Zing!

Fix ist ein Lebensfaden durchtrennt, fast ebenso fix hat man CINEMA 4D gelernt.

Wer an der Filmakademie Baden-Würtemberg Filmgestaltung studiert, sieht sich über kurz oder lang mit der Aufgabe konfrontiert einen eigenen Film zu schaffen. Immer öfter nutzen die Studenten dabei die Möglichkeit, Animationsfilme mit 3D-Programmen zu machen und so künstlerische Freiheit zu gewinnen.

Auch Cynthia Collins und Kyra Buschor schlugen diesen Weg ein, der es möglich macht, der Phantasie viel Freiraum einzuräumen, ohne zusehen zu müssen, wie die Perlen ihrer Inspiration zwischen den Mahlsteinen des knappen Budgets zu Staub zermahlen werden.

Aus einem vorhergehenden Projekt, in dem ein fieser Clown im Mittelpunkt stand, entwickelte sich die Idee zu ZING!. Der Clown wurde in ZING! zu einer Inkarnation von Gevatter Tod, der in einer kirchenartigen Halle seinem Handwerk nachgeht und Lebensfäden durchtrennt. Die Fäden, die überall in dem düsteren Gewölbe zu Tausenden von der Decke hängen, werden von einer Maschine geordnet und sortiert. Gevatter Tod selbst sitzt an einem Pult, das wie ein Mittelding aus Orgel und Klavier ausschaut, und ihm Bilder der Personen präsentiert, deren Leben jeweils als nächstes zu beenden ist. Dann summt und klickert es im Saal, und die Maschine fährt die vorhangartig gesammelten Fadensammlungen vor Gevatter Tod vorbei. Sobald das richtige Bündel vor dem Sensenmann zum Halten kommt, sucht der den passenden Faden heraus und durchtrennt ihn mit einer handlichen Minisense; Zing, einfach so!

Dann klappert und ächzt die alte Maschine, und das nächste Bild erscheint: eine junge Katze. Auch dieser Lebensfaden ist schnell gefunden und gekappt. Als nächstes spuckt die Maschine das Bild eines kleinen Mädchens aus. Bevor der grimme Schnitter jedoch seines Amtes walten kann, klingelt es an der Tür und Gevatter Tod entschließt sich zunächst dort nachzusehen, bevor er den Lebensfaden durchtrennt. Vor der Tür steht ein kleines Mädchen, eben jenes Mädchen, dessen Bild gerade auf seinem Pult gelandet ist. Das Kind schaut den Sensenmann traurig an und hält ein Bild in der Hand, einem Bild von eben der Miezekatze, deren Lebensfaden gerade durchtrennt wurde …

Als Frau Collins und Frau Buschor daran gingen, das Projekt in die Tat umzusetzen, hatte Frau Collins nur beschränkte Kenntnisse von CINEMA 4D und Animation. Kyra Buschor hatte einige Jahre zuvor schon einen eigenen Animationsfilm erstellt. Mit viel logistischer Vorbereitung und konsequenter Strukturierung des Projektes mittels der Produktionsplanungssoftware Shotgun gingen die beiden Frauen an die Arbeit. Im Rahmen des Projektes hatten sie eine ganze Reihe von Problemen zu lösen, bzw. mussten spezielle Techniken entwickeln, um die gewünschten Resultate zu erzielen.

So galt es z.B. die Fäden zu animieren, die im Raum hängen, wie ein Vorhang wallen und zudem noch in mehrere Teile zerlegt werden sollten. Statt diese einzeln aus echter Geometrie zu erstellen, entschloss man sich dafür, ein Haar-System zu verwenden, mit dem sich das Fadengewirr in der gewünschten Optik realisieren ließ, ohne die Systemressourcen übermäßig zu belasten.

Das Problem des Zerteilens wurde vom technischen Direktor des Projektes Clemens Sielaff mittels einer XPresso Routine gelöst, die zunächst die beiden Teilstücke des Fadens an eine unsichtbare Spline heftete, und diese zu einem definierten Zeitpunkt wieder freigab.

Nachdem das Design für die Schauplätze und die Charaktere stand, die Produktionsplanung fertig war, arbeiteten Buschor und Collins mit Hochdruck an der Fertigstellung des Projektes, denn die für die Produktion zur Verfügung stehende Zeit war mit 16 Wochen knapp bemessen. Aber mit der Unterstützung einiger Kommilitonen ließ sich die Deadline dann doch noch halten. Zing!

Website
www.zing-movie.com/