Human Rights Charity hat einen beeindruckenden Kurzfilm veröffentlicht, dessen Visual Effects in CINEMA 4D entstanden.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen ganz verträumt in einem Café in London und plötzlich werden Sie aus selbigem gerissen, weil Sie etwas sehen, dass Sie nicht gesehen haben können. War das wirklich gerade ein Papierhaufen in Form eines Menschen, der da an Ihnen vorbeigelaufen ist?
Was in der Realität nicht existieren kann wirkt aber zumindest unglaublich real, wenn man sich Will MacNeils Spot für „Human Rights Charity Liberty“ zur Unterstützung der Kampagne gegen die Einführung der ID Karten in Großbritannien anschaut. Will MacNeil – der schon von vielen Film- und Fernsehfirmen wie BBC, ITV, Channel 4, Five, Sky und Virgin für diverse Produktionen engagiert wurde, erzählt uns in einem Interview wie der beeindruckende Effekt des „Papermans“ in CINEMA 4D realisiert wurde.
Für was wurde CINEMA 4D benutzt?
Jedes einzelne Blatt des Werbespots wurde in CINEMA 4D modelliert, animiert und gerendert. Ich habe auch einzelne Passes für Schatten rausgerendert und für manche Einstellungen habe ich sogar Matteobjekte in CINEMA 4D erstellt.
Was war dein Part in diesem Projekt?
Ich hatte die Idee, machte die Planung und Realaufnahmen, bearbeitete die Hintergründe und das Tracking, erstellte die Animationen und Szenenausleuchtung, renderte die Papierszenen und bearbeitete den ersten Compositing Pass. Nachdem die Vorarbeit alle Shots zusammen zu fügen erledigt war, gab ich das Material an meinen Freund Richard Scarlett weiter, der das ganze Compositing auf ein noch höheres Qualitätslevel brachte. Der Sound und die finale Note wurden dem Projekt durch „Unit Post-Production“ in London verpasst, die Ihren Beitrag zum Projekt mit dem Toningenieur Roz Wilson und dem Koloristen James Willet leisteten. Die Musik wurde von Chris Joss beigesteuert.
Wieviel Zeit hat das Projekt in Anspruch genommen?
Ich habe ca. drei Wochen hin und wieder am ersten Schnitt gesessen. Da es ein Ehrenamtlicher Job war, musste ich die anfallenden Arbeiten auf meine Freizeit verteilen, was für mich persönlich aber eine nette Abwechslung zu meinem Hauptjob war. Die Szenen wurden dann nach und nach, über ein paar Wochen verteilt, von mir immer wieder optimiert. Das Finish wie die Sprecherstimme, der Soundmix und das Grading wurden dann über die nächsten Monate verteilt.
Welche Software wurde hierfür verwendet?
Neben CINEMA 4D als unverzichtbares Hauptwerkzeug kamen auch Pixelfarms „Track“ fürs Tracking und Matchmoving, Final Cut Pro fürs Editing und Shake fürs Compositing zum Einsatz.Bei „Unit Post“ wurde Protools und Apple Color für das Abmischen und Grading benutzt.
Gab es irgendwelche Aufgaben, die du einfacher lösen konntest, als du es dir evtl. vorgestellt hast?
Eine Sache die viel leichter war als es aussieht war das Ausmaskieren von Vordergrundobjekten.Immer wenn der Papiercharakter hinter etwas lief mussten Matteobjekte erstellt werden, die diejenigen Teile der 3D Geometrie verdeckten, welche gerade nicht zu sehen waren. Die Stühle des Bootes sind hierfür ein gutes Beispiel. Normalerweise hat man hierfür Mattepainter, die dies in einer Compositing Software von Hand retuschieren. Wir haben diese Methode für ein paar der Szenen verwendet. Dadurch dass die meisten Szenen aber Software-getracked sind, hatte ich einen sehr guten Überblick wo sich die realen Elemente in meiner 3D Szene befanden. Somit habe ich ganz einfach die Sitze des Bootes in CINENA 4D grob nachmodelliert und als schwarz-weiß Bild rausgerendert. In Shake konnte ich dann diese Bildinformationen nutzen um Teile des Papiercharakters zu verdecken. Dies erspart einem wirklich immensen Zeitaufwand gegenüber der traditionellen Variante.
Wie hast du Bewegung des Papiers realisiert als es aus dem Fenster fliegt und vom Wind weggeweht wird?
