfache Bedienung und die Flexibilität bei gleichsam professioneller Leistung und Geschwindigkeit.
Woran arbeitest du zurzeit?
Ich nehme zurzeit an einem sehr interessanten Projekt für die "European Space Agency" teil. Viel mehr darf ich allerdings noch nicht sagen. Sobald dieses Projekt beendet ist, werde ich mich wieder meinen Postkarten widmen.
Mehr Informationen
Daniel Lovas
Online gallery: http://lovas.cgsociety.org
Email: daniel.lovas
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