Ich habe mit verschiedenen Methoden herrumgespielt um die einzelnen Papiere zu animieren. Am Ende habe ich mich aber für einen Mix aus Partikeln und Clothilde entschieden. Hierfür erstellte ich Kleidungssimulationen für einige der Papierblätter um die Simulation anschließend zu cachen. Dies waren nur aufgehängte Papierbögen mit leichten von der Simulation berechneten Klappbewegungen. Jetzt konnte ich die gecachten Simulationen in einen standard Emitter werfen und diverse Umgebungskräfte wie Wind und Gravitation drauf wirken lassen. Gemixt mit dieser Methode gibt es auch ein paar Hauptpapierbögen die wiederum aus reiner Clothsimulation bestehen. Ich habe dann die wichtigsten Papieranimationen herausgerendert und weitere Vorder- und Hintergrundanimationen als separate Layer gerendert und nachträglich zusammengefügt. Dies ermöglichte mir zusätzlich eine sehr komfortable Tiefenunschärfe im Compositing.
Wie hast du die Blätter dazu gebracht sich zum Menschen zu formieren?
Hierfür habe ich FBX Dateien aus einer Motioncapture Bibliothek in Form eines menschlichen Skelettes mit verschiedenen Animationen Importiert. Die Blätter habe ich dann über die Funktion „Überobjekt“ der Constraints an dem animerten Skelett befestiegt. Diese funktionieren wirklich wunderbar, da ich die Blätter herumbewegen und sogar ihre Position animieren konnte ohne die Hauptanimation des Papiers durch das Skelett zu verlieren. Ich habe so die Position des Papiers sehr gut nachkorrigieren können, wenn sich die einzelnen Blätter überschnitten haben. Einfach ein bisschen nach hinten bewegen, keyframen und die Animation erneut ansehen. Dies war auch eine super Methode in der sogenannten „Geburtsszene“ wo die Papiere sich zu einem Menschen formen und quasi lebendig werden. Alle Blätter wurden für die menschliche Form korrekt positioniert und über die Constraint Tags an die zuständigen Knochen des Skeletts geheftet. Sie hatten aber auch PGW (Position, Größe, Winkel) Constraints die an Null Objekte gebunden waren die wiederum auf dem Boden hinter dem „Paperman“ lagen. Durch das Animieren der Wichtung der PGW Constraints wanderten die Blätter einfach vom Boden zur ihrer nötigen Position der Menschenform. Den zeitlich versetzte Aufbau des Papiermenschen löste ich ganz einfach durch ein Offset der Animation für jedes einzelne Blatt. Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich die Idee hatte es so zu lösen, doch als ich mich dafür entschieden hatte war auch schon schnell klar, daß dies ein wirklich guter Lösungsweg war.
Wie hast du CINEMA 4D und die Realaufnahmen in Einklang gebracht?
Richard hat sehr viel Zeit damit verbracht die Farben des gerenderten Papiers anzupassen. Wir haben uns Referenzen aus dem Hintergrund des gefilmten Materials herausgepickt um das Licht und die Schattenebenen anzupassen. Teilweise fehlten meinen Renderings wichtige Lichtquellen wie zum Beispiel ein orangenes Licht daß durch einen Türeingang fiel. Ich konnte durch das wirklich schnelle Rendering zwar einfach in CINEMA 4D das fehlende Licht hinzufügen und neu rendern, aber meistens bekam Richard es so korrigiert.
Konnte man sich auf CINEMA 4D verlassen?
CINEMA 4D ist die stabilste 3D Applikation die ich jemals benutzt habe.
Mehr Informationen:
Die Animation:
http://www.liberty-human-rights.org.uk/issues/3-privacy/index.shtml
Projekttitel: "Where do they go?"
Kunde: Liberty
Auftrag: Den Verlust des Schutzes der persönlichen Daten herauszustellen und den Wiederstand gegen den ID Card Antrag klar zu machen.
Autor: Will MacNeil
Art Director: Will MacNeil
Director: Will MacNeil
Animator: Will MacNeil
Editor: Will MacNeil
Compositor: Richard Scarlett
Musik: Chris Joss
Post Production Company: Unit - Sound design: Roz Wilson, Colourist: James Willett
Software: Pixel Farm Track, CINEMA 4D, Final Cut Pro und Shake
Ausgestrahlt: Online at ITV, The Guardian, YouTube und http://www.liberty-human-rights.org.uk